Roland Düringer in Ö3-"Frühstück bei mir": "Ich habe viele soziale Kontakte verloren."

Wien (OTS) - Am 2. Jänner 2013 hat Roland Düringer mit seinem Selbst-Experiment begonnen: Unter dem Titel "Die gültige Stimme" startete er den Versuch, ein Leben wie vor vierzig Jahren zu führen:
ohne Handy, ohne E-Mail, ohne Auto, ohne Fernseher, Supermarkt, Kredit-und Bankomatkarte. In Ö3-"Frühstück bei mir" zog der Kabarettist, der mittlerweile mehr als Aussteiger bekannt ist, Zwischenbilanz: "Ich habe viele Eindrücke gewonnen. Ich habe viele Gegenden gesehen, die ich sonst nie gesehen hätte. Bin zum Beispiel durch den 10. Bezirk zu Fuß gegangen - was ich früher nie gemacht hätte." Die Tatsache, dass er nur mehr per Festnetz erreichbar ist, schreckt allerdings auch Freunde und Bekannte ab: "Ich habe viele soziale Kontakte verloren. Menschen, die mich oft am Handy angerufen haben, rühren sich nicht mehr. Man müsste mir eine Nachricht am Anrufbeantworter hinterlassen und warten dass ich zurückrufe. Und das ist vielen zu mühsam."

Ziel des Selbst-Experiments war für Düringer herauszufinden was er wirklich braucht, was er nur will und wo Reduktion wirklich sinnvoll ist. "Zum Beispiel habe ich erkannt, dass ich nicht ganz auf das Auto verzichten kann, weil ich am Land lebe und würde zu Fuß eine Stunde zum nächsten Bahnhof brauchen. Aber ein altes Auto reicht dafür völlig: so habe ich mir einen 600 Euro-Citroen BX mit 195.000 km gekauft, mit dem fahr ich zum Bahnhof, ansonsten habe ich meinen Autokonsum um 85 Prozent eingeschränkt, bin nur mit Zug und Öffis unterwegs." Außerdem will er sich bald wieder ein Wertkartenhandy beschaffen: "Nachdem meine Mutter 78 ist und meine 12jährige Tochter mich auch manchmal erreichen muss. Insofern ist ein Handy für Notfälle sinnvoll." Dass sein bescheidenes Leben im 28-Quadratneter-Wohnwagen neben seinem großen Haus in Kasten nicht ganz glaubwürdig scheint, stört ihn nicht: "Das Haus ist nichts Schlechtes und wird auch wieder Sinn bekommen, wenn zum Beispiel Leute in der Umgebung einmal ein Dach über dem Kopf brauchen. Es wegzureißen, nur damit ich nicht in Versuchung komme es zu nützen, wäre vertrottelt. Ich will ja nur ausprobieren wie es ist, wenn man es nicht hat."

Frau und Tochter ziehen mit bei Düringers Experiment: "Meine Frau hat schon immer ein viel bescheideneres und einfaches Leben geführt. Die hat sich nicht so im Konsumwahn verlaufen wie ich." Und seine Tochter Ilvy musste akzeptieren, dass sie der Papa nicht mehr mit dem Auto von der Schule abholt. "Sie hat das Zugfahren schätzen gelernt."

Düringer, der jetzt auch in seinem neuen Buch "Leb wohl Schlaraffenland - Die Kunst des Weglassens" von dem Selbstversuch erzählt, weiß nicht wie lange er weiter experimentieren will. "Ich weiß jedenfalls in welche Richtung ich weiterdenken werde. Nämlich immer bevor ich ein Trumm kaufe, zu schauen, ob es das gebraucht gibt." Und seine Positivbilanz: "Es ist nicht das bequemere, aber das erfülltere Leben, das ich führe. Und ich habe sehr viel Zeit gewonnen. Kein Mail, kein Facebook, nichts zu googlen und nicht mit dem Auto auf Tournee zu fahren ist ziemlich gemütlich." Sein nächster Plan hat jedenfalls auch etwas mit Freiheit und Unabhängigkeit zu tun: "Ich werde mit meiner Frau den Jagdschein machen. Weil wer Fleisch isst, sollte auch die Eier haben Tiere zu töten."

Das ganze Gespräch ist nachzuhören auf oe3.orf.at.(hb)

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