Wissen statt Wissenschaft - Kaum Raum für Forschung an Schulen

Wien (OTS) - Wissensvermittlung steht an Schulen im Vordergrund, forschend-entdeckendes Lernen nicht -APA-Science-Diskussionsveranstaltung zum Thema "Wie viel Wissenschaft braucht die Schule?"

In der Schule gehe es zwar traditionell um die Vermittlung von Faktenwissen, die Auseinandersetzung mit Wissenschaft könnte aber dabei helfen, über den Rand des bereits Bekannten zu blicken und das forschende Interesse der Schüler zu schüren. So lautete gestern, Donnerstagabend, der Tenor im Rahmen einer von APA-Science, der Wissenschaftsplattform der APA - Austria Presse Agentur, veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema "Wie viel Wissenschaft braucht die Schule?" in Wien. Für spielerisch-erkennendes Lernen, etwa durch Experimentieren, brauche es im Schulbetrieb allerdings Freiräume. Der Trend gehe aber weiter in Richtung einseitige Wissensorientierung, erklärte etwa der Bildungsforscher Stefan Hopmann von der Universität Wien.

Die aktuelle Zustandsdiagnose, dass sich Schule unter anderem mit der Vermittlung von wissenschaftlicher Arbeit schwertue, stehe bereits "seit fast 200 Jahren" im Raum, so Hopmann. Das liege daran, dass es gerade die Stärke von Schule sei, "die Komplexität der Welt überschaubar darzustellen" und Probleme in Disziplinen oder Fächern zu verorten. "In der realen Welt kommt aber kein Problem daher und sagt: 'Ich bin Chemie, Physik oder Mathematik'", hielt der Bildungsforscher fest.

Die heutige Schule sei dahingehend veraltet, wie sie wissenschaftliche Disziplinen sieht, erklärte die Molekularbiologin und Geschäftsführerin des ScienceCenter-Netzwerks, Barbara Streicher. In der Forschung seien die Fächer mittlerweile weitgehend aufgehoben, es brauche daher Möglichkeiten, um auch in der Schule fächerübergreifend und praktisch arbeiten zu können.

Um ein Verständnis für Wissenschaft zu schaffen, gehe es vor allem darum, nicht nur Wissensvermittlung zu betreiben, sondern den Blickwinkel darauf zu lenken, dass es auch Neues zu entdecken gibt, so Streicher. Eine solche teilweise Verschiebung des Fokus' verlange aber auch ein Umdenken seitens der Lehrer, die dann natürlich nicht alles über potenzielle Unterrichtsthemen wissen könnten.

Ein gewisses "Selbstbewusstsein dafür, auch etwas nicht zu wissen", würde hier Entlastung bringen, so der Physiker Bernhard Weingartner von der Technischen Universität (TU) Wien. Momentan sei es so, dass Lehrer sehr strikt in ein Korsett gepresst würden, so der Forscher, der sich im Rahmen mehrerer Projekte um Wissenschaftsvermittlung an Schulen bemüht.

Das liege auch daran, dass momentan in der Schule nicht die "Erfahrung des Lernens" im Vordergrund stünde, sondern das bezifferbare Ergebnis etwa in Form von PISA-Daten oder Bildungsstandards, wie Hopmann festhielt. Die Schule brauche "Raum für den Umgang mit Wissen" und nicht immer neue Kontrollmechanismen durch weitere Tests. Die Schulentwicklerin Christa Koenne von der Universität Klagenfurt sieht die zunehmende Standardisierung und Orientierung am "Output" des Bildungssystems weit positiver. Das Erreichen von "Mindeststandards" sei unumgänglich, um an der Gesellschaft teilnehmen zu können, und somit "friedensstiftend".

Für den Geschäftsführer der TÜV Austria Holding, Stefan Haas, greift ein Bildungssystem, das sich vorrangig ein Einhalten solcher Mindeststandards auf die Fahnen schreibt, allerdings zu kurz. In der Wirtschaft seien "Leute mit Profil" gefragt, die dazu fähig sind Probleme zu identifizieren und kreative Lösungsansätze zu entwickeln. Es brauche also mehr Möglichkeiten für Schüler, ihre Stärken auszubauen und Anregungen dahingehend, sich etwa für Ingenieurs- und Naturwissenschaften zu interessieren bzw. dieses Interesse über die Schulzeit hinweg zumindest nicht verkümmern zu lassen, erklärte Haas.

Barbara Streicher betonte, dass die Frage, wie viel Platz die Wissenschaft in der Schule braucht, nicht nur durch die Brille der Wirtschaft zu sehen sei. Die Gesellschaft und die Unternehmen hätten vor allem an "interessierten jungen Menschen" Bedarf. Daher sollte sichergestellt werden, dass "Wissenschaft kein Minderheitenprogramm ist", das großteils von der Eigeninitiative engagierter Lehrer, Projekte oder Forscher lebt.

APA-Science - ein Netzwerk der APA

Bildung, Forschung, Technologie und Innovation - APA-Science ist das österreichische Kommunikationsnetzwerk für Zukunftsthemen. Initiiert von der APA - Austria Presse Agentur bietet die Plattform science.apa.at fundierte Berichterstattung zu Forschungs- und Bildungsthemen und aktuelle Beiträge von führenden Playern der österreichischen Wissenschaftslandschaft.
APA-Science hat zum Ziel, gemeinsam mit seinen Partnern die österreichische Forschung im In- und Ausland sichtbar zu machen und damit Neugierde auf wissenschaftliche Themen in der Öffentlichkeit zu wecken.

Die Partner von APA-Science sind u.a.:

Rückfragen & Kontakt:

APA - Austria Presse Agentur
Barbara Rauchwarter
Unternehmenssprecherin, Leiterin Marketing & Kommunikation
Tel.: +43/1/360 60-5700
barbara.rauchwarter@apa.at
www.apa.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | APR0001