Metallindustrie: PRO-GE und GPA-djp setzen erneut einheitlichen KV durch

Erfolgreiches Ende der 120-Stunden-Marathonverhandlungen: Ergebnis für Gießereiindustrie ident mit anderen fünf Abschlüssen in Metallindustrie

Wien (OTS/ÖGB) - Nach sieben Wochen, mehr als 120 Verhandlungsstunden und insgesamt 21 Verhandlungsrunden mit den sechs Fachverbänden der Metallindustrie haben die Gewerkschaften PRO-GE und GPA-djp am 7. November ihr Ziel eines einheitlichen Kollektivvertrages und eines einheitlichen Lohn- und Gehaltsabschlusses für alle 180.000 Beschäftigten erreicht. In den frühen Nachmittagsstunden am Donnerstag konnte mit dem letzten ausständigen Fachverband der Gießereiindustrie in der zweiten Runde eine Einigung erzielt werden. Die Lohn- und Gehaltserhöhungen entsprechen den anderen fünf Metall-Abschlüssen. "Wir haben die gemeinsamen Beschlüsse der BetriebsrätInnen und der Gewerkschaften für den Erhalt des Kollektivvertrages auch 2013 erfolgreich durchgesetzt", betonen die beiden Chefverhandler der Gewerkschaften, Rainer Wimmer (PRO-GE) und Karl Proyer (GPA-djp).

Die KV-Marathonverhandlungen in der Metallindustrie 2013 sind mit der Einigung in der Gießereiindustrie erfolgreich abgeschlossen: IST- und kollektivvertragliche Mindestlöhne bzw. -gehälter steigen wie bei allen anderen abgeschlossenen Verhandlungen zwischen 3,2 und 2,5 Prozent. Im Durchschnitt um 2,8 Prozent. Die Lehrlingsentschädigung erhöht sich um 2,85 Prozent, die Aufwandsentschädigung und Zulagen um 2,1 Prozent.

PRO-GE und GPA-djp haben es trotz des komplizierteren Verhandlungsablaufes wieder geschafft, deutliche reale Einkommenszuwächse für alle 180.000 Beschäftigten der Metallindustrie zu erreichen. Die von den Wirtschaftsforschern prognostizierte Jahresinflationsrate für 2013 liegt derzeit bei 2,1 Prozent.

"Die Stärkung der Kaufkraft und die Signalwirkung für andere Branchen werden auch der österreichischen Wirtschaft helfen. Vor allem bei der derzeit noch durchwachsenen Konjunktur", betonen Wimmer und Proyer. Geltungstermin für den neuen einheitlichen Kollektivvertragsabschluss Metallindustrie ist der 1. November.

"Es waren meistens sehr partnerschaftliche Verhandlungsrunden und die Gewerkschaften bekennen sich zur Sozialpartnerschaft, die den Beschäftigten etwas bringt", sagen Wimmer und Proyer. Trotzdem kritisieren PRO-GE und GPA-djp weiterhin vehement die getrennten Verhandlungen in der Metallindustrie: "Die Sinnhaftigkeit der aufgezwungen Verhandlungsstruktur kann man nach dem heurigen 120-Stunden-Marathon weiterhin klar mit 'Nein' beantworten."

Startschuss für die herbstlichen Lohn- bzw. Gehaltsrunde 2013 war eine große Auftaktkonferenz mit 2.500 BetriebsrätInnen in Wien und die Forderungsprogrammübergabe am 20. September. Dem ersten Abschluss mit dem Fachverband Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) am 28. Oktober waren regionale BetriebsrätInnenkonferenzen, Protestkundgebungen in Niederösterreich, Steiermark und Vorarlberg, Betriebsversammlungen in 300 FMMI-Betrieben mit entsprechenden Streikbeschlüssen vorausgegangen.

Bis zuletzt sorgte die Arbeitgeber-Bedingung für Einkommenserhöhungen für Konflikt: Die gleichzeitige Einführung eines neuen Zeitkontos ohne Durchrechnungszeiträume, hätte im erheblichen Ausmaß die Mehrarbeits- und Überstundenzuschläge gekappt. Den Gewerkschaften gelang es aber in der entscheidenden fünften Verhandlungsrunde und buchstäblich in letzter Minute vor Streikbeginn die Themen Arbeitszeit-Flexibilisierung und Einkommenserhöhungen zu entkoppeln. "Der FMMI-Abschluss ist nur gelungen, weil Gewerkschaftsmitglieder und BetriebsrätInnen den Druck auf die Arbeitgeber deutlich zu erhöht haben. Auch das Ziel, niedrigere Einkommen deutlicher zu erhöhen, konnte erfolgreich durchgesetzt werden. Die Betriebsversammlungen und die zahlreichen Streikbeschlüsse haben den gewerkschaftlichen Forderungen deutlich Schubkraft gegeben", sagen Wimmer und Proyer.

PRO-GE und GPA-djp haben sich mit dem FMMI darauf geeinigt, dass nach der heurigen KV-Runde in der Metallindustrie das Thema Arbeitszeitverteilung mit dem Fachverband FMMI verhandelt wird. Es soll bis Ende Juni 2014 über alle Aspekte der Arbeitszeit geredet und verhandelt werden. Die Gewerkschaften wollen gleichzeitig auch mit den anderen Fachverbänden über das Thema Arbeitszeit in Gespräche eintreten.

Für die 17.000 Beschäftigten des Bergbaus und der Stahlindustrie wurde heuer erstmals eine Möglichkeit geschaffen, sich anstelle der IST-Erhöhung für mehr Freizeit zu entscheiden. Dafür notwendig ist eine Betriebsvereinbarung. Statt der Lohn- bzw. Gehaltserhöhungen können bis zu 66 Stunden für zusätzliche Freizeit verwendet werden. Der zusätzliche Freizeitanspruch kann zur Verringerung der wöchentlichen Arbeitszeit verwendet, stundenweise, in ganzen Tagen oder ganzwöchig verbraucht oder für eine längere Freizeitphase über mehrere Jahre angespart werden.

Die größte Gruppe in der Metallindustrie nach Beschäftigtenanzahl ist der FMMI mit rund 120.000 Beschäftigten. Dann folgen Fahrzeugindustrie (30.000), Bergbau-Stahl (17.000), Gießereiindustrie (7.000), Nichteisenmetallindustrie (6.500) und der Fachverband Gas-und Wärmeunternehmungen (6.000).

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