H.P. Martin: Heute ist "Tag der EU-Toilette"

Brüssel (OTS) - Utl.: EU-Regulierungswelle erreicht neuen Höhepunkt / Aufwändiger "Technischer Bericht" mit Tests und aberwitzigen Zitaten / Ab sofort "Toiletten-Auffangbecken" statt "WC-Schüssel" / Weitere, millionenteure vierjährige EU-Studie zu "Wert aus Urin" in Arbeit

Heute Mittag, High Noon, stellt der slowenische EU-Kommissar Janez Potocnik in Brüssel seine neuen Regulierungsvorschläge für Wassertoiletten und Urinale vor.

In einem ersten Schritt sollen Toiletten mit einem "Öko-Label" gekennzeichnet werden, wenn sie mit maximal fünf Liter Wasser spülen, bei Pissoirs liegt das Limit bei einem Liter.

Das ist das Ergebnis mehr als zweijähriger Forschungsarbeit einer Arbeitsgruppe aus EU-Beamten und Experten, die sich unter anderem zu Tagungen in Sevilla traf.

In aufwändigen Tests wurden unter anderem WCs typisiert ("Class 1", "Class 2") und die einzelnen Toilettenpapier-Blätter gezählt. (Bericht Seite 33)

Die "Erkenntnisse" sind in einem 60 Seiten dicken "Technischen Bericht" festgehalten.

Kostproben:

"Die Analyse des Nutzerverhaltens zeigt wie der Wasserverbrauch sich in den EU-Mitgliedstaaten unterscheidet. Auch der Verbrauch von Bürgern innerhalb eines einzigen Landes kann sehr unterschiedlich sein. Dabei spielt eine Reihe von Parametern eine Schlüsselrolle für diese festgestellten Unterschiede, inklusive kultureller Aspekte. Das Nutzerverhalten ist daher ein sehr komplexes Thema." (Seite 10)

"Die Formulierung "Toiletten-Auffangbecken" wurde "WC-Schüssel" vorgezogen, da erstere allgemeinerer Natur ist als letztere, obwohl WC-Schüssel - definiert in EN 997 als eine Vorrichtung in Schüssel-Form für die Aufnahme und das Wegspülen von festen und flüssigen menschlichen Exkrementen - bei Weitem der am meisten verbreitetste Typ von Toiletten-Auffangbecken ist." (Seite 14)

"Toilettensitze und -deckel wurden nicht in die Studie miteinbezogen, da sie nicht zum Wassersparen beitragen können. Nichtsdestotrotz wurden Sitze und Deckel miteinbezogen wenn sie mit dem Auffangbehältnis zusammen verkauft werden, da sie in diesem Fall Teil des Produkts sind" (Seite 12)

"Es ist wichtig, dass das Toiletten- und Urinal-Equipment seine Funktion ordnungsgemäß erfüllt, d.h. einmaliges Spülen entfernt das Abfallprodukt aus dem Auffangbehältnis, wäscht es ordnungsgemäß aus ohne zu spritzen und hinterlässt eine geeignete Wassermenge im Toilettenboden" (Seite 32)

"Tatsächlich geht der größte Umwelteinfluss bei Toiletten und Urinalen vom Wasserverbrauch in der Nutzungsphase aus, d.h. von der Wasserspülung." (Seite 12)

"Das gesamte neu-verbaute Holz muss aus Wäldern stammen, die so bewirtschaftet werden, dass Prinzipien und Maßnahmen umgesetzte werden, die eine nachhaltige Wald-Bewirtschaftung bestätigen." (Seite 45)

Auf mehreren Seiten wird ausführlich erörtert, warum sowohl die Toilettenschüssel als auch der Spühlkasten/ das Spühlsystem in die Studie miteinbezogen werden müssen, da diese sich hinsichtlich des Ziels des Wassersparens ergänzen (Seite 11 und 12).

Trotz all des Aufwands: Insgesamt ist das EU-WC-Ziel wenig ambitioniert, liegt der durchschnittliche Verbrauch derzeit doch in den meisten Ländern bei sechs statt der angepeilten fünf Liter. Und bei sechs statt fünf wird es zumeist auch bleiben, da sich mit weniger Wasser die Abflussrohre vielerorts verstopfen würden.

Gleichzeitig wird mit 2,9 Millionen Euro aus EU-Geldern im Rahmen des 7. Forschungs-Rahmen-Programm gefördert eine internationale Studie zum "Wert aus Urin" ( Value from Urine") gefördert. In vierjähriger Arbeit soll wieder einmal geklärt werden, mit welchem Aufwand etwa Phosphor und Ammoniak aus Urin gewonnen werden könnten. In Wissenschaftlerkreisen ist der Ansatz der beauftragten Forscher aus den Niederlanden, Spanien und Portugal umstritten, die Untersuchung wird als "Pipi-Forschersubvention" verspottet. Um die Ergebnisse umzusetzen, müssten wohl sämtliche Toiletten in ganz Europa umgebaut werden.

Das fraktionslose Mitglied des Europäischen Parlaments Hans-Peter Martin aus Österreich:"Wassereinsparungen sind natürlich sinnvoll, aber sie müssen doch nicht mit so einem Aufwand betrieben werden. Haben so viele EU-Beamte und beigezogene Experten nichts Besseres zu tun, als so intensiv über das stille Örtchen nachzudenken? Wieder einmal kommt eine EU-Regulierungswut zum Vorschein, die Europas Bürger abschreckt statt überzeugt."

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