Presserat: Zur Kritik der Medien an Politikern

Wien (OTS) - Der Presserat hat einige Mitteilungen mit Bezug zum NR-Wahlkampf erhalten, über die der Senat 2 nun entschieden hat. Dabei betonte der Senat das generelle Prinzip, wonach Personen, die am politischen Leben teilnehmen, mehr Kritik und Polemik aushalten müssen als die Durchschnittsbürger.

Standard.at - Vergleich Frank Stronachs mit "verwirrtem Opa"

Eine Leserin kritisierte den Artikel "Opas Welt, Straches Beitrag", erschienen am 12.09.2013 auf www.derstandard.at. In dem Kommentar wird Frank Stronach mit einem "verwirrten Opa" verglichen. Nach Meinung der Leserin sei dies eine Herabwürdigung des Alters.

Der Senat hat beschlossen, in dieser Angelegenheit kein Verfahren einzuleiten.

Die Bezeichnung als "Opa" wertete der Senat nicht als verletzend. Dass die Autorin des Kommentars Frank Stronach bei einem Auftritt in einer Fernsehdiskussion als verwirrt empfand, ist ihr persönlicher Eindruck. Derartige subjektive Wertungen sind für Kommentare typisch, bei denen die Meinungsfreiheit besonders weit reicht und auch Standpunkte vertreten werden können, die mitunter sogar verstören oder schockieren. Hinzu kommt, so der Senat weiter, dass die Wertung der Autorin an einem gewissen Tatsachensubstrat anknüpft. Dem Senat ist aus eigener Wahrnehmung bekannt, dass Frank Stronach nicht immer stringent argumentiert.

Profil - Bezeichnung Frank Stronachs als "Lachnummer"

Ein Leser kritisierte das Titelbild des Magazins "Profil" vom 16.09.2013, auf dem Frank Stronach gezeigt wird. Der Text dazu lautet: "Die Lachnummer - Absurde Fernsehauftritte, skurrile Forderungen, Absturz in den Umfragen." Nach Ansicht des Lesers sei diese Veröffentlichung diskriminierend.

Auch in diesem Fall hat der Senat kein Verfahren eingeleitet.

Die Bezeichnung als "Lachnummer" ist laut Senat eine Wertung, die durch die darunter angeführten Punkte - "absurde Fernsehauftritte, skurrile Forderungen, Absturz in den Umfragen" - untermauert wurde. Diese Wertung ist nicht völlig von der Hand zu weisen, zumal dem Senat aus eigener Wahrnehmung bekannt ist, dass einige Forderungen Frank Stronachs höchst ungewöhnlich sind. Nach Ansicht des Senats lag die Wertung innerhalb des Rahmens der an einem Politiker erlaubten Kritik.

"Österreich" - Bezeichnung Michael Spindeleggers als "Spindi"

Ein Leser beanstandete die Schlagzeile "TV brutal: Heute Frank gegen Spindi", erschienen in der Tageszeitung "Österreich" am 03.09.2013. Der Leser sah in der Bezeichnung "Spindi" für Vizekanzler Spindelegger eine Herabwürdigung.

Der Senat 2 teilte diesen Standpunkt nicht und bewertete den Spitznamen "Spindi" nicht als beleidigend.
Außerdem hielt der Senat fest, dass dieser Spitzname auch in ÖVP-Kreisen verwendet wird und möglicherweise ein Versuch ist, bei den Wählern volksnäher zu wirken.

MITTEILUNGEN VON LESERINNEN UND LESERN

Der Presserat ist ein Verein, der sich für verantwortungsvollen Journalismus einsetzt und dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände Österreichs angehören. Die Mitglieder der beiden Senate des Presserats sind weisungsfrei und unabhängig.
In den vorliegenden Fällen ist der Senat 2 aufgrund von Mitteilungen von Leserinnen und Lesern tätig geworden und hat seinen medienethischen Standpunkt geäußert. Die Medieninhaberinnen der Tageszeitung "Der Standard" und des Magazins "Profil" haben sich der Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats unterworfen, die Medieninhaberin der Tageszeitung "Österreich" hat sich dieser Schiedsgerichtsbarkeit hingegen nicht unterworfen.

Die Ausführungen des Senats im Langtext finden Sie unter www.presserat.at.

Rückfragen & Kontakt:

Andreas Koller, Sprecher des Senats 2, Tel.: 01-53153-830

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