WKÖ: Langfristgutachten der Pensionskommission bestätigt Reformbedarf

Das auch langfristig nur mäßig steigende Pensionsantrittsalter belastet Staatshaushalt - Gleißner: Zahlen sind alarmierend

Wien (OTS/PWK752) - Experten und Politiker sind sich einig, dass das Pensionssystem durch längeres Verbleiben der Versicherten im Erwerbsleben nachhaltig finanzierbar bleiben soll. Das aktuelle Langfristgutachten der Pensionskommission, das alle drei Jahre erstellt wird und die Entwicklung mit einem Referenzszenario aus dem Jahr 2003/2004 vergleicht, zeichnet jedoch ein ernüchterndes Bild:
Für 65-Jährige liegt der Lebenserwartungsgewinn bis zum Jahr 2060 bei 4,5 Jahren. Die Lebenserwartung von 65-jährigen Männern wird dann 88 Jahre, jene von Frauen knapp 91 Jahre betragen. Dennoch werden Herr und Frau Österreicher auch 2060 noch weit vor dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter ihren Ruhestand antreten. Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter soll laut Prognose 61 Jahre betragen.

2060: 1,9 Erwerbstätige finanzieren einen Pensionisten
Das Gutachten zeigt klar: Die Bevölkerung im Alter 65+ nimmt von derzeit 1,53 Millionen Personen auf 2,71 Millionen Personen im Jahr 2060 zu. Der Lebenserwartungsgewinn zum Alter 65 steigt bis 2060 um ein Jahr pro Jahrzehnt. Dies führt unweigerlich dazu, dass sich das Verhältnis der Generation 65+ zur Bevölkerung im Erwerbsalter - und damit der sogenannte Altersquotient - zu Lasten jüngerer Generationen verschlechtern wird. Während derzeit 3,7 Erwerbstätige einen Pensionisten finanzieren, stehen im Jahr 2060 zur Finanzierung eines Pensionisten lediglich 1,9 Erwerbstätige zur Verfügung.

"Die demografischen Annahmen zeigen einen noch deutlicheren Handlungsbedarf als erwartet. Auch wenn Reformgegner stets auf die bereits beschlossenen Reformen im Pensionsbereich verweisen, werden diese nicht ausreichen, um das österreichischen Pensionssystem nachhaltig finanzierbar zu halten. Wie der Monitoringbericht der Pensionskommission vor zwei Wochen bestätigt hat, gelingt es nicht einmal, die bescheidenen Referenzwerte beim faktischen Pensionsalter einzuhalten - im Gegenteil", Rolf Gleißner, stv. Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), fest. "Außerdem erscheinen die dem Bericht zu Grunde liegenden Fertilitätsannahmen (2060: 2,05 Kinder je Frau, damit 50% mehr als 2012 mit 1,44) sowie die positive Annahme bei der Zuwanderung sehr optimistisch. Treffen diese Prognosen nicht ein, verschärft sich die Lage der Demografie zusätzlich", warnt Gleißner.

Das starke Anwachsen der Generation 65+ führt dazu, dass sich die Zahl der Pensionen von derzeit 2,3 auf 3,6 Millionen im Jahr 2060 erhöht. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Pensionsaufwand von derzeit 31,4 Mrd. Euro auf 82,5 Mrd. Euro im Jahr 2060 steigen soll. Die Kosten fürs Budget werden sich von 2012 (2,8% des BIP) bis 2050 (5,9% des BIP) mehr als verdoppeln.

Schlupflöcher schließen - Anreize schaffen
"Diese Zahlen sind alarmierend und sollten allen Beteiligten die Notwendigkeit und Dringlichkeit weiterer Reformen verdeutlichen. So erfreulich es ist, dass wir immer länger leben, so unausweichlich ist es, weitere Reformschritte im Pensionssystem zu setzen. Schlupflöcher in Form von Frühpensionsmöglichkeiten gehören abgeschafft, Anreize für ein längeres Verbleiben im Erwerbsleben müssen verstärkt eingeführt werden. Wir sind es jüngeren Generationen schuldig, ihnen ein leistungsfähiges und finanzierbares Pensionssystem zu übergeben", so Gleißner. (PM)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
Dr. Rolf GLEISSNER
Tel.: T:+43 (0)5 90 900 4288, F:+43 (0)5 90 900 3588
rolf.gleissner@wko.at

persönl. Fax: +43 (0)5 90 900 114288

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0004