Landau: "Obdachlose nicht für ihr Obdachlossein bestrafen"

Caritasdirektor Michael Landau mit Ergebnis des Runden Tischs zufrieden. "Winterpaket der Stadt ist Vorbild in Europa."

Wien (OTS) - Caritasdirektor Michael Landau zeigt sich in einer ersten Reaktion zufrieden mit dem Ergebnis des gestrigen Runden Tischs zum Thema Obdachlosigkeit in Wien: "Der Fonds Soziales Wien hat bewiesen, dass in dieser Stadt alle rasch an einem Strang ziehen, wenn es darum geht, dass kein obdachloser Mensch im Stich gelassen werden darf. Dieses Gespräch war ein richtiger Schritt, um Räumungen wie jene im Stadtpark künftig zu vermeiden. Es muss darum gehen, Armut und Obdachlosigkeit zu bekämpfen und nicht die Armen und Obdachlosen. Hierüber herrscht im Grunde Einigkeit. Das ist gut so."

Und so Landau weiter: "Das Winterpaket der Stadt startet mit erstem November und kann hier auch als Vorbild für viele andere europäische Metropolen gelten. Dieses Paket wird auf den Straßen Wiens hoffentlich jene Entspannung bringen, die gerade in den Wintermonaten dringend notwendig ist, damit kein Mensch unversorgt auf der Straße steht. Gleichzeitig ist klar, dass uns akute Obdachlosigkeit 365 Tage im Jahr beschäftigen muss. Es wird immer Menschen geben, die die Hilfe der Stadt, die die Hilfe von Organisationen wie der Caritas vorerst nicht annehmen können - sei es, weil diese Menschen psychisch erkrankt sind, weil sie nicht dieselben Rechte wie Wienerinnen und Wiener besitzen oder weil sie erst langsam wieder Vertrauen in die Gesellschaft fassen können. Die aufsuchende Sozialarbeit braucht hier einen langen Atem, aber sie ist wichtig und funktioniert."

Vor diesem Hintergrund begrüßt Landau auch den Schritt, wonach Fragen der Armutsmigration aus anderen Bundesländern und anderen Staaten nach Wien künftig einen höheren Stellenwert in der Stadt erhalten sollen. "Diese Diskussion muss geführt werden - in Wien, aber auch in Abstimmung mit anderen Bundesländern und dem Bund", so Landau. "Wenn in Wien kein Mensch unversorgt auf der Straße stehen darf, muss dies in einem ersten Schritt auch für alle Menschen, die von akuter Obdachlosigkeit betroffen sind, gelten - egal, ob diese Menschen aus Wien, aus Kärnten, der Steiermark oder aus Ländern wie Deutschland, Polen oder der Slowakei stammen." Landau sieht hier durchaus auch Parallelen zum Spitalswesen: "Wenn ein Niederösterreicher in einem Wiener Spital behandelt wird, werden die Kosten solidarisch getragen. Im Bereich der Wohnungslosenhilfe wäre eine ähnliche Solidarität wünschenswert. Wien kann diese Aufgabe nicht alleine bewältigen. Mitmenschlichkeit darf nicht an den Grenzen eines Bundeslandes oder an der Grenze eines Staates enden."

"Unnötige Härte"

Abschließend hält Landau fest: "Auch uns als Caritas ist klar: In jeder Stadt muss es Spielregeln geben, die für alle Menschen in dieser Stadt Gültigkeit besitzen - für Eltern mit ihren Kindern ebenso wie für PensionistInnen oder eben auch für von Armut betroffene Menschen. Doch wenn Obdachlose für ihr Obdachlossein bestraft, wenn sie aufgrund ihres Schlafsacks mit Geld- und Freiheitsstrafen bedroht werden, sollten die Verantwortlichen in der Politik diese Spielregeln selbstkritisch hinterfragen. Armut kann man nicht mit Strafen und Vertreibungsaktionen bekämpfen. Gerade eine Stadt wie Wien, die stolz auf ihre sozialen Errungenschaften sein darf, sollte keine unnötige Härte demonstrieren. Sie wird damit den eigenen, sonst gültigen Ansprüchen nicht gerecht."

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Pressesprecher Caritas der Erzdiözese Wien
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