WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Strom alleine reicht nicht mehr - von Fabian Grabner

Wer im Energiesystem 2.0 mitverdienen will, wird sich anpassen müssen

Wien (OTS) - Die Alarmglocken schrillen ohrenbetäubend: kein Vorstand in der Energiewirtschaft, der nicht vor den katastrophalen Auswirkungen der Energiewende warnt; keine Bilanz, an der die Verwerfungen auf dem Strommarkt spurlos vorübergehen. Die Krise auf dem Energiemarkt ist bereits Realität, Gewinner und Verlierer stehen aber noch nicht fest.
Wer im Energiesystem 2.0 mitmischen und mitverdienen will, wird sich anpassen müssen. Das könnte sogar bedeuten, vom klassischen Geschäftsmodell - dem Handel mit Strom - abzukommen. Ein schmerzhafter Prozess.

Strom ist Massenware, ohne die zweifellos alles stillstehen würde. Solange sich der Fernseher aber problemlos einschalten lässt, befassen sich die Menschen wenig bis gar nicht mit dieser "Commodity". Die Stromrechnung ist ein notwendiges Übel, vergleichsweise hohe Strompreise für Haushalte werden in Kauf genommen - ansonsten wären die Wechselraten höher. Eine Minderheit der Konsumenten ist bereit, für Grünstrom mehr auszugeben. Zu Recht zweifelt eine immer größere Zahl an Experten an der Nachhaltigkeit dieses Geschäftmodells.

Aktuelle Entwicklungen im Energiegeschäft deuten darauf hin, dass die Strukturen der großen Versorger auch in der Erzeugung nicht mehr zeitgemäß sind. Dezentrale Anlagen - seien es Photovoltaikmodule, Windräder oder flexible Kleinkraftwerke - drängen auf den Markt. Noch sind hohe Förderungen dafür verantwortlich, weil der Betrieb in den meisten Fällen unwirtschaftlich ist. Das ist aber vor allem eine Frage der Technologie, die sich angesichts des rasanten Fortschritts bald nicht mehr stellen wird. Ähnlich verhält es sich mit Speichern:
Strom lässt sich kaum wirtschaftlich aufbewahren. Man stelle sich vor, in zehn Jahren wäre dieses Problem gelöst und ein Großteil der (Niedrigenergie-)Häuser würde ohne externe Stromzufuhr auskommen. Noch dazu, wo Selbstversorgung, "Sharing" und Dezentralität gesellschaftliche Megatrends darstellen. Wer braucht dann noch einen Stromversorger mit Dutzenden Großkraftwerken im Portfolio?

Eine mögliche Antwort: der Staat. Nach wie vor spülen Energiekonzerne Dividenden in die leeren Kassen. Prominente Beispiele ("Verstaatlichte" etc.) zeigen, dass man es in Zukunftsfragen meistens darauf ankommen lässt - immer aber mit horrenden Kosten.

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