Fehlende Zeit für Patienten durch bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitssystem behebbar

Wenn die ÖÄK als Lösung des Problems Dinge fordert, die bisher von ihr bekämpft wurden, dann braucht man sich über das bestehende Glaubwürdigkeitsproblem nicht zu wundern.

Wien (OTS) - Mit vollkommenem Unverständnis reagiert man seitens der NÖ Ärztekammer auf die Pressemeldungen der vergangenen Woche, wonach ein hochrangiger Vertreter der Österreichischen Ärztekammer "Gesundheitszentren" als Lösungsvorschlag für das Problem der "fehlenden Zeit" im Gesundheitssystem präsentiert hat. "2008 sind wir als geschlossene Ärzteschaft in Österreich gegen solche Gesundheitszentren auf die Straße gegangen, Ende letzten Jahres haben wir mit gravierenden Maßnahmen gedroht, sollten diese umgesetzt werden. Und nun fordert man das auf einmal seitens der Österreichischen Ärztekammer. Wer soll denn das noch verstehen", fragt sich Dr.in Martina Hasenhündl, die stellvertretende Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer in Niederösterreich.

Dienstposten und Stellen müssen ausreichend besetzt werden

Aus ihrer Sicht sind ausschließlich die Arbeitsbedingungen der Ärzteschaft - und zwar unabhängig in welchem Vertragsverhältnis - für die bestehenden Probleme verantwortlich und daher ist die Verbesserung dieser Bedingungen auch der einzige Lösungsansatz: "Das beginnt bei einer Bürokratieentschlackung und geht über die ausreichende Besetzung von Dienstposten beziehungsweise Kassenstellen." Auch die Entlohnung ist für Dr.in Hasenhündl ein Thema. "Wir brauchen endlich faire, leistungsgerechte und vor allem vergleichbare Entlohnungsmodelle, und zwar für alle Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitssystem, ganz egal ob sie im Kassen-oder Spitalssystem tätig sind.
Einmal ganz abgesehen davon, dass so genannte "Gesundheitszentren" - oder welchen Ausdruck man auch immer dafür verwendet - aus gesundheitspolitischer Sicht fragwürdig sind, lösen diese keine Probleme sondern verschärfen bestehende Probleme noch zusätzlich. "Das derzeitige System mit niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten sowie Spitälern und einer Ergänzung durch geeignete ärztliche Kooperationsformen dort, wo sie sinnvoll sind, wäre ja bestens für eine medizinische Versorgung geeignet. Wenn man die eigentlichen Schwachstellen beseitigen würde. Zusätzlich ergänzen Wahlärztinnen und Wahlärzte das öffentliche Angebot. Aber ersetzt man die bestehenden Versorgungsformen einfach nur durch neue, angeblich moderne Modelle, löst man keine Probleme. Man schafft aber zusätzliche Probleme und auch Finanzierungsschwierigkeiten durch neue Schnittstellen und Bürokratieerfordernisse", so Dr.in Hasenhündl.

Die NÖ Ärztekammer bekennt sich zum "Best Point of Service" für die Patientenschaft

Wenn auch die Österreichische Ärztekammer in dieser Angelegenheit wie schon des Öfteren in der Vergangenheit einen Zick-Zack-Kurs fährt, ist innerhalb der NÖ Ärztekammer eine geschlossene und vor allem nachhaltige Linie präsent. "Wir bekennen uns zum "Best Point of Service" für unsere Patientinnen und Patienten, und der führt keinesfalls über Gesundheitszentren als Ersatz für die Primärversorgung auf dem Land durch niedergelassene Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner", so Dr.in Hasenhündl weiter. Und dass man im Rahmen der Reform neue Versorgungsformen zusätzlich einführen will, ist nicht geplant, also wird man bestehende abschaffen müssen.
"Wir werden im Zuge der kommenden Gesundheitsreform daher so gut wie möglich darauf achten, dass die verantwortlichen Politiker und Sozialversicherungsvertreter diese Reformen ausschließlich im Sinne der Bevölkerung beschließen. Solange die Mehrgleisigkeit der Finanzierung nicht bundesweit abgestellt wird und stattdessen noch zusätzliche "Zielsteuerungsebenen" in jedem einzelnen Bundesland eingeführt werden, darf man sich aus meiner Sicht auch nicht wundern, wenn alles immer chaotischer und damit auch teurer wird."

Ärzteschaft ist nicht eingebunden, weil man sie offenbar als Prellbock für Rationierungen braucht

Dr.in Hasenhündl hat auch ihre eigene Ansicht, warum die Ärzteschaft in genau diese Verhandlungen nicht eingebunden ist: "Die Politik ist zu feige für "echte" Reformen und wird daher die bereits für alle Menschen deutlich zu spürende "Rationierungsschraube" weiter drehen. Einerseits soll kaum mehr Geld ausgegeben werden, andererseits haben wir immer mehr ältere Menschen und die Medizin leistet immer mehr. Da sind Rationierungen eine logische Konsequenz." Spürbare Beispiele gibt es schon jetzt: Limitierte Leistungen wie etwa die Nervenleitgeschwindigkeitsmessung oder Herzultraschalluntersuchungen führen zu Wartezeiten auf einen Untersuchungstermin von mehreren Monaten in Niederösterreich. Rationierte Steigerungen der Fallzahlen bei Magnetresonanzuntersuchungen führen auch hier zu scheinbaren Engpässen, die aber bewusst politisch gewollt werden. Und die Schuld wird den "geldgierigen" Ärztinnen und Ärzten gegeben, die unverschämter Weise Geld für ihre erbrachte Leistung erhalten wollen. Büßen müssen all das nämlich immer die Ärztinnen und Ärzte, denen dann beispielsweise vorgeworfen wird, sich zu wenig Zeit für die Patientinnen und Patienten zu nehmen oder etwa Medikamente oder Therapien nicht zu bewilligen, obwohl sie medizinisch notwendig sind. "Wir Ärztinnen und Ärzte in Niederösterreich sind nicht länger bereit uns dafür prügeln zu lassen, dass die Politik ihre Versprechen an die Bevölkerung nicht halten kann oder will, so Dr.in Hasenhündl abschließend.

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