- 25.10.2013, 10:22:44
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Fünf Jahre und kaum Fortschritte
UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderung ist "wenig gelebte Realität"
Utl.: UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderung ist
"wenig gelebte Realität" =
Wien (OTS/AKNÖ) - Am Nationalfeiertag wird sie genau fünf Jahre in
Österreich in Kraft sein. Die UN-Konvention über die Rechte von
Menschen mit Behinderung. Dieses Gesetz, das auf die Inklusion von
Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft abzielt, ist
weitgehend folgenlos geblieben. AKNÖ-Präsident Hermann Haneder zieht
eine eher triste Bilanz zum Jahrestag des Inkrafttretens und fordert,
die Konvention endlich umzusetzen.
19.000 ÖsterreicherInnen arbeiten in Werkstätten, die oft als
Beschäftigungstherapie bezeichnet werden, außerhalb des offenen
Arbeitsmarktes ohne angemessene Bezahlung, ohne Urlaubsanspruch,
Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, ohne Schutz des Arbeitsrechts,
ohne eigenen Pensionsanspruch, oft mit wenig sinnstiftenden
Tätigkeiten. Ihr Schicksal ist es, in der Krankenversicherung "ewiges
Kind" zu sein, da sie als arbeitsunfähig gelten. So eine der
traurigen Teilbilanzen, fünf Jahre nachdem die UN-Konvention über die
Rechte von Menschen mit Behinderung in Österreich in Kraft getreten
ist.
Viele Barrieren und Formen der Diskriminierung
"Wir sehen viele Barrieren und Formen der Diskriminierung", sagt
AKNÖ-Präsident Hermann Haneder. "In der Schule, in der Arbeitswelt,
im Alltag. Von Geburt an werden Menschen mit Behinderung an den Rand
gestellt und nicht als Teil der Gesellschaft gesehen." Diesen
Eindruck bekräftigt AKNÖ-Expertin Ursula Janesch: " Bedauerlich ist
der Fall eines Mannes, der sich bei einem Unternehmen beworben hat.
Er hat im Telefongespräch auch angegeben, dass er blind ist. Als er
zum vereinbarten Vorstellungsgespräch erschienen ist, hat ihm eine
Assistentin mitgeteilt, der Chef sei nicht mehr an einer
Zusammenarbeit interessiert und wolle nicht mit ihm sprechen."
Ähnlich geht es einem Drittel aller begünstigten Behinderten in
Österreich. Sie haben keinen Arbeitsplatz.
Schulen nicht vorbereitet auf Kinder mit Behinderung
Auch Kinder mit Behinderung hätten in der Schule mit Barrieren zu
kämpfen, schildert Janesch die Erlebnisse einer heute Achtjährigen.
Das Mädchen hat eine Schwerhörigkeit und trägt zwei Hörgeräte. "Die
Volksschule im Dorf wollte das Kind zuerst in eine Sonderschule
schicken. Die Mutter hat auf einem inklusiven Unterricht in der
Volksschule bestanden. Die Schule zeigte leider überhaupt keinen
Willen , dem Mädchen bei der Integration zu helfen." Das Kind sei in
eine Klasse mit schlechter Lärmakustik gesteckt worden. "Das war eine
Tortur für das Mädchen, weil Hörgeräte den störenden Schall nicht
wegschalten können." Erst nach hartnäckigem Engagement der Mutter
wurde eine Deckenabhängung eingebaut, was die Lage etwas verbesserte.
"Die Lehrerin weigert sich aber nach wie vor, ein Übertragungsgerät
zu benutzen, das es dem Mädchen leichter machen würde, im Unterricht
zuzuhören." Trotz der Widrigkeiten sei das Kind "eine sehr gute
Schülerin", sagt Janesch.
Untragbare Zustände
"Das sind untragbare Zustände. Nicht nur für die Betroffenen sondern
für uns alle", sagt AKNÖ-Präsident Haneder. "Die UN-Konvention reicht
nicht auf dem Papier, sie muss auch umgesetzt werden. Jede Schule
muss so eingerichtet werden, dass sie Kindern mit einer Behinderung
eine inklusive Teilnahme am Unterricht ermöglicht. Ganz
offensichtlich reichen auch die Vorschriften für Barrierefreiheit in
anderen Bereichen wie am Arbeitsplatz nicht aus." Außerdem müsse die
Ausgleichstaxe erhöht werden, mit der sich Firmen von der
Verpflichtung freikaufen können, begünstigt Behinderte einzustellen.
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