WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Geldflut aus Sparsamkeit - von Alexander Hahn

Der faule Kompromiss im US-Budgetstreit nimmt der Fed die Handlungsfähigkeit

Wien (OTS) - Die in sprichwörtlich letzter Minute erfolgte Einigung im US-Budgetstreit ist wahrlich kein Grund zur Freude. Zunächst bleibt der schale Nachgeschmack, dass die mitunter auch persönlichen Differenzen zwischen den regierenden Demokraten und den Republikanern derartige Ausmaße angenommen haben, dass beide Seiten dazu bereit sind, das Wohl des eigenen Landes - und in weiterer Folge auch der Weltwirtschaft - aufs Spiel zu setzen. Es drängt sich die Erkenntnis auf, dass es sich letzten Endes um ein weitgehendes Versagen der US-Politik handelt.

Dazu kommt noch, dass diese Einigung keine Lösung darstellt, sondern nur bis Anfang nächsten Jahres Luft verschafft. Nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen dürfte wohl niemand überrascht sein, wenn es dann zu einer Neuauflage des Polit-Hickhacks um Staatsfinanzen und Schuldenobergrenze kommt. Dies ist insofern besonders problematisch, da dieser Umstand auch die Handlungsfähigkeit der US-Notenbank Fed stark einschränkt.

Diese hatte bereits im Frühjahr angekündigt, ihre Anleihenkäufe von 85 Milliarden US-$ pro Monat sukzessive auslaufen zu lassen. Dass Fed-Chef Ben Bernanke im September überraschend davon Abstand genommen hat, dürfte bei rückblickender Betrachtung auch auf den damals noch unter der Oberfläche schwelenden Haushaltsstreit zurückzuführen sein.

Nun dürfte die geldpolitische Paralyse zumindest noch bis ins nächste Jahr andauern, denn angesichts der Unfähigkeit der US-Politik, die eigenen Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen, wird Bernanke wohl kaum die Anleihenkäufe zurückfahren und weiterhin über sechs Prozent des nominalen BIP in die US-Wirtschaft pumpen - egal, ob diese das frisch gedruckte Geld benötigt oder nicht.

Kurioserweise droht der Streit um Sparsamkeit also dazu zu führen, dass künftig zu viel Geld im Umlauf sein wird. Wären die Auswirkungen des US-Polit-Theaters nicht so gravierend, könnte man sich entspannt zurücklehnen und auf den nächsten Akt dieser Tragikomödie freuen.

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