• 17.10.2013, 18:09:34
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Geldflut aus Sparsamkeit - von Alexander Hahn

Der faule Kompromiss im US-Budgetstreit nimmt der Fed die Handlungsfähigkeit

Utl.: Der faule Kompromiss im US-Budgetstreit nimmt der Fed die
Handlungsfähigkeit =

Wien (OTS) - Die in sprichwörtlich letzter Minute erfolgte Einigung
im US-Budgetstreit ist wahrlich kein Grund zur Freude. Zunächst
bleibt der schale Nachgeschmack, dass die mitunter auch persönlichen
Differenzen zwischen den regierenden Demokraten und den Republikanern
derartige Ausmaße angenommen haben, dass beide Seiten dazu bereit
sind, das Wohl des eigenen Landes - und in weiterer Folge auch der
Weltwirtschaft - aufs Spiel zu setzen. Es drängt sich die Erkenntnis
auf, dass es sich letzten Endes um ein weitgehendes Versagen der
US-Politik handelt.

Dazu kommt noch, dass diese Einigung keine Lösung darstellt, sondern
nur bis Anfang nächsten Jahres Luft verschafft. Nach den Erfahrungen
der vergangenen Wochen dürfte wohl niemand überrascht sein, wenn es
dann zu einer Neuauflage des Polit-Hickhacks um Staatsfinanzen und
Schuldenobergrenze kommt. Dies ist insofern besonders problematisch,
da dieser Umstand auch die Handlungsfähigkeit der US-Notenbank Fed
stark einschränkt.

Diese hatte bereits im Frühjahr angekündigt, ihre Anleihenkäufe von
85 Milliarden US-$ pro Monat sukzessive auslaufen zu lassen. Dass
Fed-Chef Ben Bernanke im September überraschend davon Abstand
genommen hat, dürfte bei rückblickender Betrachtung auch auf den
damals noch unter der Oberfläche schwelenden Haushaltsstreit
zurückzuführen sein.

Nun dürfte die geldpolitische Paralyse zumindest noch bis ins nächste
Jahr andauern, denn angesichts der Unfähigkeit der US-Politik, die
eigenen Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen, wird Bernanke wohl
kaum die Anleihenkäufe zurückfahren und weiterhin über sechs Prozent
des nominalen BIP in die US-Wirtschaft pumpen - egal, ob diese das
frisch gedruckte Geld benötigt oder nicht.

Kurioserweise droht der Streit um Sparsamkeit also dazu zu führen,
dass künftig zu viel Geld im Umlauf sein wird. Wären die Auswirkungen
des US-Polit-Theaters nicht so gravierend, könnte man sich entspannt
zurücklehnen und auf den nächsten Akt dieser Tragikomödie freuen.

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