Erben fordern Rückgabe des "Beethovenfries" von Gustav Klimt durch die Republik Österreich

Wien (OTS) - Eines der bedeutendsten Kunstwerke des Jugendstils, der Beethovenfries von Gustav Klimt, soll an die rechtmäßigen Erben restituiert werden. Ein entsprechender Antrag auf Restitution wurde am 15. Oktober 2013 beim Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur eingebracht. Zurückgefordert wird der monumentale Bilderzyklus von Erben der österreichisch-jüdischen Sammlerfamilie Lederer, die zu den wichtigsten Mäzenen von Gustav Klimt und Egon Schiele zählte und 1938 von den Nazis vertrieben und enteignet wurde. Sie stützen sich auf zwei unabhängige Rechtsgutachten, die zu dem Ergebnis kommen, dass nach Änderungen im österreichischen Kunstrückgabegesetz nunmehr alle Voraussetzungen für eine Rückgabe des Beethovenfrieses vorliegen.

Gustav Klimt gilt als einer der führenden Vertreter des Wiener Jugendstils. Mit seinem Beethovenfries schuf Klimt anlässlich der XIV. Ausstellung in der Wiener Secession im Jahr 1902 einen monumentalen Wandzyklus. Das Kunstwerk stellt auf einer Länge von 34 Metern die Suche der Menschheit nach dem Glück dar. Rückwirkend betrachtet war es wohl einer der größten Kunstschätze, der 1938 von den Nationalsozialisten erbeutet worden war.

Dr. Georg Graf, Professor an der Universität Salzburg, als Restitutionsexperte an namhaften Rückgabeverfahren in den vergangenen Jahren auch auf Regierungsseite als Gutachter beteiligt und Verfasser eines der beiden Gutachten zum Restitutionsfall "Beethovenfries":
"Der Beethovenfries ist der Paradefall für das neue Kunstrückgabegesetz, da Erich Lederer 28 Jahre um den Fries gekämpft und letztendlich aufgrund des Ausfuhrverbots resigniert und verkauft hat. Die Republik hat das Kunstwerk zwar nach dem Krieg formal zurückgegeben, Erich Lederer aber letztlich im hohen Alter mit dem Ausfuhrverbot wieder zum Verkauf gezwungen. Nach einem dreiviertel Jahrhundert kann die Republik nun beweisen, dass sie es mit der Beseitigung von Unrecht tatsächlich ernst meint."

1915 erwarb die österreichisch-jüdische Sammlerfamilie August und Serena Lederer den Beethovenfries vom Industriellen Carl Reininghaus, der ihn im Jahr 1903 vor der Zerstörung gerettet hatte. Die Familie Lederer war einer der bedeutendsten Förderer von Gustav Klimt und Egon Schiele. Sohn Erich Lederer zeigte schon als Jugendlicher seine Leidenschaft für die Kunst des Jugendstils, wünschte er sich doch als gerade einmal 15-Jähriger ein Portrait von seinem Zeichenlehrer, dem damals unbekannten Künstler Egon Schiele.

1938 wurde die Familie Lederer von den Nazis enteignet, der Beethovenfries staatlicher Verwaltung unterstellt. Erich Lederer, dem die Flucht nach Genf gelang, musste schwere persönliche, ideelle und finanzielle Verluste hinnehmen. Das einst große Familienunternehmen wurde durch horrende Abgaben der Nazis in Konkurs geführt. Noch in den letzten Kriegstagen gingen durch ein Sprengkommando der Nazis 18 wertvolle Klimt-Gemälde der Familie Lederer - darunter die berühmten Fakultätsbilder - auf Schloss Immendorf in Flammen auf. Das einzig bedeutende Werk des großen Vertreters des Wiener Jugendstils, das Erich Lederer nach dem Krieg blieb, war der Beethovenfries. Den Fries zu beschützen, machte Erich Lederer zu seiner Lebensaufgabe. Er nahm eine wahre Odyssee auf sich.

Die Odyssee des Erich Lederer

Zwar ging der Beethovenfries nach dem Zweiten Weltkrieg formal an Erich Lederer zurück, gestützt auf ein Gesetz von 1918 verhinderte der österreichische Staat aber, dass er das Kunstwerk ausführen und so frei darüber verfügen konnte. Etwa 28 Jahre lang kämpfte Erich Lederer vergebens darum, die österreichischen Behörden umzustimmen und diese doch noch zu einer Ausfuhrgenehmigung zu bewegen.

Wie zahlreiche Dokumente, die erst jetzt neu ausgewertet wurden, belegen, hatte sich der Staat jedoch darauf verlegt, mit Hilfe des Ausfuhrverbots Erich Lederer den Beethovenfries abzupressen. Lederer war seit dem Krieg in die Schweiz emigriert und konnte den Beethovenfries in Österreich weder verwahren noch verwerten. Schon kurz nach Kriegsende forderte die Republik von Erich Lederer die Begleichung einer Steuerschuld von 100.000 Schilling, obwohl diese aus dem unrechtmäßig von den Nazis verhängten Konkurs über das Familienunternehmen stammte, mit der dokumentierten Absicht, in weiterer Folge den Beethovenfries zu pfänden. Da Lederer diese strittige Schuld bezahlte, ging dieser Plan nicht auf. In den 1960er Jahren wurde überlegt, den Fries heimlich zu sanieren und die Kosten Erich Lederer aufzuerlegen, in der Hoffnung, dass dieser sie nicht tragen konnte. Daraufhin hätte die Republik in einer Zwangsversteigerung die Möglichkeit gehabt, billig an den Fries zu kommen.

Kulturhistoriker Prof. Dr. Robert Jan Van Pelt, der als Auschwitz-und Holocaust-Historiker besonderes Ansehen erlangte und an der School of Architecture an der University of Waterloo in Ontario in Kanada lehrt, erklärt: "1970 war Lederer Mitte siebzig und ein gebrochener Mann - nicht nur durch den Tod seiner Familie und die Zerstörung seines Vermögens während der NS-Zeit und die finanziellen Schwierigkeiten in den Nachkriegsjahren, sondern auch durch die anhaltende Weigerung des österreichischen Staates, ihm Gerechtigkeit zu verschaffen."

In einem Brief an den damaligen österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky aus dem Jahr 1972 klagt Erich Lederer: "Seit 24 Jahren will Österreich ihn erwerben, fast ein Menschenalter und ausführen darf ich ihn nicht! So will man mich in die Knie zwingen. Es mutet an, als stünden die Behörden mit der Uhr in der Hand da, und sagten sich, stirbt er endlich, stirbt er nicht endlich dieser LEDERER!"

Nach Jahren des Kampfes und aufgrund der zunehmenden Restaurationsbedürftigkeit des Kunstwerks gab Lederer alt und krank schließlich klein bei und verkaufte den Fries 1973 an den einzig möglichen Käufer: die Republik Österreich. Angeblicher Kaufpreis:
750.000 USD. In einem Gutachten aus dem Jahr 2013 bezifferte das Auktionshaus Christie's den damaligen Wert des Beethovenfrieses jedoch mit bis zu 2 Millionen USD.

Erben fordern Wiedergutmachung des Unrechts

Erben der Familie Lederer fordern die Wiedergutmachung des Unrechts, das Erich Lederer - Förderer und Kämpfer für die Kunst Gustav Klimts - widerfahren ist. Zwei unabhängige Rechtsgutachten renommierter Restitutionsexperten und Juristen (Univ.-Prof. Dr. Georg Graf, Salzburg, und David J. Rowland, Rechtsanwalt in New York) kommen schlüssig zu dem Ergebnis, dass auf Basis der Novelle des Kunstrückgabegesetzes von 2009 nun Gerechtigkeit geschaffen werden sollte. Seither ist es in Österreich möglich, Kunstwerke zu restituieren, die im Zusammenhang mit einem Verfahren nach dem Ausfuhrverbotsgesetz verkauft wurden, was beim Beethovenfries laut den Gutachtern eindeutig der Fall ist. Dabei ist es unerheblich, welcher Preis beim Verkauf bezahlt wurde.

Der Schweizer Rechtsanwalt Dr. Marc Weber, der mit dem Fall betraut ist, stellt fest: "Die österreichische Republik wäre moralisch verpflichtet gewesen, die Ausfuhr zu erlauben, anstatt die Situation für sich zu nutzen. Die Geschichte zeigt den zweifelhaften Umgang Österreichs mit Nazi-Raubkunst nach dem Krieg."

Österreichs wechselvoller Umgang mit Kunstrückgabe seit Ende der 1990er Jahre

Ernsthafte Versuche, in der Nazizeit erlittenes Unrecht wiedergutzumachen, hat die Republik Österreich erst seit den 1990er Jahren mit der Rückgabe zahlreicher Werke unternommen. Auch im Fall Lederer hat die Republik Österreich 1999 schon einmal Unrechtsbewusstsein bewiesen, als sie der Familie Lederer sechs Schiele-Werke und ein Bildnis von Gentile Bellini zurückgab, die sie Erich Lederer als Schenkung im Tausch gegen eine Aufhebung des Ausfuhrverbots für weitere Kunstwerke abgepresst hatte. Der Fries war damals nicht darunter.

Der Ball liegt nun beim Kunstrückgabebeirat, der sich mit dem Fall befassen und eine Empfehlung an das zuständige Ministerium aussprechen muss. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die der neuen Kunstministerin oder dem neuen Kunstminister zukommt. In einem persönlichen Schreiben hat sich einer der Erben auch an Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, damals Zeitzeuge des Ankaufs durch die Republik Österreich, gewandt und ihm die Expertisen, den Brief von Erich Lederer an Bruno Kreisky und die Akten der Finanzprokuratur zukommen lassen.

"Wir gehen davon aus, dass sich die Republik Österreich ein Desaster wie im Fall des berühmten Klimt-Kunstwerks Adele Bloch-Bauer I ersparen will", so Weber. Der Fall galt als schwerer Rückschlag in der österreichischen Restitutions-Geschichte: Der gesetzlich eingerichtete Kunstrückgabebeirat sprach sich gegen eine Rückgabe aus, die Republik weigerte sich daraufhin, bis ein Schiedsgericht im Jahr 2006 schließlich die Restitution anordnete. "Die österreichische Republik wäre wohl schon aus Verantwortung gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus verpflichtet gewesen, die Ausfuhr zu erlauben, anstatt die Umstände zu einem billigen Ankauf zu nutzen. Mit der novellierten Fassung des Kunstrückgabegesetzes hat sie sich auch rechtlich zur Restitution bekannt. Die Erben erwarten daher zu Recht eine Rückgabe des Beethovenfrieses", meint Weber.

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