Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 17. Oktober 2013; Leitartikel von Max Strozzi: "Energiewende braucht Kurskorrektur"

Innsbruck (OTS) - Utl: Misslungene Fördersysteme lassen die Kosten für den Ausbau der grünen Energie explodieren, der Preisverfall der CO2-Verschmutzungsrechte macht Kohlekraftwerke erst recht rentabel. So kann die Energiewende nicht funktionieren.

So war das wohl sicher nicht geplant. Das Bestreben, sich schön langsam vom "schmutzigen" Strom aus Atomkraft und Kohlekraftwerken zu verabschieden und auf grüne Stromproduktion umzuschalten, ist ein teures Unterfangen. In Deutschland wird den Stromkunden ein immer höherer Zuschlag aufgebrummt, um ein ziemlich misslungenes Ökostrom-Fördersystem für Solaranlagen und Windparks zu finanzieren. Wer beispielsweise Strom über seine Photovoltaikanlage ins Netz einspeist, dem werden auf 20 Jahre fixe Tarife gezahlt, eine Grenze nach oben gibt es nicht. Mit der Folge, dass die Kosten und damit die Ökostromumlage explodiert sind. Österreich hat ein ähnliches System, wenngleich die Kosten dafür gedeckelt sind. Dennoch hat sich auch bei uns der Ökostromzuschlag innerhalb von zwei Jahren fast verdoppelt:
Ein Durchschnittshaushalt wird im nächsten Jahr zusätzlich zur normalen Stromrechnung 83 Euro zahlen, um Strom aus grünen Anlagen mitzufinanzieren - 2012 war es mit 39 Euro weniger als die Hälfte. Mittlerweile macht sich die Kritik breit, dass die entfesselte Förderpolitik von Wind- und Solaranlagen dazu beigetragen hat, den europäischen Strommarkt ins Wanken zu bringen. Und würden erst sämtliche leerlaufende Windparks an der Nordsee an das Stromnetz angeschlossen werden, könnten Stromnetze in Europa kollabieren. Es ist aber noch mehr als das. Nämlich ein ganzes System, das sich pervertiert. So sind die Preise für Verschmutzungsrechte, die so genannten CO2-Zertifikate, auch durch den massiven Ausbau der grünen Energie derart in den Keller gerasselt, dass sich der Betrieb von Kohlekraftwerken wieder rentiert und selbst Gaskraftwerke ausgestochen werden. So hat beispielsweise die Stromproduktion aus Braun- und Steinkohlekraftwerken in Deutschland im Vorjahr deutlich zugelegt - eine Entwicklung, mit der sich die Energiewende sprichwörtlich in Luft auflöst. Versuche der EU, den Handel mit den Verschmutzungsrechten zu reformieren und die Preise zu stabilisieren, wurden durch Deutschland zu Fall gebracht. Auch Subventionszahlen sprechen eine ziemlich deutliche Sprache, wie weit eine Energiewende noch entfernt ist. Demnach wurden fossile Kraftwerke in den 27 EU-Ländern im Jahr 2011 mit 26 Mrd. Euro subventioniert, Atomkraft-Anlagen mit 35 Mrd. Euro. Allen erneuerbaren Energien kamen rund 30 Mrd. Euro an Subventionen zu. Natürlich vollzieht sich eine Energiewende nicht auf Knopfdruck. Doch der Wendeprozess hat nun selbst eine Kurskorrektur nötig.

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