Symposium: Kunstgeschichtlichkeit. Rückblicke in der Gegenwartskunst

17.-19. Oktober 2013

Wien (OTS) - Universität für angewandte Kunst Wien Ausstellungszentrum Heiligenkreuzer Hof
Grashofgasse 3 oder Schönlaterngasse 5, 1010 Wien

Kunstwerke eignen sich hervorragend dafür, zeitliche Abfolgen zu verkehren und historische Distanzen durch Anleihen bei der Vergangenheit, Identifikationen mit bestimmten Epochen und interventionistische Zukunftsentwürfe zu überbrücken. Diese "anachronische" Qualität (Alexander Nagel/Christopher Wood) zeichnet auch die Gegenwartskunst aus, wenn sie sich der Wiederentdeckung von historischen Bildsprachen und längst als obsolet erklärten künstlerischen Qualitäten (wie Materialität, Handwerklichkeit, Subjektivität) zuwendet. Ein besonderer Stellenwert als Fundus für formale und inhaltliche Referenzen nimmt die Moderne, die "Antike" der aktuellen Kunst ein (vgl. das erste Leitmotiv der Documenta XII, 2007). Mit der Häufigkeit ihrer Inanspruchnahme geht jedoch eine Umkehrung einher: Gegenüber dem avantgardistischen Vorsprung der Moderne zeichnet sich die aktuelle Kunst durch geschichtsbewusste Rückwärtsgewandtheit und Nachträglichkeit aus.

Angesichts des zunehmenden Stellenwerts der wissenschaftlichen Ausbildung von KünstlerInnen und der Bedeutung von künstlerischer Arbeit als Wissensproduktion mögen Phänomene des Referenzialismus und des Revivals als unausweichliche Kennzeichen akademischer Kunst wahrgenommen werden. Tatsächlich positionieren sich zeitgenössische künstlerische Praktiken in der Erstellung künstlerischer Genealogien und der Selbstkontextualisierung durch historische Anleihen mitunter in Konkurrenz zu den Kunstwissenschaften. Genau diese Form der "Kunstgeschichtlichkeit", das Eindringen künstlerischer in die kunstwissenschaftliche Praxis, steht im Zentrum der Tagung.

Dieses fortdauernde historistische Zirkulieren von vorgefundenem Material mag zum Eindruck eines Erstickens jeglichen schöpferischen Impulses im (digitalen) Archiv der Bilder führen. Doch wird die gegenwärtige Beschäftigung mit historischen Bildsprachen von einem komplexen, tiefen Problembewusstsein begleitet: Im Zentrum der aktuellen Rückwärtsgewandtheit steht ein Paradigma der Selbstreflexion, das alle Bereiche künstlerischen Arbeitens umfasst und die Erneuerung kunsthistorischer Genealogien in den Dienst kritischer Arbeit stellt. Dieser Prozess bringt eine anhaltende Dekonstruktion von Autorschaft als Ausdruck radikaler Innovation und Unterbrechung des kunsthistorischen Zeitflusses mit sich: Dieser können aktuelle Praktiken künstlerischer Selbstkontextualisierung eine sinnstiftende Kontaktaufnahme mit der Geschichte entgegensetzen, die sich gegen singularisierende Bildpraktiken wendet.

Gerade wenn künstlerische Arbeiten aus sich selbst heraus Einschreibungen in die (Kunst)geschichte vornehmen, so wird deutlich, dass die Vergangenheit nicht einfach "wiederkehrt", dass das "Nachleben" der Bilder kein biologistisches Modell sein kann, sondern Geschichtlichkeit in Form von künstlichen Wiederbelebungen produziert wird. Eine besondere Aufmerksamkeit soll daher künstlerischen Arbeiten gelten, die durch Rückgriffe auf historische Bildsprachen eigenmächtig (kunst)historiografische Modelle hervorbringen. Welche Methoden (Anleihen, Adaptionen, Appropriationen, Eklektizismus, Kannibalismus, Referenzialismus, Revisionen, Wiederholung ...) und Figurationen des Geschichtlichen (Archiv, Atlas, Montage, Ruine, Fossil, Relik ...) dabei zur Handhabung und Bearbeitung von Zeit eingesetzt werden, wird zu zeigen sein. In jedem Fall scheint zur Beschreibung der aktuellen Geschichtlichkeit eine Aktualisierung des vorhandenen theoretischen Vokabulars notwendig, die nicht in modernistischen oder postmodernen Begrifflichkeiten verharrt, sondern der Problematik des Verhandelns von Subjektivität, Kreativität und Innovation innerhalb des gegenwärtigen Geschichtsbewusstseins gerecht wird.

Der Fokus der Tagung liegt auf der Gegenwartskunst; getreu dem beobachteten Phänomen der Rückwärtsgewandtheit finden jedoch auch Vorträge zu historischen Modellen des Anachronischen als Impulsgeber Platz. Eine Publikation der Beiträge ist geplant.

Programm:

Donnerstag , 17. Oktober 2013 15:30 Uhr: Begrüßung durch Rektor Gerald Bast 15:45 Uhr: Einführung von Eva Kernbauer 16:30 Uhr: Beatrice von Bismarck: Wenn Nachbilder Form werden: Zur Reinszenierung von Ausstellungen 17:30 Uhr: Break 18:00 Uhr: Werner Busch: Vergangenheit wird nie wieder Gegenwart. Zum Fremdwerden zitierter Kunst Freitag , 18. Oktober 2013 Moderation: Edith Futscher 10:00 Uhr: Antonia von Schöning: Walid Raads Revisionen der Kunstgeschichte 11:00 Uhr: Sabeth Buchmann: Geschichte auf Probe Kaffeepause 12:30 Uhr: Tanja Widmann: Fontaine, Emilie, Bernadette Heidi, Klum Helena? Executed matched by, absolute pathname note leading 13:30 Uhr: Mittagspause/Lunch Break Moderation: Gabriele Jutz 15:00 Uhr: Christa Blümlinger: Wiederholung und Historizität bei Apichatpong Weerasethakul Kaffeepause 16:30 Uhr: Florian Pumhösl: Präsentation 17:30 Uhr: Eric de Bruyn: Empire's Hologram and the Baker's Map Samstag , 19. Oktober 2013 Moderation: Catharina Kahane 11:00 Uhr: David Joselit: On Aggregators Kaffeepause 12:30 Uhr: Helmut Draxler: Geschichte und Allegorie der Gegenwart

Die Vorträge finden in englischer und deutscher Sprache statt.

Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos.

Konzept:
Eva Kernbauer, Abteilung Kunstgeschichte, Universität für angewandte Kunst Wien

Rückfragen & Kontakt:

Universität für angewandte Kunst Wien
Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
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Anja Seipenbusch-Hufschmied (Bereichsleitung)
Tel.: +43-1-71133-2160
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