• 10.10.2013, 14:23:09
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Kärnten feierte den 10. Oktober: "Zukunft gestalten, Vergangenheit verstehen"

LH Kaiser: Zukunft liegt in Offenheit nicht in Enge - LHStv.in Prettner, LR Ragger, LR Waldner und LR Holub bei Landesfeiern anlässlich der Kärntner Volksabstimmung

Utl.: LH Kaiser: Zukunft liegt in Offenheit nicht in Enge - LHStv.in
Prettner, LR Ragger, LR Waldner und LR Holub bei Landesfeiern
anlässlich der Kärntner Volksabstimmung =

Klagenfurt (OTS/LPD) - Kärnten gedachte heute, Donnerstag, der
Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920. Offizielle Landesfeiern mit
Kranzniederlegungen und Ansprachen fanden wie gewohnt in Klagenfurt
beim Ehrenmal am Soldatenfriedhof Annabichl und im Landhaushof bei
der Stätte der Kärntner Einheit statt. Sie standen heuer unter dem
Motto "Zukunft gestalten, Vergangenheit verstehen" und liefen in
leicht veränderter Form und sehr positiver Atmosphäre ab. So gab es
im Landhaushof auch Lieder und Darbietungen der Kinder aus der
multiethnischen Volksschule "Friedensschule" Klagenfurt-St. Ruprecht,
zwei Jugendliche formulierten ihre Gedanken zum 10. Oktober und die
slowenische Sprache hörte man in einem Lied und Teilen von
Ansprachen.

Landeshauptmann Peter Kaiser betonte, dass Inhalt und Thematik des
10. Oktober als wichtigen Tag für die Landesgeschichte nichts an
Aktualität verloren hätten. Geschichte und Tradition würden dem Land
und seiner Bevölkerung viel an Identität geben. Es sei wichtig,
Bedeutung und Geschehnisse des 10. Oktober immer wieder ins
Bewusstsein zu rufen. Aus diesem Tag dürfe jedoch nicht, wie in der
Vergangenheit oft praktiziert, politisches Kapital geschlagen werden.
Es gehe vielmehr darum, die Geschichte gemeinsam zu verstehen.

Kaiser bezeichnete die Volksabstimmung von 1920 als Sternstunde
für Kärnten. Er erklärte, dass sich damals Menschen unabhängig von
ihrer Mutter- oder Umgangssprache mit großer Mehrheit zur Einheit
Kärntens und damit zu Österreich bekannt hätten. Auch heute sollten
sich alle Kärntnerinnen und Kärntner zu ihrer Geschichte bekennen -
und zwar zu den Schattenseiten genauso wie zu den Sternstunden. Daher
laute das Motto der Landesfeiern "Zukunft gestalten, Vergangenheit
verstehen. Prihodnost oblikovati, preteklost razumeti", formulierte
der Landeshauptmann zweisprachig.

Für Kaiser war die Volksabstimmung ein Bekenntnis zur Heimat,
nicht jedoch eine nationalistische Manifestation. Er sprach sich
gegen Neid und Zwietracht aus, da diese neue blutige Wunden in unsere
Heimat schlagen würden. Information, der ehrliche Umgang mit der
Vergangenheit, gegenseitiger Respekt und Verständnis für andere
würden alte Wunden heilen und zukünftige Verletzungen vermeiden.

Der Landeshauptmann verwies auf die breitgetragene Ortstafellösung
und dankte allen, die dazu beigetragen haben, insbesondere
Staatssekretär Josef Ostermayer und Alt-Landeshauptmann Gerhard
Dörfler. Er hob zudem die Zukunftschancen durch aktive
Nachbarschaftspolitik sowie durch Kärntens Zweisprachigkeit und
kulturelle Vielfalt hervor. Skepsis gegenüber der Zweisprachigkeit
habe es auch in seiner eigenen Familie gegeben, erzählte Kaiser. "Wie
kannst du das machen", habe seine kürzlich verstorbene Mutter
reagiert, als er seinen Sohn im zweisprachigen Kindergarten
angemeldet hatte. Als Luca dann ein slowenisches Muttertagsgedicht
aufgesagt habe, seien Skepsis und jahrelange Ablehnung der
slowenischen Sprache augenblicklich weggewesen. "Mehrsprachigkeit ist
kein negatives Stigmata, sondern wertvoll für die Zukunft", betonte
Kaiser, für den die Zukunft in der Offenheit liegt und nicht in der
Enge.

Landtagspräsident Reinhart Rohr ging auf die Geschichte von
Abwehrkampf und Volksabstimmung näher ein. Man solle sich in ehrendem
Gedenken vor den Gefallenen verneigen und das klare demokratische
Votum für Kärnten als gemeinsamen Erfolg der Kärntnerinnen und
Kärntner sehen, denn jede zweite Stimme sei von slowenischsprachigen
Kärntnern gekommen. Er wies auf die Ortstafellösung 2011 hin, womit
der historisch belastete Konflikt beigelegt wurde. Das friedliche
Zusammenleben und -wirken mit mehr Sprachen und mit Kooperationen
verbessere die Chancen für Kärnten.

Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider hob den Erhalt der
Einheit Kärntens als ein Zeichen der Gemeinsamkeit und des
Zusammenhalts aller Kärntner hervor. Ohne Abwehrkampf hätte es keine
Volksabstimmung gegeben. Das gemeinsame Wollen sei ein Auftrag, die
positiven Kräfte für die Zukunft zu bündeln. Das Vermächtnis liege
darin, Gräben zu überwinden und Brücken zu bauen. Kärnten sei
vorbildhaft in der Volksgruppenpolitik und der Alpen-Adria-Raum biete
enorme Chancen, so Scheider. Es gelte, sowohl von den Vorfahren als
auch von den Jugendlichen und ihrer Offenheit zu lernen.

Die beiden Mitglieder der Konsensgruppe, Heimatdienstobmann Josef
Feldner und Slowenenvertreter Marjan Sturm, erzählten vom Werden
ihrer Zusammenarbeit und ihren Wünschen für Kärnten. Persönliche
Schicksale von Vorfahren hatten sie dazu geführt, ihre bislang
einseitigen Sichtweisen aufzugeben und aufeinander zuzugehen. Damit
sei ein Diskussionsprozess entstanden. Die 10.Oktober-Feier 2020
sollte im Gewinnen von Vertrauen und in der weiteren Überwindung von
Trennendem gefeiert werden können, so Feldner. Es brauche Offenheit
und Toleranz und er verspüre eine Aufbruchsstimmung, sagte Sturm. Er
appellierte, alles zu tun, um unser schönes Land weiterzuentwickeln.

Die Studentin Lisa Sandrieser sowie der HTL-Schüler und
Landesschulsprecher Andreas Kavalirek, brachten ihre Gedanken zum 10.
Oktober zum Ausdruck. Sandrieser sagte auf Deutsch und Slowenisch,
dass es ein Fest der Gemeinsamkeit sein solle. Sie ist zweisprachig
aufgewachsen und sei froh, dass ein Umdenken eingesetzt habe, wonach
Zwei- und Mehrsprachigkeit als Bereicherung gesehen würden. Kärnten
solle eine weltoffene Region im vereinten Europa sein. Sie
appellierte an die Jugend, möglichst in Kärnten zu bleiben und hier
aktiv zu sein. Kavalirek sprach sich für ein Kärnten aus, das die
positive wirtschaftliche Entwicklung sowie die Umwelt im Blick habe.
Der 10. Oktober sollte auch im Herzen verankert sein. Wichtig sei,
dass die Politik für die Jugend Perspektiven schaffe. Die Jugend sei
die Zukunft, sie brauche auch Sicherheit. Kavalirek wünscht sich
zudem Politische Bildung als Pflichtfach in den Schulen.

Moderator Josef Nadrag fragte im Landhaushof einige Ehrengäste
nach ihren Wünschen für den 10. Oktober 2020. Diese wurden nämlich
auf Zettel geschrieben und von Kindern an Luftballone geheftet auf
die Reise geschickt. Der Landeshauptmann sagte, dass Kärnten ein
Vorbild für das Zusammenleben der Volksgruppen in Europa sein solle.
LHStv.in Beate Prettner sagte, dass sie an die positive Zukunft des
Landes glaube. Landesrat Wolfgang Waldner wünscht sich, dass Kärnten
ein weltoffenes, tolerantes, modernes Land sei, in dem junge Menschen
ausreichend Arbeitsplätze finden. Für Landesrat Christian Ragger darf
die Symbolkraft des 10. Oktober durch keinen Zeitgeist verdrängt
werden. Landesrat Rolf Holub wünschte sich, dass Kärnten mit seiner
Gemeinsamkeit ein gutes Beispiel für die Welt sein möge. Für Bischof
Alois Schwarz ist die Begegnung der Menschen mit Respekt und das
Brückenbauen zum Frieden ein großes Anliegen. Superintendent Manfred
Sauer drückte den Wunsch nach gelebter Nachbarschaft und dem
Miteinander-Leben aus. Alt-Landeshauptmann Gerhard Dörfler sagte,
dass man den Weg fortsetzen solle und auch in Slowenien ein Zeichen
für die Gottscheer gesetzt werden sollte.

Die Feierlichkeiten in Annabichl und im Landhaushof gestalteten
die Militärmusik Kärnten unter Oberst Sigismund Seidl und die
Singgemeinschaft Oisternig unter Christof Mörtl musikalisch. Anwesend
waren u.a. auch Sloweniens Generalkonsulin Dragica Urtelj, die
Landtagspräsidenten Rudolf Schober und Josef Lobnig,
Militärkommandant Brigadier Walter Gitschthaler, der stellvertretende
Landespolizeidirektor Wolfgang Rauchegger, Landesgerichtspräsident
Bernd Lutschounig, Landesfeuerwehrkommandant Josef Meschik,
Landesrettungskommandant Georg Tazoll, Landesschulratspräsident
Rudolf Altersberger, Landesamtsdirektor Dieter Platzer,
Arbeiterkammerpräsident Günther Goach, Slowenenvertreter Bernard
Sadovnik sowie Abordnungen der Traditions- und Heimatverbände,
Einsatz- und Rettungsorganisationen und eine Ehrenformation des
Bundesheeres.
(Schluss)

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