• 10.10.2013, 09:00:32
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Österreichische Handelsbilanz mittelfristig von Technologieführerschaft bestimmt

Wien (OTS) -

- Die WIFO-Studie "Analyse der österreichischen Handelsbilanz" im
Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend ist
als kostenloser Download unter http://fiw.ac.at erschienen

Mit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 und
insbesondere seit dem Übergang zu einer Krise der Europäischen
Währungsunion seit dem Frühjahr 2010 wird der Handelsbilanz
(Warenverkehrsbilanz) als Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit
einer Volkswirtschaft und die relative Stärke der Inlandsnachfrage
zunehmend beachtet. Eine Studie des österreichischen Instituts für
Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag des Bun-desministeriums für
Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) untersucht Entwicklung der
ös-terreichischen Handelsbilanz und ihrer Bestimmungsgrößen.

Die Handelsbilanz wird vom relativen Einkommensniveau und den
relativen Preisen bestimmt

Der Saldo der Handelsbilanz wird vor allem vom relativen Einkommen
im Vergleich zu den Handelspartnerländern und von den relativen
Preisen bestimmt. Langfristig ist das relative Ein-kommensniveau die
wichtigste Bestimmungsgröße der Handelsbilanz. Die österreichische
Handelsbilanz verbesserte sich seit Beginn der 1980er-Jahre bis zum
Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 kontinuierlich.
Österreich wurde in den 1980er-Jahren vom Technolo-giefolger zum
Technologieführer. Dies führte über zunehmende Exporte zu einer
Verbesserung der Handelsbilanz. Die Technologiegeberfunktion
Österreichs erhielt durch die Öffnung der Märkte in Mittel- und
Osteuropa in den 2000er-Jahren einen zusätzlichen Schub. Der Einfluss
der relativen Preise ist hingegen langfristig weniger bedeutend. Die
österreichischen Terms of Trade folgen seit Anfang der 1980er-Jahre
einem moderaten Abwärtstrend, der mit zur Reduktion des
Handelsbilanzdefizits beigetragen hat.
Die strukturelle (langfristige) Komponente der Handelsbilanz weist
seit Ende der 1970er-Jahre einen Aufwärtstrend auf, der bis heute
anhält. Die Verschlechterung der Handelsbilanz wäh-rend der Finanz-
und Wirtschaftskrise ist vorwiegend ein vorübergehender Preiseffekt,
der aus dem steigenden Ölpreis und der damit verbundenen deutlichen
Passivierung der Roh- und Brennstoffbilanz resultiert. Der Rückgang
der Konsumgüterexporte in die südeuropäischen Länder trug ebenfalls
zu der Verschlechterung bei.

Österreichische und deutsche Handelsbilanz trotz
Niveauunterschieden im Gleichklang

Ein Vergleich der österreichischen und der deutschen Handelsbilanz
zeigt, dass zwar ein hoher Niveauunterschied besteht, sich beide
Bilanzen aber ähnlich entwickeln. Dieser Gleichschritt besteht
aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtung sowie der hohen
Exponiertheit der beiden Länder gegenüber dem Ausland. Neben ihrer
Höhe unterscheidet sich die deutsche Handelsbilanz seit der ersten
Hälfte der 2000er-Jahre durch einen stärkeren Trendanstieg von der
österreichischen. Auch das Entwicklungsmuster nach Warenobergruppen
ist in Deutschland ähnlich wie in Österreich. In beiden Ländern
tragen die Fertigwaren überwiegend zum Überschuss bei. Dies betrifft
sowohl die Gruppe der Investitionsgüter, als auch in geringerem
Ausmaß die Konsumgüter. In beiden Gütergruppen kam es in Österreich
seit Mitte der 1990er-Jahre zu einer merklichen Verbesserung. Bei den
Rohstoffen ist die Handelsbilanz hingegen negativ. Diese Entwicklung
steht in engem Zusammenhang mit dem Rohölpreisanstieg. Die
Nachfrageelastizität dürfte bei Öl sehr gering sein, sodass der
Weltmarktpreis voll auf die Handelsbilanz durchschlägt. Aufgrund der
geringen Größe der Nahrungs- und Genussmittelbilanz hatte hingegen
der starke Anstieg der Nahrungsmittelpreise 2007 kaum Auswirkungen
auf die Handelsbilanz insgesamt.

Investitionen in Bildung und Forschung stärken die
außenwirtschaftliche Position Österreichs

Der direkte Einfluss der Wirtschaftspolitik auf die Handelsbilanz
ist gering. Die Entwicklung der Handelsbilanz ist maßgeblich vom
relativen Einkommen und somit vom Entwicklungsstand ei-ner
Volkswirtschaft abhängig. Durch Maßnahmen zur langfristigen Sicherung
und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen wie
Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung sowie
Investitionen in die soziale und physische Infrastruktur kann die
heimische Industrie ihre Rolle als Technologieführerin weiter
ausbauen und damit indirekt die Han-delsbilanz beeinflusst werden.
Weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen, die indirekt zu einer
Verbesserung der Handelsbilanz beitragen, können auch im Bereich der
Energiepolitik gesetzt werden, indem die Abhängigkeit der heimischen
Volkswirtschaft von fossilen Brennstoffen reduziert wird. Die Roh-
und Brennstoffbilanz, die stark mit dem Preis von Rohöl und seinen
Substituten korreliert, trägt maßgeblich zur Passivierung der
Handelsbilanz bei. Eine Verringe-rung der Energieimporte durch
verstärkte Nutzung alternativer Energieformen würde die
Han-delsbilanz daher verbessern.

Grundsätzlich kann es sich die österreichische Volkswirtschaft
aber leisten, weiterhin Rohstoffe zu importieren und im Warenhandel
negativ zu bilanzieren, da sie einen robusten Überschuss im
Dienstleistungshandel aufweist. Dadurch wird das Handelsbilanzdefizit
kompensiert, sodass die Leistungsbilanz ausgeglichen ist bzw. einen
Überschuss aufweist, und sich die österreichi-sche Volkswirtschaft
nicht im Ausland verschuldet. Eine ausgeglichene Handelsbilanz als
iso-liertes wirtschaftspolitisches Ziel ist für Österreich nicht
erstrebenswert.

Rückfragen bitte am Donnerstag, dem 10. Oktober 2013, von 9 bis 13
Uhr an
Stefan Schiman, Tel.: +43 1 798 26 01-234
E-Mail: [email protected]

Der "Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft" (FIW) wird
im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend
(BMWFJ) im Rahmen der Internationalisierungsoffensive der
Bundesregierung von drei Instituten Österreichisches Institut für
Wirtschaftsforschung (WIFO), Wiener Institut für Internationale
Wirtschaftsvergleiche (wiiw), Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftliches Rechenzentrum (WSR) betrieben. Er bietet
Zugang zu internationalen Außenwirtschafts-Datenbanken, eine
Forschungsplattform und Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten
Themen.

Die Studien 2013 zeigen die Ergebnisse von den drei
Themenbereichen "Trends und Auswirkungen von ausländi-schen
Direktinvestitionen", "Österreichs "Trade in Value Added"" und
"Analyse der österreichischen Warenverkehrsbilanz", die 2012 vom
Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ)
ausgeschrieben und aus Mitteln der Internationalisierungsoffensive
finanziert wurden.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | WFO

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