Österreichische Handelsbilanz mittelfristig von Technologieführerschaft bestimmt

Wien (OTS) - - Die WIFO-Studie "Analyse der österreichischen Handelsbilanz" im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend ist als kostenloser Download unter http://fiw.ac.at erschienen

Mit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 und insbesondere seit dem Übergang zu einer Krise der Europäischen Währungsunion seit dem Frühjahr 2010 wird der Handelsbilanz (Warenverkehrsbilanz) als Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft und die relative Stärke der Inlandsnachfrage zunehmend beachtet. Eine Studie des österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag des Bun-desministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) untersucht Entwicklung der ös-terreichischen Handelsbilanz und ihrer Bestimmungsgrößen.

Die Handelsbilanz wird vom relativen Einkommensniveau und den relativen Preisen bestimmt

Der Saldo der Handelsbilanz wird vor allem vom relativen Einkommen im Vergleich zu den Handelspartnerländern und von den relativen Preisen bestimmt. Langfristig ist das relative Ein-kommensniveau die wichtigste Bestimmungsgröße der Handelsbilanz. Die österreichische Handelsbilanz verbesserte sich seit Beginn der 1980er-Jahre bis zum Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007/08 kontinuierlich. Österreich wurde in den 1980er-Jahren vom Technolo-giefolger zum Technologieführer. Dies führte über zunehmende Exporte zu einer Verbesserung der Handelsbilanz. Die Technologiegeberfunktion Österreichs erhielt durch die Öffnung der Märkte in Mittel- und Osteuropa in den 2000er-Jahren einen zusätzlichen Schub. Der Einfluss der relativen Preise ist hingegen langfristig weniger bedeutend. Die österreichischen Terms of Trade folgen seit Anfang der 1980er-Jahre einem moderaten Abwärtstrend, der mit zur Reduktion des Handelsbilanzdefizits beigetragen hat.
Die strukturelle (langfristige) Komponente der Handelsbilanz weist seit Ende der 1970er-Jahre einen Aufwärtstrend auf, der bis heute anhält. Die Verschlechterung der Handelsbilanz wäh-rend der Finanz-und Wirtschaftskrise ist vorwiegend ein vorübergehender Preiseffekt, der aus dem steigenden Ölpreis und der damit verbundenen deutlichen Passivierung der Roh- und Brennstoffbilanz resultiert. Der Rückgang der Konsumgüterexporte in die südeuropäischen Länder trug ebenfalls zu der Verschlechterung bei.

Österreichische und deutsche Handelsbilanz trotz Niveauunterschieden im Gleichklang

Ein Vergleich der österreichischen und der deutschen Handelsbilanz zeigt, dass zwar ein hoher Niveauunterschied besteht, sich beide Bilanzen aber ähnlich entwickeln. Dieser Gleichschritt besteht aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtung sowie der hohen Exponiertheit der beiden Länder gegenüber dem Ausland. Neben ihrer Höhe unterscheidet sich die deutsche Handelsbilanz seit der ersten Hälfte der 2000er-Jahre durch einen stärkeren Trendanstieg von der österreichischen. Auch das Entwicklungsmuster nach Warenobergruppen ist in Deutschland ähnlich wie in Österreich. In beiden Ländern tragen die Fertigwaren überwiegend zum Überschuss bei. Dies betrifft sowohl die Gruppe der Investitionsgüter, als auch in geringerem Ausmaß die Konsumgüter. In beiden Gütergruppen kam es in Österreich seit Mitte der 1990er-Jahre zu einer merklichen Verbesserung. Bei den Rohstoffen ist die Handelsbilanz hingegen negativ. Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit dem Rohölpreisanstieg. Die Nachfrageelastizität dürfte bei Öl sehr gering sein, sodass der Weltmarktpreis voll auf die Handelsbilanz durchschlägt. Aufgrund der geringen Größe der Nahrungs- und Genussmittelbilanz hatte hingegen der starke Anstieg der Nahrungsmittelpreise 2007 kaum Auswirkungen auf die Handelsbilanz insgesamt.

Investitionen in Bildung und Forschung stärken die außenwirtschaftliche Position Österreichs

Der direkte Einfluss der Wirtschaftspolitik auf die Handelsbilanz ist gering. Die Entwicklung der Handelsbilanz ist maßgeblich vom relativen Einkommen und somit vom Entwicklungsstand ei-ner Volkswirtschaft abhängig. Durch Maßnahmen zur langfristigen Sicherung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen wie Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung sowie Investitionen in die soziale und physische Infrastruktur kann die heimische Industrie ihre Rolle als Technologieführerin weiter ausbauen und damit indirekt die Han-delsbilanz beeinflusst werden. Weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen, die indirekt zu einer Verbesserung der Handelsbilanz beitragen, können auch im Bereich der Energiepolitik gesetzt werden, indem die Abhängigkeit der heimischen Volkswirtschaft von fossilen Brennstoffen reduziert wird. Die Roh-und Brennstoffbilanz, die stark mit dem Preis von Rohöl und seinen Substituten korreliert, trägt maßgeblich zur Passivierung der Handelsbilanz bei. Eine Verringe-rung der Energieimporte durch verstärkte Nutzung alternativer Energieformen würde die Han-delsbilanz daher verbessern.

Grundsätzlich kann es sich die österreichische Volkswirtschaft aber leisten, weiterhin Rohstoffe zu importieren und im Warenhandel negativ zu bilanzieren, da sie einen robusten Überschuss im Dienstleistungshandel aufweist. Dadurch wird das Handelsbilanzdefizit kompensiert, sodass die Leistungsbilanz ausgeglichen ist bzw. einen Überschuss aufweist, und sich die österreichi-sche Volkswirtschaft nicht im Ausland verschuldet. Eine ausgeglichene Handelsbilanz als iso-liertes wirtschaftspolitisches Ziel ist für Österreich nicht erstrebenswert.

Rückfragen bitte am Donnerstag, dem 10. Oktober 2013, von 9 bis 13 Uhr an
Stefan Schiman, Tel.: +43 1 798 26 01-234
E-Mail: Stefan.Schiman@wifo.ac.at

Der "Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft" (FIW) wird im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) im Rahmen der Internationalisierungsoffensive der Bundesregierung von drei Instituten Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Rechenzentrum (WSR) betrieben. Er bietet Zugang zu internationalen Außenwirtschafts-Datenbanken, eine Forschungsplattform und Informationen zu außenwirtschaftsrelevanten Themen.

Die Studien 2013 zeigen die Ergebnisse von den drei Themenbereichen "Trends und Auswirkungen von ausländi-schen Direktinvestitionen", "Österreichs "Trade in Value Added"" und "Analyse der österreichischen Warenverkehrsbilanz", die 2012 vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (BMWFJ) ausgeschrieben und aus Mitteln der Internationalisierungsoffensive finanziert wurden.

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