"kreuz und quer" am 8. Oktober: "Gottes Krieger - Gottes Feinde"

Danach: Diskussion zum Thema "Terror im Namen Gottes?"

Wien (OTS) - Sie ermorden Christen und andersdenkende Muslime: Die Mitglieder von Boko Haram, der mächtigen Terrororganisation im Norden Nigerias, wollen einem islamischen Staat und der Einführung der Scharia den Weg freibomben. "Wären wir hier, um Dich zu töten, dann wärst Du längst tot. Wer immer versucht, unseren Glauben anzugreifen, den wird unser Glaube vernichten", so ein Boko-Haram-Kämpfer. Maiduguri in Nordnigeria ist Entstehungsort der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram, die für unzählige blutige Anschläge und Tausende Todesopfer in Nigeria verantwortlich ist. Das Zusammentreffen eines ORF/Kubefilm-Teams mit den Boko-Haram-Kämpfern an einem geheimen Ort in Nigeria ist das gleichsam lang verfolgte und doch unerwartete Ziel der Suche nach den Hintergründen des blutigen Konflikts. In der Dokumentation "Gottes Krieger - Gottes Feinde", die "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - am Dienstag, dem 8. Oktober 2013, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt, thematisieren Peter Kullmann und Magdalena Maier Gewalt, Terror und religiöse Verfolgung in Nigeria.

Um 23.25 Uhr folgt unter dem Titel "Terror im Namen Gottes?" eine "kreuz und quer"-Diskussion über religiösen Fanatismus, Christenverfolgung und die Hintergründe des Nigeria-Konflikts. Bei Günter Kaindlstorfer diskutieren Mouhanad Khorchide, Islamischer Theologe, Universität Münster, Chibueze Udeani, Katholischer Theologe aus Nigeria, u. a. Professor für Missionswissenschaft und Dialog der Religionen, Universität Würzburg, Gert Polli, Sicherheitsexperte, ehemaliger Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, und Regisseur Peter Kullmann.

"Gottes Krieger - Gottes Feinde" - Ein Film von Peter Kullmann und Magdalena Maier (22.35 Uhr)

Nigerias Besonderheit - und größtes Problem - liegt in dem einzigartigen Umstand, dass rund die Hälfte der geschätzten 150 Millionen Einwohner Christen, die andere Hälfte Muslime sind. Das hat bereits dazu geführt, dass sich Afrikas bevölkerungsreichster Staat praktisch zweiteilt: in einen vornehmlich muslimischen Norden, der weitestgehend unter der islamischen Gesetzgebung der Scharia regiert wird, und einen christlich dominierten Süden. Dazwischen verläuft eine unsichtbare Trennungslinie, entlang des sogenannten "Middle Belts", jener kulturell-religiösen Verwerfungszone zwischen dem nordafrikanischen Sahel und Schwarzafrika, der Region Nigerias mit den meisten gewalttätigen Auseinandersetzungen. Nur naheliegend also, die Stadt Jos im Bundesstaat Plateau im Middle Belt zum Ausgangspunkt der Recherchen nach den Ursachen für die jahrelang andauernden gewalttätigen Konflikte zu machen.

Bis heute gilt Jos als Keimzelle der heute andauernden Gewalt zwischen Christen und Muslimen in Nigeria. Alles begann mit einer Attacke auf eine junge Frau, die die jahrzehntelangen unterschwelligen Aggressionen zur Eruption brachte. Ruth wollte während des muslimischen Freitagsgebets eine Straße mit betenden Muslimen queren. Diese fühlten sich von ihr gestört, sahen ihre Religion durch die Christin beschmutzt. Binnen weniger Minuten verwandelte sich die brutale Hatz auf die junge Frau in einen tödlichen Flächenbrand über die Stadtgrenzen hinaus.

Die Zerrissenheit und Gewalttätigkeiten Nigerias werden jedoch nirgendwo deutlicher sichtbar als an dem derzeit wohl gefährlichsten Ort des Landes - der Stadt Maiduguri im nördlichen Borno State. Von den Regierenden zur "Heimat des Friedens" deklariert, ist sie in Wahrheit eine Stadt im permanenten Kriegszustand. Als Geburtsort der islamistischen Sekte Boko Haram und deren Gründer Mohammed Yusuf ist sie auch das Zentrum der militärischen Offensive der nigerianischen Sicherheitskräfte gegen den islamistischen Terror: Tausende Soldaten der Joint Task Force (JTF), verschiedene Einheiten von Armee, Polizei, Geheimpolizei und anderen verdeckt operierenden Sicherheitsdiensten kontrollieren die Straßen und praktisch jeden Winkel der Stadt. Ihnen werden massive Menschenrechtsverletzungen, Folter und jährlich Tausende Morde zugeschrieben.

Als Journalist bis nach Maiduguri vorzudringen ist schier unmöglich:
Reisegenehmigungen in die Stadt werden praktisch nicht erteilt, sofern doch vorhanden, wird deren Gültigkeit von der örtlichen Kommandantur grundsätzlich in Abrede gestellt. Die Gefahr von Entführungen oder Attentaten durch Boko Haram, die westliche Medien explizit zu Feinden ihrer islamistischen Weltanschauung erklärt haben, ist allgegenwärtig. Ein hartes Vorgehen der JTF gegen Journalisten - sollten diese sich "illegal" aufhalten - ist die Regel, denn die nigerianischen Behörden lassen nichts unversucht, um die Presse an der freien Berichterstattung über die Zustände in Krisengebieten und die zweifelhaften Polizeimethoden bei der "Befriedung" des Landes zu hindern. Die Einschüchterung durch mehrfache Festnahmen, Verhöre, Hausarrest und Ausweisung musste das ORF-Team am eigenen Leib erfahren.

An einem Ort wie diesem nach den Hintergründen des Konflikts zu suchen ist lebensgefährlich. Ein beinahe tödlicher Überfall auf das Filmteam brachte dessen Arbeit zunächst zu einem vorzeitigen Ende. Die Stadt des Terrors ist verhüllt in einen unsichtbaren Schleier des Schweigens. Wer als Fremder die Gefahr auf sich nimmt, an diesen Ort zu reisen, muss vorab verlässliche Kontakte aufgebaut haben. Erster Anlaufpunkt ist der christliche Journalist Ibrahim Mshelizza. Er steht vor dem Rohbau seiner neuen Kirche. Das alte Gebäude zählt zu jenen zerstörten 50 von insgesamt 52 christlichen Gotteshäusern der Stadt. Dennoch ist es nicht vorrangig sein Glaube, der Ibrahim das Leben kosten könnte. "Als Journalist muss ich hier noch mehr um mein Leben fürchten denn als Christ." Wenige Wochen nach einem geheimen Treffen wird ein wichtiger Informant und Unterstützer des Filmprojekts auf offener Straße von Unbekannten exekutiert.

Ibrahim legt den Kontakt zu einem muslimischen Journalistenkollegen, der wiederum als Verbindungsmann zu Boko Haram fungiert. Letztlich gelingt es dem ORF-Team, ein Interview mit zwei Boko-Haram-Kämpfern zu führen - und auch mit Aisha Wakil, jener Anwältin und selbst ernannten Menschenrechtlerin, die als "Mutter der Boko Haram" fungiert.

"kreuz und quer"-Diskussion zum Thema "Terror im Namen Gottes?" (23.25 Uhr)

Im Anschluss an die brisante "kreuz und quer"-Dokumentation "Gottes Krieger - Gottes Feinde?" berichtet Regisseur Peter Kullmann von seinen Erfahrungen in Nigeria und diskutiert mit Experten über Boko Haram: Auf welche religiösen Quellen des Islam berufen sich die Extremisten? Welches Verständnis der Scharia, des islamischen Gesetzes, haben sie?

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

Rückfragen & Kontakt:

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRF0006