Wirtschaftskammer: 1.500 Euro Mindestlohn würde viele Frauen den Job kosten

OECD-Zahlen belegen: Equal Pay Day erst im Dezember

Wien (OTS/PWK691) - "Der heute von verschiedener Seite geforderte Mindestlohn von 1.500 Euro wäre ein trojanisches Pferd für den Arbeitsmarkt, das insbesondere viele Frauen den Job kosten würde", warnt Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Die flächendeckenden kollektivvertraglichen Mindestlöhne und ihre alljährlichen Anhebung, die fast immer über der Inflationsrate ausfällt, sorgen dafür, dass die Kaufkraft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stetig steigt, Schocks am Arbeitsmarkt aber vermieden werden.

Gleitsmann erinnert an die Realität in den Betrieben: "Eine selbständige Frisörin verdient nicht viel mehr als ihre Mitarbeiter. Steigen die Löhne abrupt, lohnt sich eine Beschäftigung schlicht nicht mehr und sie macht alleine weiter." Bestes Beispiel ist Frankreich, wo ein hoher Mindestlohn zu hoher Arbeitslosigkeit vor allem bei Jugendlichen geführt hat.

Auch die Forderung nach Einkommensberichten für kleine und mittlere Unternehmen und weitere Bürokratie und Pflichten für Unternehmen werden von der Wirtschaft abgelehnt. Ab 2014 müssen Betriebe ab 150 Mitarbeiter Einkommensberichte erstellen. "Zuerst muss einmal die Umsetzung der bestehenden Pflichten abgewartet werden", stellt Gleitsmann klar und weist darauf hin, dass für KMU die Offenlegung aller Einkommen schon allein aufgrund des Datenschutzes nicht in Frage komme.

Bei objektiver Betrachtung der Datenlage ist der Equal Pay Day erst im Dezember fällig, so Gleitsmann: Denn nach der OECD-Studie "Closing the Gender Pay Gap 2012" betrug der Einkommensunterschied hierzulande im Jahr 2010 rund 19,4 Prozent. Nach Abzug objektiver Faktoren wie Arbeitszeit, Alter, Berufserfahrung, Ausbildung und Tätigkeit beträgt der Einkommensunterschied gemäß OECD nur noch 5,6 Prozent - und für diese Differenz gibt es wiederum bekannte subjektive Gründe. (SR)

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