Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 5. Oktober 2013. Von MARIO ZENHÄUSERN. "Echte Sieger schauen anders aus".

Innsbruck (OTS) - Untertitel: Die Tiroler ÖVP hat stimmenmäßig zugelegt. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie im städtischen Bereich massive Probleme hat. Allein in Innsbruck ging seit 2002 die Hälfte der Stimmen verloren.

Eine Woche nach den Nationalratswahlen beherrscht nach wie vor die Innenpolitik die Lufthoheit über den Stammtischen in Österreich. Dafür sorgen die so genannten Großen - spätestens seit dem vergangenen Sonntag sind das SPÖ, ÖVP und FPÖ - genauso wie die Kleinen. Das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) hat in den letzten Tagen erfolgreich demonstriert, wie man die eigene Zukunft erfolgreich zertrümmert, und auch Frank Stronach bestätigt all jene, die vor ihm gewarnt hatten. Im Stile eines einsamen Despoten tauscht er seine Funktionäre aus wie Marionetten. Er beweist damit einmal mehr, dass er mit Parlamentarismus europäischer bzw. österreichischer Prägung nichts am Hut hat, und vergrault zu allem Überdruss auch noch seine letzten möglichen Koalitionspartner in der ÖVP.
Die hat ohnedies genug mit sich selbst zu tun - genauso wie die SPÖ. Beide denken plötzlich auch öffentlich über unheilige Allianzen mit den Freiheitlichen nach, um dann am Ende doch wieder einen rot-schwarzen Pakt zu schmieden.
Die Tiroler ÖVP liegt unterdessen nach wie vor im kollektiven Freudentaumel. 114.754 Stimmen bedeuten nicht nur um 964 mehr als bei den Nationalratswahlen 2008, die damit erreichten 32,33 Prozent haben Tirol auch noch zum schwarzen Musterschüler gekürt - noch vor Niederösterreich, Salzburg und Vorarlberg.
Bei näherer Betrachtung indes ist nicht alles Gold, was glänzt. Tatsache ist, dass die ÖVP stimmenmäßig zugelegt hat. In erster Linie verantwortlich für das Plus sind die Seniorinnen und Senioren und die intakten Parteistrukturen in den kleineren, ländlichen Gemeinden Tirols.
Echte Sieger aber schauen anders aus. Die ÖVP hat nämlich im städtischen Bereich mit massiven Problemen zu kämpfen. Im Regionalwahlkreis Innsbruck etwa büßte die jahrzehntelang unangefochtene Regierungspartei seit 2002 mehr als die Hälfte ihrer Wählerinnen und Wähler ein. Vergangenen Sonntag wurde das historisch schlechte Ergebnis von 2008 abermals unterboten - um 828 Stimmen oder etwas mehr als sechs Prozent.
Weil es in den anderen großen Städten des Landes nicht viel besser ausschaut - auch in Hall, Kitzbühel, Kufstein, Wörgl, Lienz und Schwaz setzte es Niederlagen -, müssten längst Alarmglocken den Jubel übertönen. Wer angesichts dieser Entwicklung immer noch meint, es sei eh alles nicht so schlimm und eigentlich sei eh alles im Lot, der dürfte schon bei den nächsten Wahlen eines Besseren belehrt werden.

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