Wechseljahre: Hormonersatztherapie oder Heilpflanzen?

Tag der Apotheke am 8. Oktober 2013 "Mit Frauen-Power durch den Wechsel"

Wien (OTS) - Eine attraktive Figur, ein angenehmes Durchschlafen in der Nacht, starke Knochen - vieles, was bis zur Menopause ein selbstverständlich angenommenes Geschenk der Natur war, muss von Frauen in den Wechseljahren plötzlich selbst erarbeitet werden. Heilpflanzen oder Hormone helfen den Frauen in dieser Zeit - welche Therapieform eingesetzt wird, hängt meist vom Ausmaß der Beschwerden und vom Leidensdruck ab.

Durch das Absinken weiblicher Sexualhormone im Blut kommt es während der Wechseljahre (Klimakterium) zu körperlichen Veränderungen, die zu physischen wie auch psychischen Beschwerden führen können. Die erste Phase des Klimakteriums ist die Prämenopause und findet zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr statt. In dieser Zeit kommt es nicht mehr regelmäßig zum Eisprung und es können Beschwerden wie Brustspannen, Zyklusunregelmäßigkeiten, Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen auftreten. Danach folgt die Perimenopause: In dieser Zeit nimmt die Produktion der Östrogene ab, bis sie vollends eingestellt wird - die Monatsblutung bleibt aus. Hitzewallungen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit und Blasenprobleme zählen in dieser Zeit zu typischen Beschwerden. Ein Jahr nach der letzten Monatsblutung beginnt die Postmenopause. Häufig dauern die Beschwerden in dieser Phase noch eine Zeitlang an oder verstärken sich sogar.

Der Körper gerät aus dem Gleichgewicht

Progesteron- und Östrogenmangel hat nicht nur das Ende der Fruchtbarkeit zur Folge, sondern bringt auch andere Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht. Dieses Ungleichgewicht äußert sich in unterschiedlichen Beschwerden wie z.B. Gewichtszunahme, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen, Schweißausbrüche, Hitzewallungen, Blasenbeschwerden, Sexualprobleme, Gelenk- und Muskelschmerzen. Für viele Frauen stellt sich zu diesem Zeitpunkt die Frage:
Hormonersatztherapie oder Heilpflanzen? Welche Therapie zum Einsatz kommt, hängt meist vom Ausmaß der Beschwerden ab. In etwa ein Drittel, der rund eine Million Österreicherinnen in den Wechseljahren, hat kaum Probleme. Ein weiteres Drittel weist leichte Beschwerden auf, die oft mit pflanzlichen Wirkstoffen gut in den Griff zu bekommen sind und wiederum rund ein Drittel der Frauen klagt über starke Beeinträchtigungen, vor allem über körperliche und seelische Probleme, die die Lebensqualität enorm beeinträchtigen. Eine Hormonersatztherapie kann bei einem hohen Leidensdruck sinnvoll sein. Zu berücksichtigen sind dabei auch individuelle Risikofaktoren wie Alkoholkonsum, Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck und erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Hormontherapie bei hohem Leidensdruck sinnvoll

"Bei jeder Hormontherapie muss man die Frage stellen: Braucht diese Frau überhaupt Hormone? Wenn ja, welche, in welcher Dosierung und Applikationsform und wie lange. Im angelsächsischen Bereich, aus dem die großen Studien stammen, sind diese Fragen nichtgestellt worden und werden auch immer noch nicht gestellt. Umso überraschender ist es, dass trotz dieser undifferenzierten Verschreibungsform des "Estrogen-only-Armes" der WHI Studie ein brustkrebsschützender Effekt des Östrogens nachgewiesen werden konnte. Im Östrogen-Arm waren weniger Brustkrebsfälle als im Placebo-Arm. Warum das in der öffentlichen Diskussion - more or less - ausgeblendet wurde, bleibt ein Mysterium", erklärt Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe und Mitglied der Österreichischen Menopausegesellschaft. Derzeit gilt daher, dass eine Hormonersatztherapie bei starken Beeinträchtigungen und unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll ist. Jedoch sollte die Therapie spätestens 2 Jahre nach der Menopause begonnen werden, niedrig dosiert und von möglichst kurzer Dauer sein.

Zukunftsperspektiven in der Behandlung von Wechselbeschwerden

"Die Hormonersatztherapie mit Östrogenen und ggf. Gestagenen wird auch in Zukunft einen festen Platz in der Behandlung klimakterischer Beschwerden einnehmen. Dabei wird vor allem darauf zu achten sein, die Therapie mit einer physiologischen (niedrigen) Dosierung -angepasst an die Situation der Patientin - vorzunehmen. Dazu stehen vor allem transdermale Präparationen in Form von östrogenhaltigen Gels oder auch Pflaster zur Verfügung, mit denen die Patientin die Dosierung sehr gut selbst anpassen kann. Ein Gestagenzusatz ist bei nicht hysterektomierten Frauen nach wie vor notwendig, hierzu stehen neben dem natürlichen Progesteron eine Reihe von synthetischen Gestagenen zur Verfügung, deren unterschiedliche Partialwirkungen (androgen, antiandrogen, antimineralocorticoid, zentralnervöse Wirkungen) therapeutisch genutzt werden können", erläutert Univ.-Prof. Dr. Ludwig Wildt, Direktor der Universitätsklinik für gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Department Frauenheilkunde, Innsbruck und Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (ÖGGG).

Helfer aus der Naturapotheke

Eine weitere wichtige Säule der Therapie von Wechseljahre-Beschwerden sind pflanzliche Substanzen. Heilpflanzen und Mikronährstoffe in Form von Tees, Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln ergänzt mit einer ausgewogenen Ernährung und Bewegung balancieren den Körper und die Hormone in den Wechseljahren aus und können bei leichten bis mittelschweren Beschwerden hervorragend helfen. "Die wichtigsten Pflanzen sind Soja, Rotklee, Mönchspfeffer, Yamswurzel, Traubensilberkerze, Nachtkerze, Hopfen, Salbei und Johanniskraut. Beruhigende Substanzen aus Passionsblumenkraut finden ebenso Verwendung wie antibakterielle Inhaltsstoffe aus Preiselbeeren und Cranberry bei Blasenproblemen. Vitamin B-Komplex und Omega-3-Fettsäuren halten die Gefäße gesund und Kalzium mit Vitamin D3 stärkt die Knochen", weiß die Apothekerin Mag. Irina Schwabegger-Wager. Bei der Einnahme von pflanzlichen Präparaten ist aber ein wenig Geduld erforderlich. Es kann einige Wochen dauern, bis die Phytohormone ihre volle Wirksamkeit entfalten. Eine positive Einstellung zum Älterwerden und zum eigenen Körper helfen Frauen ebenfalls gut durch den Wechsel zu kommen.

Enttabuisierung der Wechseljahre

Beim "Wechsel" verschwimmt die Grenze zwischen Wohlbefinden, Lebensqualität und Erkrankung. "Es ist wichtig, dass Frauen Hilfe in Anspruch nehmen und ihre Beschwerden artikulieren. Danach können wir im persönlichen Gespräch den Frauen die Angst nehmen und hilfreiche Tipps geben. Letztendlich ist das Klimakterium keine Krankheit und auch nichts, was Frau fürchten muss. Oft kann bereits mit einfachen Mitteln die Lebensqualität deutlich verbessert werden", erklärt die Apothekerin. Der Präsident der Österreichischen Apothekerkammer Mag. pharm. Max Wellan ergänzt: "Alle Menschen sind auch Co-Produzenten ihrer Gesundheit - insbesondere Frauen in den Wechseljahren. Wir Apotheker können gemeinsam mit den betroffenen Frauen die Lebensqualität verbessern."

Neben der Information rund um die Wechseljahre ist den Apothekerinnen und Apothekern aber auch die Aufklärung und Enttabuisierung des Themas ein großes Anliegen. "Oft vergeht viel Zeit, und der Leidensdruck muss groß sein, bis manche Kundinnen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Manche Frauen nehmen ihre persönlichen Beschwerden nicht ernst oder scheuen davor zurück, sie direkt anzusprechen", weiß Mag. pharm. Max Wellan aus Erfahrungen in der Apotheke. Aus diesem Grund ruft die Apothekerschaft auch Informationskampagnen wie den diesjährigen Tag der Apotheke ins Leben, der die Wechseljahre enttabuisieren und die Betroffenen informieren soll.

Tag der Apotheke am 8. Oktober

Der diesjährige Tag der Apotheke am Dienstag, 8. Oktober steht ganz im Zeichen der Wechseljahre. Die Apothekerinnen und Apotheker zählen in den Wechseljahren zu wichtigen Gesundheitspartnern. Sie verfügen über umfassende Beratungskompetenz und das Wissen über die natürliche Kraft der Heilpflanzen, um den Frauen im Wechsel maßgeschneiderte Hilfe anzubieten. Am Tag der Apotheke erhalten alle Frauen, die sich mit den Wechseljahren beschäftigen, eine individuelle Beratung sowie eine umfassende Wechseljahre-Broschüre, die gemeinsam mit der Gesellschaft für Menopause entwickelt wurde. Der Ratgeber behandelt neben der hormonellen und körperlichen Veränderung und den typischen Wechseljahre-Beschwerden, vor allem den Einsatz und die Wirkung von Heilpflanzen - ergänzt mit wertvollen Tipps aus der Apotheke. Für den Tag der Apotheke wurde in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Menopausegesellschaft und der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe eine eigene Checkliste für Apothekenkundinnen erarbeitet. Zur Vorbereitung auf den Tag der Apotheke wurde eigens ein Fortbildungsprogramm für Apothekerinnen und Apotheker angeboten.

Apotheken auf einen Blick

In Österreich spielen die öffentlichen Apotheken eine wichtige Rolle als Gesundheitsnahversorger. Ob Großstadt, Kleinstadt oder Gemeinde: Die österreichischen Apotheken liefern Qualität auf höchstem Niveau. Das bestehende Apothekensystem garantiert eine flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln und stellt die Versorgung der Patienten in den Mittelpunkt. Insgesamt beraten 5.800 akademisch ausgebildete Apothekerinnen und Apotheker in 1.330 Apotheken die Bevölkerung in Gesundheitsfragen. Die Beratungskompetenz ist eine der zentralen Leistungen der Apotheker.

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