WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kaderschmieden sind woanders - von Isabell Widek

Wer schon einmal eine Toilette der Uni Wien benutzt hat, weiß Bescheid

Wien (OTS) - Eine Volksweisheit besagt, dass die Toiletten die Visitenkarte eines jeden Lokals sind. Kein anderer Ort sagt mehr über den Qualitätsanspruch eines Unternehmens und den Respekt gegenüber seinen Kunden aus. Wer schon einmal eines der stillen Örtchen der Universität Wien besucht hat, weiß Bescheid und hat sich danach höchstwahrscheinlich Sorgen um die Qualität der heimischen Parade-Hochschule gemacht.

Dieser Eindruck wird durch das aktuelle Times Higher Education World University Ranking bestätigt: Die Uni Wien findet sich unter den 400 weltbesten Hochschulen lediglich auf Platz 170 wieder. Noch schlechter gereiht sind nur noch andere österreichische Hochschulen -wobei sich die Universitäten Graz und Linz sogar erst in der Gruppe 351 bis 400 wiederfinden. Demgegenüber stehen die Top drei des Rankings: Das California Institute of Technology, ex aequo die Harvard University und die University of Oxford sowie die Stanford University.

Heimischen Studierenden in spe, die sich neben einer fundierten Ausbildung vielleicht auch noch das Knüpfen von internationalen Netzwerken erhofft hatten, muss an dieser Stelle leider gesagt werden: Sorry, aber Kaderschmieden finden sich nicht in Österreich, sondern ganz woanders. Der Weg ins Ausland - jahrelang als Zusatzqualifikation eher stiefmütterlich behandelt - ist daher in Zukunft fast unumgänglich.

Dennoch reicht es nicht aus zu seufzen und weiterzumachen. Ein Land, das - zurecht - stolz auf seine hoch qualifizierten Fachkräfte ist, kann es nicht zulassen, dass ein wichtiger Zweig davon - die akademische Lehre - kontinuierlich nach unten abrutscht. Dies hat nämlich auch gravierende Auswirkungen auf die Attraktivität des österreichischen Wirtschaftsstandorts.

Denn wer als Unternehmer weiterhin an der Weltspitze mitspielen will, sollte noch mehr Augenmerk als bisher auf seine Mitarbeiter legen. Also entweder selbst für ihre fundierte Ausbildung sorgen oder die Politik dazu bewegen, es endlich zu tun.

Dazu reicht es laut einer Expertenschätzung (siehe auch S. 4) aus, bis 2020 jährlich 300 Millionen Euro in heimische Universitäten zu buttern. Unser Standort sollte uns dieses Geld wert sein.

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