"DER STANDARD"-Kommentar zu: Reden mit der FPÖ "Taktisches Kalkül" von Michael Völker

Wien (OTS) - Auf einmal wird die FPÖ von allen umworben: Die ÖVP droht mit ihr, selbst in der SPÖ gibt es jetzt einige, die an ihr Gefallen fänden, das Team Stronach würde gerne, auch die Neos könnten sich das vorstellen. Die FPÖ scheint nicht länger ausgegrenzt.
Da ist freilich viel taktisches Kalkül im Spiel. Die ÖVP kann nicht ernsthaft mit der FPÖ drohen, da bräuchten sie nämlich als Dritten auch noch das Team Stronach zur Koalition, und das ist wohl lachhaft. Diese Kasperlnummer wird sich auch Michael Spindelegger nicht geben. Die SPÖ hat sich so lange und so explizit von der FPÖ abgegrenzt, dass eine Koalition schlichtweg undenkbar ist, auch wenn das einigen Rechtsabweichlern in der Partei gefallen würde. Werner Faymann hat ausreichend klargestellt, dass er sich eine Zusammenarbeit mit einer Partei, die sich vom Nationalsozialismus nicht glaubhaft abgrenzen kann, nicht vorstellen kann. Das ist nur ein Argument von vielen, aber schon ein recht überzeugendes. Faymanns Glaubwürdigkeit und jene der SPÖ wären nachhaltig dahin, würden sie ernsthaft an der FPÖ anstreifen.
Auch wenn SPÖ und ÖVP nicht wollen und dem jeweils mit Widerwillen entgegenblicken: Sie sind zur Zusammenarbeit verdammt. Dass diese Zusammenarbeit ganz anders ausschauen muss als bisher, dass sie andere Ergebnisse bringen muss als bisher, das ist klar. Weitere Partner? Wünschenswert. Aber das Kokettieren mit der FPÖ ist reine Zeitverschwendung und schadet nur der Glaubwürdigkeit.

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