"Impfprophylaxe vor und während der Schwangerschaft"

Wien (OTS) - "Mit Ausnahme von sauberem Trinkwasser hat keine andere Gesundheitsmaßnahme - nicht einmal Antibiotika - eine derart positive Auswirkung auf das Bevölkerungswachstum und den Rückgang von Mortalität gehabt wie Impfungen."

Der Kinderwunsch beziehungsweise die Planung einer Schwangerschaft veranlasst Frauen meist dazu, ihrem Gesundheitszustand vermehrt Aufmerksamkeit zu schenken und Vorsorge für die Zeit vor und während der Schwangerschaft zu treffen. Ein ausreichender Impfschutz gegen die wichtigsten Infektionserkrankungen ist vor und während der Schwangerschaft unbedingt anzuraten. Die Überprüfung des Impfstatus impliziert eine verantwortungsvolle Verhaltensweise. Dabei wird das Thema Impfen immer wieder kontrovers diskutiert. Wie kann sich die werdende Mutter selbst und ihr Ungeborenes vor Krankheiten schützen? Welche Impfungen sind unbedingt anzuraten? Um diese Fragen zu beantworten lud ESIDOG, die Österreichische Gesellschaft für Infektionen in der Geburtshilfe und Gynäkologie, interessierte Journalisten zu einem Pressegespräch. Neueste Erkenntnisse wurden präsentiert, die renommierte Expertenrunde stellte sich außerdem der Diskussion und gab fachkundige Antworten.

Am 27. September fand am Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUniWien im 9. Wiener Gemeindebezirk ein Pressegespräch zum Thema "Impfprophylaxe vor und während der Schwangerschaft" statt. Die Expertenrunde präsentierte den Medienvertretern Informationen zum aktuellen Forschungsstand und diskutierte die Thematik aus unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten. Die große Bedeutung von ausreichendem Impfschutz gegen die wichtigsten Infektionserkrankungen vor und während der Schwangerschaft umspannte das Pressegespräch und wurde von den Experten nachdrücklich empfohlen.

Überprüfung des Impfstatus

Um möglichen Komplikationen während der Schwangerschaft vorzubeugen, ist es von großer Bedeutung, den Impfstatus regelmäßig und bereits vor der geplanten Schwangerschaft überprüfen zu lassen. Der Arzt überprüft anhand des Impfpasses, ob alle empfohlenen Schutzimpfungen in Anspruch genommen wurden. Für Frauen ab dem 16. Lebensjahr empfiehlt der Österreichische Impfplan folgende Impfungen:

  • Diphtherie
  • Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Kinderlähmung (Poliomyelitis)
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • FSME (Zeckenimpfung)
  • Influenza (Grippeimpfung)
  • Masern/Mumps/Röteln
  • Windpocken (Varizellen)
  • Humane Papillomviren

Wird eine fehlende Immunität festgestellt, kann die Impfung noch vor der Schwangerschaft getätigt werden. Der Österreichische Impfplan verweist darauf, empfohlene Impfungen bereits vor Beginn der Schwangerschaft durchzuführen ("Prepare for pregnancy"). Insbesondere gilt es den Impfschutz gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (Windpocken) sicherzustellen, da diese Erkrankungen in der Schwangerschaft für das Kind dramatische Folgen haben können und die Lebendimpfungen während einer Schwangerschaft nicht gegeben werden dürfen. Aber auch Diphtherie-Tetanus-Pertussis Impfungen sollen überprüft werden.

Impfen vor und während der Schwangerschaft

Univ.-Prof. Dr. Herbert Kiss ist Bereichsleiter an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde/AKH Wien in der Abteilung Geburtshilfe und Leiter des Infektionslabors und der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am AKH Wien. Für den Experten gilt im Hinblick auf Impfungen während der Schwangerschaft das Motto "So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig". "In der Schwangerschaft können bei Notwendigkeit Impfungen durchgeführt werden, sogenannte Totimpfstoffe können problemlos bei schwangeren Frauen angewendet werden", so Kiss.

Bei gewissen Infektionskrankheiten muss allerdings schon vor einer Schwangerschaft vorgesorgt werden: "Masern, Mumps, Röteln und Varizellen sind hochansteckende, virale Infektionskrankheiten, die mit einer Reihe von ernsten Komplikationen einhergehen können. Seit Jahrzehnten stehen zum Schutz vor diesen Erkrankungen hochwirksame und sehr gut verträgliche Impfstoffe zur Verfügung. Mit einem hohen Risiko für schwere kindliche Missbildungen sind Röteln zu Recht die am meisten gefürchtete Virusinfektion in der Frühschwangerschaft und auch in Österreich sind wir noch immer mit Schwangerschafts-Abbrüchen auf Grund von Rötelnvirus-Infektionen konfrontiert. Seltener kann auch eine Erstinfektion mit dem Varizellen-Zoster-Virus (Windpocken, Feuchtblattern) in der ersten Schwangerschaftshälfte zur Fehlgeburt oder schweren kindlichen Missbildungen führen. Ernste Folgen kann auch eine Varizellen-Infektion der Mutter um den Geburtstermin haben, da eine Varizellen-Erkrankung beim Neugeborenen besonders schwer verlaufen kann. Da es sich sowohl beim MMR- als auch beim Varizellen-Impfstoff um Lebendimpfungen handelt, können sie nicht in der Schwangerschaft verabreicht werden", unterstreicht Univ.-Prof. Dr. Heidemarie Holzmann von der Abteilung für Angewandte Medizinische Virologie der MedUniWien die große Bedeutung von Vorsorge im Hinblick auf Impfungen schon vor einer Schwangerschaft noch weiter.

Influenza und Schwangerschaft

"Laut aktuellen Daten liegt die Influenza-Mortalität in Österreich bei 15,5 pro 100.000 Einwohner. Pro Grippesaison sterben in Österreich durchschnittlich bis zu 1.300 Personen an dieser Erkrankung. In Abhängigkeit vom dominanten Virusstamm schwankt die Zahl der jährlichen Todesfälle zwischen 400 und maximal 4.000 . Ein hohes Risiko für schwere Verläufe haben vor allem ältere Menschen ab 65 Jahren sowie Patienten mit Grundkrankheiten, Kinder unter vier Jahren und schwangere Frauen", erläutert Univ.-Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUniWien die möglichen Gefahren, die von einer Influenza-Infektion ausgehen. Gerade bei Schwangeren stellt eine solche Infektion eine besondere Gefahr dar. "Während dem zweiten und dritten Trimenon kann eine Influenza-Infektion besonders schwere Verläufe annehmen, vor allem bei Infektionen mit dem A/H1N1-Virus -hier wurde ein vier- bis zehnfach höheres Hospitalisierungsrisiko festgestellt. In den meisten Fällen wird die Influenza durch eine Bronchitis und Pneumonie kompliziert, die intravenöse Verabreichung von Antibiotika notwendig machen. Die schwere Allgemeinerkrankung der Schwangeren kann zu vorzeitigen Wehen, und je nach Schwangerschaftswoche, zu einer drohenden Frühgeburt führen", führt Univ.-Prof. Dr. Kiss die Gefahren einer Influenza-Infektion aus. "Die am Markt befindlichen Influenzaimpfstoffe sind auch in der Schwangerschaft bedenkenlos verwendbar. Wegen der besonderen Gefährdung von infizierten Schwangeren, wird die gut verträgliche Impfung sowohl schwangeren Frauen als auch Frauen mit Kinderwunsch vor (und auch noch während) der Influenzasaison von Oktober bis März zum eigenen Schutz und zum Schutz des Neugeborenen empfohlen. Meist sind schwangere Frauen jedoch nicht über diese Empfehlung informiert", so Kiss weiter. Laut Österreichischem Impfplan wird die Influenzaimpfung dringend im 2. oder 3. Trimenon empfohlen, wobei dieser auch auf die Möglichkeit der Impfung im 1. Trimenon hinweist.

Influenza und Herdenschutz

Zur Erreichung eines kollektiven Impfschutzes (Herdenschutz) durch verminderte Infektionsübertragung plädiert Univ.-Prof. Dr. Wiedermann-Schmidt für die vermehrte Aufklärung einerseits über den direkten Schutz (Individualschutz) der Influenzaimpfung als auch über das Erreichen von entsprechend hohen Durchimpfungsraten in der gesamten Bevölkerung. "Außerdem muss in der Bevölkerung vermehrt aufgeklärt werden, was von der Influenzaimpfung tatsächlich erwartet werden kann und was nicht. Hier sind die Erwartungshaltungen völlig falsch - einen Schutz vor den zwar unangenehmen aber ungefährlichen Erkältungskrankheiten kann die Influenzaimpfung nicht bieten."

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.

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