Offener Brief an die Bundesregierung und politische Parteien

IPCC-Bericht: Umweltorganisationen und Erneuerbaren-Verbände fordern mehr Anstrengung in Klimapolitik

Wien (OTS) - Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, sehr geehrter Herr Vizekanzler, sehr geehrte Nationalratskandidaten,

heute wurde der neue IPCC-Klimabericht veröffentlicht. Die Warnungen sind eindringlicher als je zuvor: wollen wir eine realistische Chance haben, den globalen Temperaturanstieg auf 2 Grad zu beschränken, dann müssen wir die Treibhausgasemissionen rasch und stark verringern. Das bedeutet unter anderem, dass der Energieverbrauch stark reduziert werden muss, und der verbleibende Energiebedarf so rasch wie möglich weitestgehend aus erneuerbaren Quellen gedeckt wird.

Viele Staaten, darunter Österreich, haben in den letzten Jahren gezeigt, dass mit einer gezielten Politik ein Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht werden kann, und die CO2-Emissionen gesenkt werden. Dieser Ausbau alleine ist aber zu wenig: wir müssen uns viel mehr anstrengen um den Energieverbrauch zu verringern.

Europaweit wird derzeit verstärkt versucht, Atomenergie und CO2-Speicherung als Klimaschutzmaßnahmen ins Spiel zu bringen. Zu Recht lehnt Österreich diese Risikotechnologien ab, und wir verlangen eine konsequente Beibehaltung dieser Ablehnung, und 100 Prozent erneuerbare Energie als Antwort auf diese Bedrohungen.

Eine andere Gefahr droht aus den derzeit diskutierten Änderungen im europäischen Beihilfenrecht - werden die Pläne ungeändert umgesetzt, dann werden sich die Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien europaweit drastisch verschlechtern.

Wir verlangen, dass das neu gewählte Parlament und die neue Bundesregierung die Botschaft aus dem vorliegenden IPCC-Bericht zum Leitfaden für die österreichische und europäische Klima- und Energiepolitik macht, und folgende Forderungen unterstützt:

  • Eine Festlegung der europäischen Klimapolitik bis 2030 mit drei Zielen: 30 Prozent weniger Energieverbrauch, 55 bis 60 Prozent weniger Treibhausgasemissionen und 45 Prozent erneuerbare Energie
  • Die Umweltfolgekosten und versteckte und direkte Subventionen bei Atomenergie und fossiler Energie müssen in den Energiepreisen einkalkuliert werden
  • Rasche Festlegung einer österreichische Energie- und Klimapolitik bis 2030, mit den Zielen 30 Prozent weniger Energieverbrauch, 55 bis 60 Prozent weniger Treibhausgasemissionen, 100 Prozent erneuerbarer Strom und 60 Prozent erneuerbare Gesamtenergie
  • Österreich muss bis 2020 aus der Nutzung von Kohlekraft aussteigen

Essenziell dabei ist, dass Europa eine weltweite Führungsrolle einnimmt. Es braucht ein globales Klimaschutzabkommen als Nachfolge für den Kyoto-Vertrag, aber die Festlegung der europäischen Klimapolitik soll nicht vom Zustandekommen eines weltweiten Abkommens abhängig gemacht werden.

Wir erwarten von der Bundesregierung und von den Parlamentsparteien, noch vor der Wahl klare Ziele für die Entwicklung der CO2-Emissionen, des Anteils erneuerbarer Energien und den Gesamtenergieverbrauch zu nennen - die Wählerinnen und Wähler verlangen eine wirksame Klimapolitik, und haben ein Recht darauf die Vorstellungen der Bundesregierung und der Parteien zu erfahren.

Mit freundlichen Grüßen,

Mag. Alexander Egit, Geschäftsführer Greenpeace
Erwin Gattringer, Stv. Geschäftsführer Austria Solar
Norbert Hummel, Vereinsobmann Arge Kompost & Biogas
Dipl.-Ing. Dr. Horst Jauschnegg, Präsident Biomasseverband
Andrea Johanides, Geschäftsführerin WWF
Dr. Hans Kronberger, Präsident Photovoltaic Austria
Mag. Erwin Mayer, Stv. Geschäftsführer Kleinwasserkraft Österreich Mag. Stefan Moidl, Geschäftsführer IG Windkraft
Dipl.-Ing. Josef Plank, Präsident Erneuerbare Energie Österreich Dr. Christian Rakos, Geschäftsführer ProPellets Austria
Dr. Reinhard Uhrig, Geschäftsführer GLOBAL2000

Rückfragen & Kontakt:

Dipl.-Ing. Jurrien Westerhof
Geschäftsführer Erneuerbare Energie Österreich
Tel.: 0664-6126701

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