TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 26. September 2013 von Marco Witting "Helfern unter die Arme greifen"

Innsbruck (OTS) - Utl.: Einsatzorganisationen wie die Bergrettung müssen der Gesellschaft etwas wert sein. Die Freiwilligen leisten einen enormen und unbezahlbaren Beitrag. Deshalb dürfen die Helfer nicht länger zu Bittstellern verkommen.

Ein schmaler Grat: zwischen Lob und Anerkennung, dem Wunsch zu helfen, dem Einsatz für Menschen in einer absoluten Notsituation einerseits. Und dem Risiko, dem man sich selber in einer Extremsituation aussetzt, einer zusätzlichen Belastung neben dem beruflichen Alltag und dem Privatleben andererseits. Das alles ehrenamtlich, freiwillig, ohne Bezahlung. Dieses Schicksal kennen viele Freiwillige in Tirol. Auch die Bergretter des Landes, die auf diesem Grat regelmäßig wandeln.
70 Einsätze, so rechnet die Geschäftsführung vor, hätten einzelne Ortsstellen heuer bereits absolviert. 70-mal weg von Arbeit oder Familie, bei Hitze oder Kälte. 70-mal Ungewissheit, psychische Belas tung. Für ein Danke vielleicht. Oder das Gefühl, geholfen zu haben. Mit Geld zu bezahlen sind diese Leistungen nicht. Und trotzdem geht es wieder um finanzielle Mittel, wenn die Bergrettung eine Abgabe oder Hilfe für die Einsatzkräfte fordert.
Diese Forderung ist nicht neu. Und fruchtete in der Vergangenheit zumindest teilweise. Immerhin hat das Land Geld zur Verfügung gestellt, mit dem die Tiroler Bergrettung eine gewisse finanzielle Sicherheit hat. Doch die Rufe nach einem Beitrag, den der Tourismus leisten soll, sie werden unterschiedlich gehört. Und eine klare Lösung fehlt komplett.
Es ist ein schmaler Grat, den einzelne Gemeinden und Tourismusverbände hier beschreiten. Auch die Geduld von Freiwilligen ist enden wollend. Wegen ein paar Reifen für das Fahrzeug oder ein paar hundert Euro "betteln" zu müssen, ist weder ein schönes Gefühl noch ein Agieren auf Augenhöhe mit einer Organisation, die unverzichtbar ist.
Wahrscheinlich ist die Forderung an den Tourismus nach einer eigenen Abgabe für die Bergrettung nicht praktikabel. Lösungen müssen lokal gefunden werden. Im Kern ist die Kritik aber richtig. Wenn die Retter häufig die Vollkaskomentalität der Wanderer kritisieren, dann kann diese auch auf unsere Gesellschaft übertragen werden. Man verlässt sich auf etwas, das da ist. Ohne zu hinterfragen.
Hier geht es um keine übertriebenen Millionenforderungen. Insofern sind sowohl der Tourismus, der auch von dieser Einrichtung profitiert, als auch die öffentliche Hand gefordert, den Helfern unter die Arme zu greifen. Mit Wertschätzung, die auch finanziell ausfallen muss. Die Bergretter und andere Einsatzorganisationen dürfen nicht länger als Bittsteller angesehen werden.

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