Landflucht - leere ländliche Räume

Immobilienforum IR zeigt besorgniserregende Entwicklung auf

Wien (OTS) - Das Immobilienforum des Immobilienring IR wurde kürzlich in Wien abgehalten. Hochrangige ExpertInnen der heimischen Wissenschaft präsentierten Hintergründe und Auswirkungen des Aussterbens österreichischer Regionen. Key Note Speaker und Immobilienring IR-Mitglied Georg Spiegelfeld plädierte an die Branche sich laufend mit neuen Expertisen und Datenmaterial auseinanderzusetzen um künftige Entwicklungen des Immobilienmarktes transparent einschätzen zu können. "Fehlende Masterpläne und Standards zur Entwicklung von Regionen sowie eine räumliche Zentralisierung der Arbeitsmärkte tragen zur Landflucht bei. Wir brauchen Perspektiven für lebenswerte Regionen mit kurzen Wegen zwischen Wohnort und Arbeitsstätte", resümiert Immobilienring IR-Präsident Andreas G. Gressenbauer.

Als Kriterien für schrumpfende Regionen sieht Gressenbauer gewandelte Familienverhältnisse, eine sich verändernde Altersstruktur, hohe Bau- und Energiekosten, Zersiedelung, fehlende Arbeitsplätze und Infrastruktur sowie die Ausdünnung lokaler Nahversorger und Naherholungsstrukturen.

Unterschiedliche Regionen betroffen

Stark von Abwanderung betroffen sind Teile Kärntens, der Steiermark, Mittel- und Südburgenland sowie das nördliche Waldviertel. Häuser stehen leer, sind nicht vermietbar bzw. nicht zu verkaufen. Gressenbauer: "Unsere Erfahrung zeigt, dass Liegenschaften, von denen aus innerhalb von 15-20 Minuten ein hochrangiges öffentliches Verkehrsmittel erreicht wird, kaum ein Verwertungsproblem haben." In Salzburg, Tirol, Vorarlberg oder Oberösterreich ist die Lage anders. Hier sind Arbeitsplätze vorhanden.

Entsolidarisierung von Stadt und Land

Abwanderungen der Landbevölkerung entleeren die Gemeindekassen und damit fehle die notwendige Finanzierung für lebendige Kommunen und intakte Infrastruktur. Das führt zur "Entsolidarisierung von Stadt und Land", beschreibt Martin Heintel, Univ. Professor für Geografie und Regionalforschung, Uni Wien, die Situation.

Abwanderung beeinflusst Immobilienpreise

Steigende Abwanderung mache sich in der Preisentwicklung von Immobilien bemerkbar, untermauerte Univ. Dozent Wolfgang Feilmayr mit seinen seit 1999 erfassten regionalen Immobilienindizes. Die Entwicklung der Preise von Stadt- oder Landimmobilien unterscheiden sich deutlich.

Einfamilienhaus Lust oder Last im Alter

"Die Häuser sind für viele ältere Menschen, die am Land wohnen, zu groß geworden", erläutert Tatjana Fischer, Wissenschaftlerin für Raumplanung und ländliche Neuordnung, BOKU Wien. Dazu kommt, dass die Häuser auch über schlechte Energiewerte verfügen. Auch sei keine Barrierefreiheit gegeben. Vor allem im strukturschwachen, ländlichen Raum wächst der Anteil älterer Menschen über 75 Jahre kontinuierlich. Diese wollen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben. Das setzt eine gute finanzielle Basis sowie ein großes Netzwerk voraus. Wenn die Mobilität abnimmt, erfolgt ein Rückzug, nur mehr 50 Prozent beteiligen sich am öffentlichen Leben.

Das Rheintal, Vorreiter für eine lebendige Region

"In Vorarlberg verschwimmt die Differenzierung von ländlich und städtisch langsam", berichtet Angelika Salzmann, Architektin und Raumplanerin. Seit 2007 wurden 29 Gemeinden zur erfolgreichen Region Rheintal mit Arbeitsplätzen, Wohnstätten und dichter Verkehrsinfrastruktur. Mit der Belebung stieg der Grundstückswert, im Vergleich zu den 1970er Jahren werden kleinere Einfamilienhäuser gebaut. Unternehmen und Stiftungen kaufen in den letzten Jahren freie Grundstücke auf, mit der Folge dass der Immobilienmarkt stagniert.

Neues Maklertool zur schnellen Übersicht

Patrick Schenner, Geschäftsführer Immobilienscout24, ortet eine zunehmende Wohn-Mobilität der Österreicher, wenn diese mit guten Jobaussichten verbunden ist. Für eine bessere Markttransparenz hat das Immobilienportal für Makler einen Marktnavigator entwickelt.

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