Othmar Karas, Sozialminister Hundstorfer: "Österreich als Vorbild in Europa für Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit"

Über 5 Mio. Jugendliche in Europa ohne Arbeit

Wien (OTS) - Othmar Karas, Vizepräsident des Europäischen Parlaments und Sprecher des Bürgerforums Europa 2020 betont: "Solidarität in Europa ist wichtig, gleichzeitig müssen aber auch Reformen umgesetzt werden. Die Maßnahmen greifen, aber es braucht einen langen Atem um die Krise wirklich zu überwinden. Wenn wir es wollen, können wir es schaffen!

Das Europäische Parlament will die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen und Initiativen für Forschung, Bildung und Entwicklung unterstützen. Dafür braucht die EU aber den Handlungsspielraum und das Budget, das die Mitgliedsstaaten ihr bisher weitgehend verwehren. Im Juni dieses Jahres wurde auf EU-Ebene ein Schritt in die richtige Richtung getan; das 6 Milliarden Euro Programm gegen Jugendarbeitslosigkeit wurde beschlossen. Dennoch kann diese finanzielle Unterstützung allein, das Problem der hohen Arbeitslosenquote bei jungen Erwachsenen nicht lösen. Notwendig sind umfassende Politikmaßnahmen in den Mitgliedstaaten.

Forciert werden muss eine höhere Chancengleichheit für junge Menschen im Bildungswesen sowie am Arbeitsmarkt. Eine Schlüsselrolle hierbei kommt einer sektorenübergreifende Vorgehensweise, wie sie beispielsweise in Österreich oder auch in Deutschland mit der dualen Ausbildung verfolgt wird."

Sozialminister Rudolf Hundstorfer: Österreich setzte rasche Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit: "Während viele EU-Länder mit stark steigender Jugendarbeitslosigkeit und der Frage, welche Maßnahmen zur Reduzierung dieser eingesetzt werden können, kämpfen, konnte in Österreich auf Bewährtes (wie die duale Ausbildung und die Ausbildungsgarantie) aufgebaut und rasch neue Maßnahmen entwickelt oder verstärkt werden: Ausbildungsgarantie, Jugendcoaching, Lehrlingscoaching, Aktion Zukunft Jugend oder der Ausbau der Produktionsschulen bieten ein dichtes Netz an Maßnahmen. Auch die Lehrlingsförderung wurde mit genauerem Blick auf die Qualität der Ausbildung reformiert. Der Fördermitteleinsatz für die Beschäftigung, Unterstützung und Qualifizierung Jugendlicher hat sich über die letzten Jahre kontinuierlich erhöht - für 2013 sind insgesamt 640 Mio. Euro vorgesehen. Entscheidend für eine geringe Jugendarbeitslosigkeit ist jedoch duale Ausbildung. Aus diesem Grund haben auch Österreich und Deutschland - zwei Staaten mit dualer Ausbildung - die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der EU. Vieles, das in Österreich erfolgreich für eine verhältnismäßig niedrige Jugendarbeitslosigkeit sorgte, dient nun anderen Ländern als Vorbild.

So hat die EU nach österreichischem Beispiel und auf österreichische Initiative hin eine Jugendgarantie beschlossen. In jedem Mitgliedstaat sollen arbeitslose Jugendliche innerhalb von vier Monaten Arbeitslosigkeit einen neuen Job oder ein Weiterbildungsangebot erhalten. Sechs Milliarden Euro werden von der EU bereitgestellt.

Die Ausbildungsgarantie für Jugendliche bis 18 bedeutet: Wer keine betriebliche Lehrstelle findet, bekommt eine qualitativ hochwertige überbetriebliche Lehrausbildung.

Produktionsschulen bieten Förderung und Kompetenzentwicklung für Jugendliche in betriebsnahen Strukturen. Sie bilden damit eine Brücke zwischen Schule und Arbeitswelt und stellen ein alternatives Instrument zur Bekämpfung von Ausgrenzung und Benachteiligung Jugendlicher am Arbeitsmarkt dar. Die seit 2009 bestehende "Aktion Zukunft Jugend" soll sicherstellen, dass jeder Jugendliche unter 25 innerhalb von 6 Monaten einen neuen Job oder Weiterbildung erhält. Bis dato konnten im Rahmen der Aktion Zukunft Jugend 364.046 Jugendliche an einer Höherqualifizierung teilnehmen und 600.557 durch das AMS in Beschäftigung gebracht werden."

Richard Kühnel, Vertreter der Europäischen Kommission in Österreich fordert: "Die EU muss im Rahmen ihrer limitierten Kompetenzen im Sozialbereich alles tun, um der steigenden Jugendarbeitslosigkeit nachhaltig zu begegnen. Die Kommission macht das ihre und hat bereits eine Jugendgarantie und weitere konkrete Maßnahmen zur Jugendbeschäftigung vorgeschlagen. Jetzt liegt es vor allem an den verantwortlichen Mitgliedstaaten, diese Vorschläge auf europäischer Ebene zu unterstützen und daheim die notwendigen Reformen umzusetzen, um der Jugend wieder eine positive Perspektive zu eröffnen. Wir stehen hier vor der größten Bewährungsprobe für das europäische Sozialmodell."

Alberto Fernandez Carnero, S.E. Botschafter des Königreiches Spanien: "Die Situation der Arbeitslosigkeit in Spanien ist inakzeptabel. Um diese Situation umzukehren haben die Regierung und die Sozialpartner eine Reformstrategie gestartet. Im Zusammenhang mit der Konsolidierung des Haushalts sind die Arbeitsmarktreform und die Strategie für Jugendbeschäftigung und Unternehmensgründungen essenziell für eine nachhaltige Schaffung von Arbeitsplätzen in Spanien."

Johannes Voggenhuber, Sprecher des Bürgerforums Europa 2020: "Die Jugendarbeitslosigkeit ist eine der dramatischen Folgen der Krisen, von der Banken- und Finanzkrise über die Gefährdung der sozialen Marktwirtschaft bis hin zur tiefen Vertrauenskrise in die Europäische Union. Sie zeigt die Notwendigkeit auf gegen Massenarbeitslosigkeit, Armut und prekäre Arbeitsverhältnisse solidarisch vorzugehen und die Vision der politischen Einigung Europas gerade jetzt ganz neu ins Auge zu fassen. Dabei müssen wir uns die Errichtung einer europäischen Wirtschafts- und Sozialunion als eines unserer ersten Ziele setzen. Nationaler Egoismus oder undemokratische Rettungsstrategien werden Europa nicht aus der Krise führen und die Vertrauenskluft zu den Menschen nur weiter vertiefen.

Gerhild Lexl, Gründerin YouthJobsEurope stellt fest: "Nationale Politiker als auch jene Vertreter der Europäischen Union haben es durch verfehlte Politik geschafft, der europäischen Jugend die Perspektiven zu nehmen. Mehr als fünf Millionen Jugendliche finden in Europa keine Arbeit oder eine passende Ausbildungsstelle. In Griechenland und Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit jenseits der 50 % Marke. Und das Schlimme ist: Die Problematik ist bekannt. Gesprochen wird viel, unternommen wenig. Und so schlägt ein zwar grundsätzlich geeintes Europa einen mutlosen und perspektivlosen Weg ein. Ich kann dabei nicht länger zusehen und gründete aus diesem Grund den Verein YouthJobsEurope. Der Verein soll helfen das aktuelle Dilemma von hoher Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern und Fachkräfte und auch Lehrlingsmangel in anderen Ländern zu lindern. Wir wollen Jugendlichen aus der EU die Möglichkeit geben in anderen Ländern eine Lehre zu machen und sie darauf optimal vorbereiten. Die Lehre im Betrieb garantiert eine Ausbildung auf höchstem Niveau und orientiert sich am Bedarf der Wirtschaft. Wir bilden damit gemeinsam mit vorausschauenden Unternehmen die zukünftigen Fachkräfte aus, die die Basis für eine florierende Wirtschaft und den Erhalt des Industriestandortes Europa bieten. Ohne Fachkräfte keine Industrie, ohne Industrie keine Jobs und keine Ausbildungsplätze. Ein Teufelskreis den es zu durchbrechen gilt. Unser Beitrag zur Lösung mag klein wirken, aber er ist ein wichtiger erster Schritt. Wir suchen Firmen, Institutionen und Personen, die ähnlich denken und gemeinsam mit uns an einer Perspektive für die Jugend Europas arbeiten."

Über das Bürgerforum Europa 2020: Eine überparteiliche Plattform, die sich zum Ziel gesetzt hat die Bürgerinnen und Bürger über die aktuellen Entwicklungen in Europa zu informieren und sie gleichzeitig in den Nachdenkprozess einzubinden, wie wir alle gemeinsam Europa stärker machen können.

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