"kreuz und quer" am 24. September: "Der Fall Borgia"

Danach: Diskussion zum Thema "Macht und Moral - Wie Politik funktioniert"

Wien (OTS) - Inzest, sexuelle Ausschweifungen, Korruption und Brudermord - es gibt kaum ein Vergehen, das dem Borgia-Clan nicht nachgesagt wird. Allen voran Rodrigo Borgia, dem adligen Emporkömmling aus Spanien, dem es 1492 unter dubiosen Umständen gelingt, als Alexander VI. den Papstthron zu besteigen. Die Dokumentation "Der Fall Borgia" von Thomas Palzer und Su Turhan, die "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - am Dienstag, dem 24. September 2013, um 22.30 Uhr in ORF 2 zeigt, begibt sich auf Spurensuche und begegnet einer Persönlichkeit, die zwischen eiskaltem Kirchenpolitiker und sinnlichem Familienmensch oszilliert. Am 25. September startet um 20.15 Uhr in ORF 2 die zweite Staffel der internationalen und mit ORF-Beteiligung entstandenen Renaissanceserie "Borgia", in deren Mittelpunkt der kometenhafte Aufstieg von Cesare Borgia steht. Die weiteren Folgen des Sechsteilers zeigt ORF 2 am 27. September (22.45 Uhr) sowie am 1., 2., 3. und 7. Oktober (jeweils um 22.30 bzw. 22.35 Uhr).

In "kreuz und quer" folgt ab 23.15 Uhr im Vorfeld der Nationalratswahl - abseits aktueller Innen- und Parteipolitik - eine Grundsatzdiskussion über politische Kultur heute. Mit Michael Hofer diskutieren der Journalist und Historiker Peter Huemer, der Politikberater Thomas Hofer sowie die Philosophen Cornelia Klinger (Tübingen/Wien) und Henning Ottmann (München) zum Thema "Macht und Moral - Wie Politik funktioniert".

"Der Fall Borgia" - Ein Film von Thomas Palzer und Su Turhan

Papst Alexander VI. entpuppt sich bald als rücksichtsloser Despot, der nur seine eigenen Interessen verfolgt und vor nichts zurückschreckt, wenn es darum geht, seine Macht zu erhalten und auszubauen. Schnell wird er vom alteingesessenen Adel Italiens gehasst und seine Machenschaften verteufelt. Doch wer ist dieser Mann? Ein skrupelloser Aufsteiger? Der Kopf einer machtgierigen Mafia, der alles daransetzt, seine Familien in Italien zu installieren? Geistlicher oder Gesetzloser? Die Überlieferungen zeichnen ein diabolisches Bild von Alexander VI. alias Rodrigo Borgia. Aber was ist dran an diesen Gerüchten und wie sind sie zu bewerten?

Alexander VI. lebt in Rom weniger das Leben eines Papstes als das eines feudalen Renaissanceherrschers. Er hält sich mehrere Mätressen und zeugt mindestens sechs uneheliche Kinder, zu denen er sich unverhohlen bekennt und die er geschickt und bedenkenlos in seine politischen Machenschaften verstrickt. Seine Tochter Lucrezia zwingt er dreimal in die Ehe; die Wahl ihrer Männer erfolgt unübersehbar mit politischem Kalkül. Seine Söhne Juan und Cesare bekleidet der Kirchenfürst mit hohen Ämtern und Würden. Cesare ernennt er mit 18 Jahren zum Kardinal, Juan wird Oberbefehlshaber der päpstlichen Armee, militärische Misserfolge ändern daran nichts. Darüber hinaus deckt Alexander VI. die Straftaten seiner Kinder und sieht auch über eigene Fehltritte geflissentlich hinweg. Sein Ziel ist es, ein machtvolles, geheimbundähnliches Familienunternehmen zu installieren.

Trinkgelage und Sexorgien, Günstlingswirtschaft, Grausamkeiten - die Liste der Verfehlungen des Dieners Gottes sind lang. Zeitgenossen wie Girolamo Savonarola prangern Papst Alexander VI. infolgedessen immer wieder wegen seiner Sittenlosigkeit öffentlich an. Gleichzeitig dienen der Papst und sein Sohn Cesare dem Staatsphilosophen Niccolò Machiavelli als Vorbild für sein weltberühmtes Traktat "Il Principe" ("Der Fürst"). Bis heute polarisiert Papst Alexander VI., und zweifelhafte Überlieferungen erschweren ein klares Urteil über seine Person. Wer war er wirklich, dieser Papst? Was ist Mythos, was Wirklichkeit im "Fall Borgia"? Experten wie Helmut Markwort, Marina Münkler und Uwe Neumahr liefern umfassende Analysen über die Politik des Papstes und bringen Licht in eines der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte.

"kreuz und quer"-Diskussion zum Thema "Macht und Moral - Wie Politik funktioniert"

Wer im Staat herrscht, muss die Gesetze der Moral verletzen. Das schrieb der Florentiner Diplomat und Philosoph Niccolò Machiavelli vor genau 500 Jahren in seinem berühmten Werk "Der Fürst". Zu einer Zeit des Niedergangs, als die italienischen Fürstentümer und Republiken - zuvor Zentren der Künste und Kultur - durch die Eroberungspolitik anderer europäischer Staaten geplündert wurden, formulierte Machiavelli nüchtern: "Ein Mensch, der in allen Dingen nur das Gute tun will, muss unter so vielen, die das Schlechte tun, notwendig zugrunde gehen." Seine Schlussfolgerung: "Daher muss ein Fürst, der sich behaupten will, imstande sein, schlecht zu handeln, wenn die Notwendigkeit es erfordert." Bis heute sind Machiavellis Fragen brisant und aktuell: Ist Politik notwendig ein schmutziges Geschäft, wie heute manchmal behauptet wird? Ist Erfolg das einzige Kriterium für politisches Handeln und das Ziel, an der Macht zu bleiben? Wie haben wirtschaftliche Sachzwänge und die Macht der Medien die Spielregeln der politischen Inszenierung verändert? Woran soll sich Politik überhaupt orientieren?

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und steht als zeitnahe Servicewiederholung am Mittwoch im Hauptabend auf dem Programm von ORF III Kultur und Information.

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