WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Zeit der Show ist bald vorbei - von Günter Fritz

Die Österreicher haben klare Forderungen an die neue Regierung - sie erwarten Lösungen

Wien (OTS) - Wer die bisherige Wahlberichterstattung verfolgt hat, kann sich nur schwer des Eindrucks erwehren, dass die Spitzenkandidaten der Parteien nicht davor zurückschrecken, reichlich heiße Luft von sich zu geben. Ideologische Stehsätze, Platitüden und das permanente Wiederholen der immer gleichen altbekannten Botschaften gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie die zum Teil übersteigerte Selbstdarstellung. Für Letztere braucht es nicht einmal Fotos mit nacktem Oberkörper oder in der Badehose; in der Regel reichen da schon TV-Duelle oder "Wahlfahrten" im Retro-Mercedes. Vieles hat dabei Show-Charakter und möglicherweise sind die Spin-Doktoren der wahlwerbenden Fraktionen auch der Ansicht, dass Unterhaltungswert über Inhalt geht. Was auffällt und hängen bleibt, ist gut - zumindest für die eigenen Fans. Inhaltlich blieben sogenannte Konfrontationen - von vereinzelten Aufregern oder Angriffen abgesehen - überwiegend blass oder arteten gar in pseudoamikale Paarläufe aus. Wirklich starke und verbindliche inhaltliche Ansagen sind Mangelware.

Doch das ist nicht, was die Österreicher wollen: Sie haben vielmehr klare Vorstellungen, welche Änderungen sie sich von einer neuen Regierung erwarten, wie eine Gallup-Umfrage für das WirtschaftsBlatt zeigt (siehe S. 2). So treten 72 Prozent für eine Vermögensteuer ab einer Million Euro ein - ungeachtet des parteipolitischen Hickhacks, den es darum gibt. Überwiegende Mehrheiten gibt es auch für Bürokratieabbau, die Reform des Bildungswesens, aber auch für Erleichterungen zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer, das Schließen der Einkommensschere zwischen Männern und Frauen oder die Forcierung von Alternativenergien. Im Gegenzug lehnt die Mehrheit die Einführung einer Erbschaftssteuer und eines Zwölf-Stunden-Tages ab.

Ab Sonntagabend ist die Zeit der Show vorbei, dann heißt für die Parteien wieder arbeiten. Die Österreicher erwarten sich, dass die neue Regierung Lösungen für drängende Probleme findet - und nicht wie bisher diese mit Blick auf Partikularinteressen auf die lange Bank schiebt. Bei den wichtigen Dingen muss etwas weitergehen. Nichts anderes erwarten sich die Österreicher im Sinne des Landes und der Zukunft ihrer Kinder von einer neuen Koalition - wie immer die auch aussehen mag.

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