Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Die Mama hat's gerichtet"

Ausgabe vom 23. September 2013

Wien (OTS) - Angela Merkel hat die Wahl in Deutschland gewonnen, und zwar überzeugend gewonnen. Und mit ihr - in Union - die bayrische CSU beziehungsweise deren Chef Horst Seehofer, den Heribert Prantl in der "Süddeutschen Zeitung" als "vital, brutal, sentimental" beschrieb.

Die SPD und ihr Spitzenkandidat Peer Steinbrück konnten sich - trotz Zugewinnen - gegen die Stimmung in Deutschland ("Uns geht es doch gut") nie durchsetzen, selbstverschuldete Pannen im Wahlkampf gar nicht mitgerechnet.

"Wer Merkel will, muss FDP wählen" - die Selbstaufgabe der Freidemokraten wurde von den Wählern gnadenlos abgestraft, sie erlitt eine historische Niederlage. Die Grünen in Deutschland präsentierten sich eindeutig zu überheblich und moralinsauer (eine Warnung für die Schwesterpartei in Österreich?).

Der Achtungserfolg der "Alternative für Deutschland", die zur D-Mark zurückkehren möchte, ist zu einem guten Teil auf die desaströse FDP zurückzuführen. Das wirtschaftspolitische Konzept der AfD wäre für Deutschland desaströs, es besteht aber die Gefahr, dass hier eine dauerhafte rechtspopulistische Kraft entsteht.

Doch wie geht es nun weiter in Deutschland? Merkel bleibt Kanzlerin, das Votum der Deutschen konnte absoluter nicht sein. Doch mit wem würde die Union - wenn notwendig - koalieren? Es schaut alles nach einer großen Koalition aus, auch Schwarz-Grün würde sich ausgehen.

Doch es wird wohl etwas dauern, bis die neue Regierung in Berlin steht, denn in der SPD und bei den Grünen wird es wohl nach diesem Ergebnis wohl etliche Personaldebatten geben. Da es die FDP nicht mehr in den Bundestag schaffte - und danach schaute es bei Redaktionsschluss dieser Zeilen aus -, wird es eine große Koalition geben müssen. Das wäre vermutlich auch für Merkel die beste Möglichkeit. Denn die SPD könnte ihr in einer Koalition auch den "vital-brutal-sentimentalen" Seehofer vom Leib halten, der oftmals mit Forderungen kommt, die in der CSU-Schwesterpartei CDU nicht so gut aufgenommen werden. Und - siehe auch Wahlausgang in Hessen - wäre der SPD-dominierten Bundesrat, die zweite Kammer im deutschen Parlament, im Regierungsboot. Angesichts der notwendigen Reformen eine verlockende Aussicht. Auch für Europa wäre - das wurde an dieser Stelle bereits ausgeführt - eine große Koalition in Deutschland die beste Variante.

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