TIROLER TAGESZEITUNG; Leitartikel vom 18. September 2013 von Alois Vahrner - Wien und Niederösterreich regieren

Innsbruck (OTS) - Utl: Österreich ist ein föderalistisches Land, vielfach aber nur in der Theorie. Tatsächlich gibt es Ungleichgewichte und ein massives politisches Übergewicht durch Wien und Niederösterreich. Für den Westen und Süden gilt Alarmstufe Rot.

Vampirhafte Zentralisierung." So reagierte Tirols AK-Präsident Erwin Zangerl vor Monaten auf den Abzug der Tyrolean-Verwaltung aus Innsbruck nach Wien. Tyrolean hatte stets effizienter und kostengünstiger gearbeitet als die vor der Pleite gerettete und mit 500 Millionen Steuer-Mitgift der Lufthansa "verkaufte" AUA. Geholfen hat das den Tiroler Mitarbeitern aber gar nichts.
Zentralisiert ist in Österreich schon aus historischen Gründen (Erbe der Monarchie) vieles, und das ausschließlich in Wien. Deutschland hat die Zentralen seiner Bundesinstitutionen auf insgesamt 31 Städte und die Schweiz auf immerhin neun Standorte verteilt. In Österreich stimmt ein bekanntes Lied besonders gut: Wien, Wien, nur du allein! Der Föderalismus hierzulande ist gegenüber den gewiss nicht ineffizienter oder bürokratischer verwalteten Nachbarländern geradezu verkümmert. Und wenn über die Verwaltungsreform geredet wird, dann natürlich nur zu Lasten der Länder (was etwa bei den Bezirkshauptmannschaften viel an Bürgernähe und Service zunichtemachen würde) und nie zu Lasten der aufgeblähten Wiener Apparate. Es gibt keinen triftigen Grund, wieso nicht einige Bundesinstitutionen aus Wien in die Bundesländer verlegt werden können.
Dass die Bundeshauptstadt bei der Zuteilung öffentlicher Mittel auch noch bevorzugt wird, stellt den Ländern nicht nur ein schlechtes Zeugnis für ihre bisherige Verhandlungskunst aus, sondern ist gleichzeitig auch brandgefährlich. Zumal hier eine echte Sogwirkung in den nach der Ostöffnung ohnehin boomenden Großraum Wien ausgelöst wird. Gefährdet ist Westösterreich gleichermaßen wie auch Südösterreich. Tirol kann seit Langem ein Lied davon singen, wie es ist, im Verkehr vor allem die Belastungen hier zu haben, das Gros der Maut aber vor allem in der Ostregion verbaut wird.
Politisch, und das ist leider ein weiterer Befund, haben sich die meisten Bundesländer in den letzten Jahrzehnten nicht oder zu wenig durchsetzen können. Das gilt auch für Tirol. Und regiert und dominiert wird Österreich derzeit vor allem aus dem roten Wien, aber auch aus dem schwarzen Niederösterreich. Die starken Länderchefs Michael Häupl und Erwin Pröll dirigieren auch SPÖ und ÖVP und somit ganz Österreich - natürlich ganz in ihrem Sinne. Wenn Tirol jetzt mit Salzburg und Vorarlberg an einer Westachse bastelt, kann dies nur positiv sein. Muskeln können ja nur angespannt werden, wenn sie auch da sind.

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