ÖAMTC-Expertenforum "Ist Erdgas eine umweltfreundliche Alternative zu Benzin und Diesel?" (+ Fotos)

Biomethan, E-Gas, effizientere Antriebskonzepte - Wege zu CO2-neutraler Mobilität

Wien (OTS) - Erdgas ist eine marktfähige und sofort einsetzbare Technologie. CNG, Compressed Natural Gas, und LNG, Liquified Natural Gas, werden als alternative Kraftstoffe bereits eingesetzt. Doch wie nachhaltig ist der Fokus auf Erdgas?

"Einsparungen von bis zu 50 Prozent bei den Kraftstoffkosten sowie deutlich niedrigere Emissionen machen Erdgas derzeit zu einer alltagstauglichen Alternative. Voraussetzung für einen weiteren verstärkten Einsatz von Erdgas sind Versorgungssicherheit und Preisstabilität für Konsumenten und Unternehmer", erklärte ÖAMTC-Verbandsdirektor Oliver Schmerold beim heutigen Expertenforum, das der Club gemeinsam mit dem Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik der TU Wien (IFA) veranstaltete.

Ein weiterer Schwerpunkt liege auf der vermehrten Verwendung von E-Gas aus regenerativen Quellen sowie auf der Entwicklung effizienterer Antriebskonzepte, betonte Bernhard Geringer. Der IFA-Vorstand verwies auf das mit der TU entwickelte Konzeptfahrzeug CULT, das beim Expertenforum präsentiert wurde. Das Projekt erhielt in der Vorwoche den österreichischen Staatspreis Mobilität.

Ressourcensicherheit - Schiefergasförderung in den USA verändert Märkte

"Eine Verknappung fossiler Energieträger ist aus geologischer Sicht in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Lieferengpässe und Preissprünge aufgrund von Naturkatastrophen oder markttechnischer bzw. politischer Ursachen müssen aber einkalkuliert werden", erklärte Volker Steinbach von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover. Erdgas würde in diesem Zusammenhang zusehends an Bedeutung gewinnen. "Die Zunahme der Schiefergas- und Schieferölförderung der letzten Jahre in Nordamerika sowie die weltweiten Aktivitäten in diesem Bereich werden die Öl- und Gasmärkte kurz- und mittelfristig verändern", prognostizierte Steinbach. Nach einer ersten Abschätzung entsprechen die Schiefergasressourcen in Deutschland ungefähr dem zehnfachen der konventionellen Erdgasressourcen.

Österreich - Eigenproduktion garantiert Versorgung und Preisstabilität

In Österreich garantiert die Kombination aus hohen Erdgasspeicherkapazitäten und einer Eigenproduktion von ca. 20 Prozent des Verbrauchs eine krisenresistente Versorgung mit Erdgas. Außerdem haben sich die Preise für Erdgas in den vergangenen Jahren kaum verändert. Der Kostenvorteil gegenüber Diesel- und Benzin-Pkw hat sich gegenüber Anfang 2010 zu Gunsten von Erdgas entwickelt.

Für Walter Boltz, Vorstand der Energie-Control Austria, ist die Nutzung von Erdgas die einzige technisch umsetzbare Lösung, mit der der Verkehr zur Erreichung der Klimaziele beitragen kann. Beim Einsatz eines Erdgas-Pkw können die CO2-Emissionen gegenüber einem konventionell betriebenen Pkw um bis zu 20 Prozent reduziert werden. Außerdem können neben Biomethan auch Wasserstoff oder sogenanntes E-Gas aus regenerativen Quellen, wie zum Beispiel Windkraft, unbeschränkt in das allgemeine Erdgasnetz eingespeist werden.

Audi setzt auf CO2-neutrale Mobilität

Erdgas aus regenerativen Quellen möchte auch Audi nutzen. Mit seinem e-gas Projekt setzt der deutsche Fahrzeughersteller in einem ganzheitlichen Ansatz auf CO2-neutrale Mobilität - von der Fahrzeug-Herstellung über die -Nutzung bis hin zum -Recycling. Mit dem A3 g-tron kommt Ende des Jahres Audis erstes Erdgas-Serienfahrzeug auf den Markt. Doch Audi geht noch weiter: Der Hersteller setzt auf Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen und plant in Deutschland die Errichtung einer e-gas Anlage mit dem weltweit größten Methanisierungsreaktor. Dort wird mit überschüssigem Strom aus Windkraftanlagen mithilfe von CO2 Methan erzeugt, in das allgemeine Gasnetz eingespeist und dort gespeichert. Auf lange Sicht soll über diesen Kreislauf eine CO2-neutrale Mobilität ermöglicht werden.

Daimler kritisiert stagnierenden Ausbau des Erdgas-Tankstellennetzes

Auf die Vorteile des Erdgasantriebs setzt auch Mercedes-Benz. Klaus Wunderlich, Daimler AG, zeigte auf, dass bei einer konsequenten Motorauslegung in Richtung Erdgas eine deutlich erhöhte Fahrleistung und Fahrspaß im Einklang mit einer signifikanten CO2-Reduzierung stehen. Wunderlich kritisierte allerdings die fehlende Infrastruktur. "Dass Erdgasfahrzeuge trotz günstiger Betriebskosten und steigender Fahrzeugreichweiten ein Nischenprodukt sind, liegt am stagnierenden Ausbau eines europaweiten Erdgas-Tankstellennetzes. Ein 'Henne-Ei-Konflikt', der nur durch den Weitblick aller Beteiligten aus Politik und Wirtschaft mit entsprechenden Förderprogrammen, attraktiven Fahrzeugen und ausreichender Tankstellenverfügbarkeit aufgelöst werden kann", forderte Wunderlich.

Neuartiger Erdgasantrieb - Staatspreis Mobilität für Konzeptfahrzeug CULT

Welche Entwicklungen im technischen Bereich möglich sind, zeigten Peter Hofmann von der TU Wien und Franz Kampelmühler von Magna Steyr mit dem Konzeptfahrzeug CULT (Cars Ultralight Technologies). Die beiden arbeiten im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Entwicklung eines Fahrzeugs mit einer CO2-Emission von 49 gCO2/km, das darüber hinaus leistbar, baubar und verkaufbar sein muss. Das Projekt wurde vergangene Woche mit dem österreichischen Staatspreis Mobilität ausgezeichnet.

"Mit Leichtbau und einem neuartigen Erdgasantrieb konnte bereits im ersten Entwicklungsstadium des CULT-Fahrzeuges der CO2-Ausstoß im Vergleich zur Basis-Benzinmotorvariante um über 30 Prozent abgesenkt werden. Damit stellt dieses Konzept eine Alternative zu E-Fahrzeugen dar und bietet bei Verwendung von regenerativ erzeugtem Methan die Option zu CO2-neutraler Mobilität", blicken die beiden Entwickler am Ende des ÖAMTC-Expertenforums in die Zukunft.

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