TIROLER TAGESZEITUNG; Leitartikel: "Seehofer feiert, Merkel zittert", von Christian Jentsch

Ausgabe vom 16. September 2013

Innsbruck (OTS) - Mit seinem Wahltriumph in Bayern sichert sich Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer eine Woche vor der Bundestagswahl mehr Einfluss in Berlin. Die FDP hofft nach Schlappe auf fremde Hilfe.

Die CSU hat nach der Wahlschlappe von 2008 Bayern wieder fest in der Hand. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer hat sich mit der Rückeroberung der absoluten Mehrheit im Landtag zum "König von Bayern" gekrönt. Und eine Woche vor der Bundestagswahl auch gegenüber Berlin Stärke demonstriert. Der bayerische Löwe brüllt wieder. Und er wird das nicht nur in seiner Heimat tun. Einerseits kann Kanzlerin Angela Merkel eine starke CSU in Bayern für den Erfolg bei den Bundestagswahlen gut brauchen. Im Süden scheinen böse Überraschungen also ausgeschlossen. Horst Seehofer erinnert an die Zeiten von Partei-Ikone Franz Josef Strauss. Doch trotz des CSU-Triumphs in Bayern bleibt der Jubel bei der Schwesterpartei CDU und Kanzlerin Merkel verhalten.
Zu forsch ist Bayerns Sonnenkönig Seehofer zuletzt gegenüber der Regierung in Berlin aufgetreten. Auch am Wahlabend ließ er nicht locker und wiederholte seine Forderung nach einer Pkw-Maut für Ausländer. Bayerns Ministerpräsident machte bereits vor der Wahl die Einführung der rechtlich wohl nicht durchführbaren Maut für Ausländer zum Casus Belli. Sollte seine Forderung nicht umgesetzt werden, werde er sich nicht an einer neuen Regierung beteiligen, polterte er. Merkel, die eine Pkw-Maut für Ausländer unter ihrer Kanzlerschaft nach anfänglichem Zögern ausgeschlossen hatte, machte in der Folge gute Miene zum bösen Spiel und versuchte das Streitthema möglichst herunterzuspielen. Doch eines ist klar: Mit der Absoluten im Rücken wird Seehofer künftig wohl noch mehr Einfluss in Berlin fordern und noch lautere Töne anstimmen. Aber nicht nur Seehofer macht Merkel Sorgen. Ihr Wunschkoalitionspartner FDP schwächelt. In Bayern flogen die Liberalen aus dem Landtag. Nun wollen sie im Endspurt des Bundestagswahlkampfes versuchen, die Katastrophe noch einmal abzuwenden. Man angelt im Wählerteich der CDU und hofft auf taktische Zweitstimmen. Mit dieser Taktik konnte man bereits bei der Landtagswahl in Niedersachsen punkten. Zu Lasten der CDU. Auf der anderen Seite kommt die Opposition weiterhin nicht so richtig in Fahrt. Trotz leichter Zugewinne konnte die bayerische SPD mit Spitzenkandidat Christian Ude den Sozialdemokraten in Berlin keinen Rückenwind verschaffen. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hofft weiter auf ein Wunder. Auch weil die Grünen, mit denen er eine Koalition eingehen will, im Endspurt Federn lassen.

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