Landmedizin: Die ärztliche Versorgung sichern! (1)

Wien (OTS) - Die medizinische Versorgung auf dem Land steht vor gröberen Problemen. Immer weniger Bewerber sind bereit, eine Landarztstelle zu übernehmen. Die Politik hat das Problem zwar erkannt, eine Lösung steht allerdings aus. Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) fordert nun im Vorfeld der Wahlen von den kandidierenden Parteien und der neuen Regierung verbindliche Zusagen und eine aktive Politik zur Förderung der Landmedizin.

"Wenn die Politik nicht gemeinsam mit den Sozialversicherungen konkrete Maßnahmen einleitet, dann nimmt sie bewusst Verschlechterungen der medizinischen Versorgung für die Landbevölkerung in Kauf", sagte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Es bleibe zu hoffen, dass in der kommenden Legislaturperiode rasch Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Landärztinnen und -ärzten einsetzen, damit sich auch in Zukunft Jungmediziner für diesen Beruf entscheiden. Das bedeute vor allem: leistungsgerechte Vergütungssysteme, flexible Arbeitszeitmodelle, geregelte und zumutbare Bereitschaftsdienste am Wochenende und in der Nacht, liberale Formen der ärztlichen Zusammenarbeit, Kinderbetreuung, Unterstützung bei der Organisation von Ordinations- und Wohnraum, Sicherstellung bestehender und Einrichtung neuer Hausapotheken, weniger Bürokratie und ungestörte ärztliche Therapiefreiheit. Die Gesundheitsreform habe sich auch eine Entlastung der Spitäler und eine Stärkung der Primärversorgung durch Hausärzte zum Ziel gesetzt, so Wechselberger. Das erfordere einen Ausbau der zeitlichen Verfügbarkeit und des medizinischen Angebots der Landarztpraxen, was einen Mehraufwand für die Ordinationen und zusätzlichen Finanzierungbedarf der Krankenkassen bringen werde, betonte der Ärztepräsident. Als Nagelprobe einer konstruktiven Versorgungsreform in der Primärversorgung werde sich auch die Novelle der Ausbildung der Allgemeinmediziner erweisen. Nur eine verbesserte Turnusausbildung in den Krankenhäusern kombiniert mit einer verpflichtenden Lehrpraxistätigkeit in Ordinationen erfahrener Allgemeinmediziner könnte die fachlichen Grundlagen bringen, die gerade in Landarztpraxen gebraucht würden.

Viele Probleme der Landmedizin könnten auch durch eine konsequente Umsetzung des Haus- und Vertrauensarzt-Modells der ÖÄK gelöst werden, ergänzte der Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin, Gert Wiegele, der selbst Landarzt in Kärnten ist. Bis zum heutigen Tag sei nichts geschehen - sehe man von wortreichen Beteuerungen zur Stärkung der Rolle des Haus- und Vertrauensarztes in Regierungsprogrammen und Stellungnahmen ab. (Forts.)(ms)

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