WKÖ-Gleitsmann: Ausweitung der Beschäftigung durch Lohnnebenkostensenkung fördern

AMS-Zahlen zeigen: Österreicher wollen mehr, nicht weniger Teilzeit

Wien (OTS/PWK618) - "Wer Teilzeit- mit Vollzeitlöhnen pauschal vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen", weist Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung für Sozialpolitik der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Aussagen zurück, wonach die Wirtschaft Teilzeitbeschäftigte unfair behandle. Der Unterschied im Stundenlohn liege daran, dass einfachere Tätigkeiten sehr oft in Teilzeit erbracht werden, während Spitzen- und Führungskräfte in Wirtschaft, Politik, Sport, Forschung, etc. fast immer Vollzeit arbeiten.

"Österreicherinnen und Österreicher wünschen sich mehr, nicht weniger Teilzeit", verweist Gleitsmann auf aktuelle Arbeitsmarktzahlen: Das AMS zählte im Juni 2013 zehnmal so viele Arbeitslose mit Teilzeitwunsch wie offene Teilzeitstellen - bei Vollzeit ist das Verhältnis geringer. Zudem bestätigen alle Umfragen, dass nur ein geringer Anteil der Teilzeitbeschäftigten länger arbeiten will, also unfreiwillig Teilzeit arbeitet. Denn Teilzeit verbindet die Familien- und Freizeitinteressen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit den Flexibilitätsinteressen der Unternehmen.

Begünstigungen für Teilzeitbeschäftigte
Die starke Nachfrage liegt auch daran, dass das Sozial- und Steuersystem Teilzeit für Mitarbeiter besonders attraktiv macht: Sie zahlen mehrheitlich keine Lohnsteuer und keinen Arbeitslosenversicherungsbeitrag, sind aber voll arbeitslosenversichert. Geringfügig Beschäftigte zahlen gar keine Sozialabgaben, sind aber meist anderweitig versichert. Viele staatliche Leistungen (Arbeitslosengeld, vorzeitige Pension, etc.) erlauben daneben nur eine geringfügige Beschäftigung. Altersteilzeit wird massiv aus Beitrags- und Steuermitteln subventioniert. Zudem haben Teilzeitbeschäftigte in Österreich Anspruch auf einen Zuschlag von 25% für Mehrarbeit, den es im Rest Europas nicht gibt. Auch die Kollektivverträge behandeln Teilzeitbeschäftigte gut: Teilzeiten werden bei der Einstufung wie Vollzeiten angerechnet, Karenzzeiten werden zumindest teilweise angerechnet, obwohl es sich nicht um berufliche Praxiszeiten handelt.

Die Ausweitung der Beschäftigung lohnt sich für Teilzeitkräfte in vielen Fällen nicht, weil bei Vollzeitbeschäftigten Steuern und Lohnnebenkosten voll zuschlagen, gleichzeitig aber Sozialleistungen entfallen.

Gleitsmann: "Anstatt die Wirtschaft durch neue Hürden und Belastungen an der Schaffung von Arbeitsplätzen zu hindern, sollte sich die Politik überlegen, wie Vollzeitbeschäftigung für Arbeitnehmer und Unternehmen günstiger und attraktiver wird, etwa durch eine Lohnnebenkostensenkung und den Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen. Auch sollte man überlegen, der Geringfügigkeitsgrenze die Schärfe zu nehmen, um eine vollversicherte Beschäftigung zu erleichtern. Die tägliche Geringfügigkeitsgrenze sollte überhaupt entfallen." (PM)

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