2000 Euro Verlust pro Kopf durch nicht bezahlte Überstunden - klares AK-Nein zur Arbeitszeitverlängerung

Linz (OTS) - Wegen nicht bezahlter Überstunden sind den Beschäftigten allein 2012 im Schnitt etwa 2000 Euro entgangen. Eine Verlängerung der Höchstarbeitszeiten pro Tag auf mehr als zehn Stunden würde die Arbeitnehmer/-innen wegen wegfallender Überstundenzuschläge weitere hohe Beträge an Lohn oder Gehalt bzw. Zeitguthaben kosten und überdies ihre Gesundheit gefährden. Auch die schon jetzt extrem hohe Arbeitslosigkeit würde dadurch weiter verschärft. AK-Präsident Kalliauer erteilt daher allen Forderungen nach einer Arbeitszeitverlängerung, die als "Flexibilisierung" getarnt werden, eine klare Absage und fordert eine Überstundenabgabe von einem Euro pro Stunde.

Arbeitstage von mehr als zehn Stunden sind schon jetzt für etwa ein Drittel der Vollzeit-Arbeitnehmer/-innen Realität. Mehr als ein Viertel (fast 27 Prozent) der Vollzeitbeschäftigten muss sogar jede Woche mindestens an einem Tag länger als zehn Stunden arbeiten. Männer sind stärker betroffen, rund 30 Prozent haben häufig lange Arbeitstage. Bei den Frauen ist es jede Fünfte.

Etwa ein Viertel (23 Prozent) der Überstunden bzw. Mehrarbeit blieb 2012 zur Gänze unbezahlt (weder Geld noch Zeitausgleich). Der prozentuelle Anteil der unbezahlten Überstunden bei den Männern beträgt etwas mehr als ein Fünftel, bei den Frauen knapp 30 Prozent. Den Arbeitnehmern/-innen entgingen dadurch im Jahr 2012 insgesamt 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro, (Oberösterreich: 220 bis 260 Millionen Euro). Pro Überstundenleistender/Pro Überstundenleistendem in Österreich entspricht das einem Lohnentgang von 1900 bis 2250 Euro im Jahr! Würden allein die nicht bezahlten Überstunden in reguläre Arbeitsplätze umgewandelt, könnten (bei einer 38,5 Stundenwoche) rund 35.000 Arbeitsplätze entstehen, darunter 5400 in Oberösterreich.

Dass Österreich bei Flexibilität und Dauer der Arbeitszeit international nicht mithalten kann, widerspricht den Fakten. Denn Österreichs Vollzeitbeschäftigte arbeiten mit 40,1 Stunden pro Woche am viertlängsten im Euroraum. Das liegt eine halbe Stunde über dem EU-Durchschnitt und etwa eine Stunde über dem Durchschnitt des Euroraums. Bei den Sonderformen der Arbeitszeit wie Wochenend-, Schicht-, Abend- und Nachtarbeit liegt Österreich im Mittelfeld der EU.

Der Österreichische Arbeitsklima Index zeigt: Die Arbeitnehmer/-innen möchten im Schnitt mit 35,2 Wochenstunden inklusive Überstunden deutlich kürzer arbeiten. Tatsächlich ist die durchschnittliche Arbeitszeit aber um 1,6 Stunden länger. Vollzeitbeschäftigte möchten die Arbeitszeit deutlich reduzieren, Teilzeitbeschäftigte im Schnitt um eine Stunde länger arbeiten. Die Wunscharbeitszeiten variieren von rund 33 bis 34 Stunden in den eher frauendominierten Branchen Unterricht, Gesundheit und Handel, gefolgt von der öffentlichen Verwaltung mit 36 Stunden bis zu rund 37 bis 38,5 Stunden in den eher männerdominierten Branchen Verkehr, Produktion und Bau. In allen Branchen ist der Veränderungswunsch deutlich.

"Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen brauchen ein menschliches Maß", sagt der AK-Präsident. "Wir fordern eine korrekte Abgeltung und den Abbau der Überstunden sowie eine Überstunden- und Mehrarbeitsabgabe für Unternehmen von einem Euro pro Stunde." Zudem sollten Pauschallohn-Vereinbarungen ("All-In") eingeschränkt und ein Bonus-Malus-System mit Strafen für krankmachende Arbeitsbedingungen eingeführt werden.

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