OÖNachrichten-Leitartikel: "Lei-lei und das schreckliche Ende", von Gerald Mandlbauer

Ausgabe vom 5. September 2013

Linz (OTS) - Geahnt hatten wir ohnehin, dass es exorbitant teuer werden wird. Nur sind die wahren Relationen, die diese Woche von Brüssel quasi beglaubigt worden sind, noch immer einer Mehrheit der Österreicher wohl nicht bewusst. Die beschönigend "Abwicklung" genannte Reste-Verwertung einer ursprünglich sehr kleinen, daraufhin jedoch größenwahnsinnig gewordenen Landes-Hypothekenanstalt in einem ebenso kleinen Bundesland, das sich für Höheres ausersehen hatte, wird jeden Österreicher mehr kosten als Konsumpleite, Bawag-Spekulationen und Verstaatlichtenkrise zusammen. Wir reden vom größten Finanzskandal der Zweiten Republik, der Pleite der Hypo-Kärnten.
Die Abfolge muss jedem Bürger die Zornesröte ins Gesicht treiben. Vereinfacht dargestellt, ist es so gewesen: Eine manische politische Clique sieht sich selbst und ihr Land für Größeres ausersehen und macht die Hypo zum finanziellen Dreh- und Angelpunkt dieser Vision. Sie versieht die Hypo für ihre wildgewordene Expansion mit einer Haftung des Landes und darf im Gegenzug auf die Bank vertrauen beim Versuch, sich dreist die Gunst der Wähler zu erkaufen.
Auf diese Weise sind die Probleme der Bank zu solchen Kärntens und letztendlich der Republik geworden. Ausgang offen, Bürger zahlt. Im Schnitt aus heutiger Sicht pro Österreicher rund 1300 Euro. Wir sagen lei-lei und nehmen zur Kenntnis, was in der Finanzwelt mit Hebeln und ein paar wildgewordenen Bankern und Politikern alles anzurichten ist. Jörg Haider, der Mastermind dieser Konstruktion, die uns alle laut heutigem Stand im schlimmsten Falle mehr als elf Milliarden Euro kosten kann, kann nicht mehr dafür geradestehen. Dass es mehr als elf Milliarden werden könnten, ist angesichts der wahlkampfbedingten Beschönigung sogar zu erwarten. Haiders ehemalige Hofschranzen aus dem Dunstkreis von FPÖ und BZÖ, die Buchers und Petzners und Konsorten, denen dieser Skandal ursächlich zuzurechnen ist, ziehen die Köpfe ein. Nicht zu vergessen, dass die Haftung Kärntens im Landtag einstimmig, also mit Unterstützung von VP und SPÖ erfolgt ist. Es ist damit höchste Zeit, diesen teuersten Finanzskandal der Zweiten Republik politisch aufzuarbeiten. Mit einer Wendewahl in Kärnten alleine kann es nicht getan sein, Verantwortung geht weit darüber hinaus.

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