FPÖ-Jannach: AGES-"Geheimpapier" warnt vor Salmonellen in BIO-Ware

Wo bleiben die hoheitlichen Sonderkontrollen?

Wien (OTS) - Ein nicht öffentliches Schreiben an den Futtermittel-Großhandel BIO-Mischfutterwerke des Bundesamtes für Ernährungssicherheit (BAES) und der AGES offenbart die mittlerweile dramatische Situation im "Soja-Geschäft" in Österreich. In Österreich werden bekanntlich um die 600.000 Tonnen Soja- bzw. Sojaprodukte importiert und davon sind über 90 Prozent kennzeichnungspflichtiger GVO-Soja.

Bereits 2010 bestätigte die AGES einen Salmonellen-Ausbruch aufgrund von verunreinigtem Soja-Schrot und fordert in einem Bericht aus dem Jahr 2011 von Dr. Adler (AGES-Linz) unter anderem eine "Kontrolle zum Schutz von Verbrauchern" sowie ein "Monitoring mit einer hohen Zahl an Teilproben zur Qualitätssicherung". Dr. Adler verwies bereits 2011 darauf, dass Stichprobenverfahren allein das Salmonellenproblem nicht lösen können.

"Im heurigen Jahr gab es schon vermehrt Hinweise, dass die Salmonellenproblematik wieder akut geworden ist", verweist der freiheitliche Agrarsprecher NAbg. Harald Jannach auf Hintergrundinformationen aus der Futtermittel- aber auch der Kontrollbranche.

"Mit dem sehr deutlichen Schreiben des BAES an den Futtermittel-Großhandel liegt der eindeutige Beweis vor, dass Österreich zumindest im Bio-Soja- und Bio-Sonnenblumenhandel ein massives Problem mit Salmonellen hat", analysiert Jannach den Brief des Bundesamtes für Ernährungssicherheit.

Die Kontaminationen mit Salmonellen ließen sich laut BAES "nicht auf einzige Ölmühlen bzw. Lieferanten/Zwischenhändler einschränken". Laut BAES handelt es sich hier um ein "umfangreiches hygienisches Problem".

Keine wirkliche Warnung an die Bauern und die Konsumenten

"Gerade vor diesem Hintergrund erscheint es äußerst merkwürdig, dass die Bauern aber auch die Öffentlichkeit über diese Salmonellen-Problematik bis heute nicht informiert wurde", fordert Jannach Aufklärung über das tatsächliche Ausmaß dieses Futtermittelskandals. "Hier geht es auch um die Gesundheit der Konsumenten", so Jannach, der eine umfangreiche parlamentarische Anfrage sowohl an Landwirtschaftsminister Berlakovich als auch Gesundheitsminister Stöger gerichtet hat.

Problematisch erscheint die Situation für die Landwirte, die Soja oder fertige Soja-Futtermittelmischungen einsetzen und plötzlich eine Salmonellen-Erkrankung in ihrem Tierbestand feststellen ohne zu ahnen, dass die Erkrankung auf verunreinigte Futtermittel zurückzuführen ist. "Da von den Landwirten in den meisten Fällen keine Proben der Futtermittel aufbewahrt werden bzw. ohne technischen Aufwand gar nicht fachgerecht gezogen und aufbewahrt werden können, bleiben die Landwirte auf dem Schaden sitzen, obwohl sie vielfach gar nicht die Verursacher sind", so Jannach. Im schlimmsten Fall ist der Bestand zu keulen und die Öffentlichkeit gibt dem Landwirt die Schuld nicht gemäß den Hygienekriterien zu wirtschaften.

Landwirte sollten angehalten werden, Futtermittelproben sicherzustellen, um im Falle einer Salmonellenerkrankung auch die verwendeten Futtermittel nachträglich untersuchen zu können", empfiehlt Jannach Bauern diese "Selbstschutzmaße", um nicht auf dem Schaden sitzen zu bleiben.

In diesem nicht öffentlichen Schreiben des Bundesamtes für Ernährungssicherheit (BAES) von DI Leopold Girsch vom 18. Juni 2013 wird an den Futtermittel-Großhandel, BIO-Mischfutterwerke festgehalten:

"Hiermit möchten wir Sie informieren, dass in den letzen Wochen in Sojakuchen und Sonnenblumenkuchen aber auch in getoasteter Sojabohne gehäuft Salmonellen nachgewiesen wurden. Die Kontaminationen betreffen zwar hauptsächlich BIO-Ware aus Italien, lassen sich jedoch nicht auf eine einzige Ölmühle bzw. Lieferanten/Zwischenhändler einschränken. Da es sich hier um ein umfangreicheres hygienisches Problem gemäß der vorliegenden Datenlage handelt, sind bis auf weiteres folgende Maßnahmen für den Großhandel und für Bio-Mischfutterwerke dringend zu empfehlen:
Mit Verweis auf die Eigenkontrollverpflichtung der Betriebsinhaber (§ 18, Absatz 4, FMG 1999) sollten bis auf weiters verstärkte Untersuchungen vorgenommen werden. Dazu raten wir dringend an, dass jede künftige Lieferung mit BIO-Sojakuchen, BIO-Sojabohne getoastet und BIO-Sonnenblumenkuchen erst NACH Vorliegen eines negativen Analyseergebnisses einer mikrobiologischen Untersuchung auf Salmonellen (10-fach Ansatz!) oder erst nach einem erfolgreichen Dekontaminationsprozess mit darauffolgender Untersuchung in Verkehr gebracht bzw. verarbeitet wird. Untersuchungsberichte sind für jede Lieferung/Charge vorzulegen bzw. bereitzuhalten. Der Dekontaminierungserfolg einer Charge sollte durch ein negatives Analysenergebnis belegt werden können."
Für den Direktor - DI Leopold Girsch

Verantwortliche Ministerien schweigen - Probenziehung bei Abladung nötig

"Das bisherige Schweigen von Landwirtschaftsminister und Gesundheitsminister in dieser brisanten Angelegenheit deutet daraufhin, dass Österreich in diesem Bereich ein massives Problem hat", fordert Jannach sowohl von Minister Berlakovich als auch von Minister Stöger umfassende Aufklärung mittels parlamentarischer Anfragen ein. Zudem wären hoheitliche Sonderkontrollen ob der offensichtlich den Behörden bekannten Dauerverdachtslage dringend nötig.

Zudem müsste laut dem freiheitlichen Agrarsprecher die Gesetzeslage derart novelliert werden, dass die Futtermittelhersteller lose angelieferte Futtermittel - egal ob konventionell, GVO-frei oder Bio - die Probenziehungen (A-Probe, B-Probe) direkt während des Abladevorgangs vornehmen. Denn den vorab von den Futtermittelherstellern und -händlern direkt in den Werken gezogenen Proben ist nicht wirklich zu trauen.
Bekanntlich gibt es bezüglich Futtermittel nur eine "Sicherheitsformel": Futtermittelsicherheit = Tierschutz = Bauernschutz = Konsumentenschutz

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