WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eine Chance für die G20 - von Beatrice Bösiger

Entschlossene Haltung zu Syrien könnte den G20 mehr Legitimität verleihen

Wien (OTS) - Seit dem Giftgaseinsatz bei Damaskus, der dem syrischen Regime angelastet wird und der rund 1000 Menschen das Leben gekostet hat, hat sich das Thema Syrien mit großer Vehemenz erneut ganz oben auf der internationalen Agenda festgesetzt. Nun hat der amerikanische Präsident Barack Obama durch seine abwartende Haltung, erst die Zustimmung des Kongresses für einen Militärschlag suchen zu wollen, die Chance auf eine rasche Entscheidung vertagt. Dieser Eindruck hat sich auch an den Finanzmärkten durchgesetzt: Nachdem der Preis für ein Barrel Öl in Erwartung eines Militärschlags von 107 US-$ Mitte Juli bis Ende vergangener Woche auf 116 US-$ gestiegen ist, sind die Preise gestern wieder etwas gesunken.

Der Bürgerkrieg in Syrien ist wahrlich kein Ruhmesblatt der internationalen Diplomatie und in den vergangenen zweieinhalb Jahren hätte es bereits mehrere Gelegenheiten für politische und militärische Interventionen gegeben. Die Zahl der Toten des Bürgerkriegs wird auf 100.000 Personen geschätzt. Wirtschaftlich liegt das Land am Boden, auch wenn der Schaden im Moment kaum beziffert werden kann. Schätzungen gehen davon aus, dass in der Wirtschaftsmetropole Aleppo etwa 75 Prozent der Betriebe stillstehen. Dazu kommt der Braindrain durch die vielen Flüchtlinge, die das Land verlassen.

Zumindest ist Syrien nun ein Thema beim G20-Gipfels, der diese Woche in St. Petersburg stattfindet. Noch vergangene Woche betrachtete die russische Seite Syrien mehr oder weniger als G20-Randthema. Davon dürften aus heutiger Sicht zwei Seiten wohl am ehesten profitieren:
Da ist einerseits Wladimir Putin, dessen Position international wieder mehr Gewicht erhält. Vor wenigen Wochen hat Obama noch ein Treffen mit dem russischen Präsidenten in Moskau abgesagt; nun mehren sich Stimmen, die ein Treffen zwischen den beiden in St. Petersburg für möglich halten. Dann ist da auch noch die G20 selbst, die zwar nicht über die gleichen Grundlagen wie die Uno verfügt, deren Legitimität aber durch eine entschlossene Haltung ihrer Mitglieder zu Syrien steigen könnte. Zögert die internationale Gemeinschaft zu lange, könnte dies aber dazu führen, dass die Seite wieder nicht profitiert, um die es letztlich geht: die syrische Zivilbevölkerung.

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