TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Gefährliches Spiel", von Mario Zenhäusern, Ausgabe vom 1. September 2013

Faymann darf der ÖVP nicht zu sehr zusetzen und Spindelegger muss seine Ministerriege von weiteren Fettnäpfchen fernhalten.

Innsbruck (OTS) - SPÖ und ÖVP müssen, wollen sie auch in Zukunft regieren, die gegenseitigen Angriffe dosieren. Sonst ist die Mehrheit futsch.

Der Wahlkampf kommt auf Touren. Die Angriffe werden heftiger, die Untergriffe subtiler. Das ist für die Oppositionsparteien ganz normal. Gerade die so genannten Kleinen haben keine andere Wahl, als mit pointierten Aussagen auf sich aufmerksam zu machen, wollen sie am Wahltag nicht zu den Verlierern zählen.
Für die beiden Regierungsparteien SPÖ und ÖVP indes birgt die Wahlschlacht eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Beide sind fest entschlossen, die Koalition fortführen zu wollen. Während Werner Faymann das auch schon mehrfach öffentlich erklärt hat, ziert sich Michael Spindelegger noch ein wenig. Zumindest öffentlich. Ganz im Sinne dieser gemeinsamen Zukunft verlief denn auch die erste TV-Konfrontation zwischen den beiden - ganz im Gegensatz zu den anderen beiden Duellen - in geradezu amikalem Ton: Nur ja dem anderen nicht wehtun!
Trotzdem lassen natürlich auch die Koalitionspartner nichts unversucht, den jeweils anderen schlecht ausschauen zu lassen. Das passiert allerdings ganz offensichtlich mit angezogener Handbremse, denn beide wissen, dass ihre Mehrheit eine knappe ist. Derzeit schaffen SPÖ und ÖVP die 50-Prozent-Hürde zwar noch, aber mit jedem Angriff vor allem auf die schwächelnde Spindelegger-Truppe schwindet die Regierungsmehrheit.
Werner Faymann hat mehrfach öffentlich erklärt, nichts von einer Dreierkoalition zu halten. Das bringt ihn in eine heikle Situation. Er muss sich zwar klar von der ÖVP abgrenzen, darf ihr aber nicht zu sehr zusetzen, weil sonst die Mehrheit futsch ist. ÖVP-Chef Spindelegger hat indes ganz andere Sorgen: Er muss versuchen, seine Ministerriege davon abzuhalten, von einem Fettnäpfchen ins andere zu taumeln. Sonst nützt am Ende die ganze Zurückhaltung der SPÖ nichts.

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