Aufbautrainings der Fahrschulen für Motorrad-Wiedereinsteiger erhöhen Fahrkompetenz und verhindern Unfälle

WKÖ: Weiterbildung der Lenker ist wichtige Säule der Verkehrssicherheit - mehr als die Hälfte der Unfalltoten zählt zur Altersgruppe 45plus

Wien (OTS/PWK599) - Die Zahl der Motorradunfälle in Österreich hat bereits in diesem Monat das Niveau des gesamten Vorjahres überschritten. Mehr als die Hälfte der heuer getöteten Motorradfahrer fällt in die Altersgruppe 45plus, der Großteil dieser Unfalllenker hat seine Motorradausbildung in den 70er- oder 80er-Jahren absolviert.

Neben dem schönen Wetter und der insgesamt höheren Zahl an Motorradfahrern - die Verkaufszahlen von Leichtmotorrädern (bis 25 kW) erhöhten sich im zweiten Halbjahr 2012 um mehr als ein Viertel und steigen heuer weiter, mit 25.000 Lenkerberechtigungen wurden 2012 fast um die Hälfte mehr A-Scheckkartenführerscheine ausgegeben als im Jahr zuvor - ist die Unfallhäufigkeit auch auf diese ungeübten Wiedereinsteiger zurückzuführen, sagt Herbert Wiedermann, Obmann der Fahrschulen und des Allgemeinen Verkehrs in der WKÖ.

Motorradfahrer, die bereits einen A-Führerschein besitzen und nach mehrjähriger Pause wieder einsteigen, sollten ihre Kenntnisse vor der ersten Ausfahrt mit dem Bike in einer Fahrschule auffrischen, rät Wiedermann zum Besuch eines freiwilligen mehrstündigen Aufbauprogramms in einer Fahrschule: "Eine neuerliche Schulung verbessert das individuelle Fahrkönnen, bringt neue technische Kenntnisse über das Motorrad und optimiert das Verkehrsverhalten insbesondere in Gefahrensituationen auf anspruchsvolleren Straßenabschnitten. Nur wenn ein ausreichendes Sicherheitsgefühl vorhanden ist, kann ein Biker auch den optimalen Fahrspaß genießen. Die Ausgaben für die Schulung zahlen sich aus, denn sie schützen Leben".

Eigeninitiative der Wiedereinsteiger gefragt
Die wiederholte Weiterbildung der Lenker ist eine der wichtigsten Säulen der Verkehrssicherheit. Schulung und Weiterbildung bzw der wiederkehrende Besuch einer Fahrschule sollten nicht nur für Berufslenker, sondern zunehmend auch für private Verkehrsteilnehmer Usus werden, so Wiedermann.
Seit 1. Jänner 2003 - mit der Einführung der Mehrphasenausbildung -müssen Motorradfahrer mehrere Monate nach der Erteilung der Lenkberechtigung ein spezielles Fahrsicherheitstraining einschließlich eines verkehrspsychologischen Gruppengesprächs absolvieren. Seit 19. Jänner 2013 müssen A-Führerschein-Neulinge nach der praktischen Fahrprüfung zusätzlich ein Gefahrenwahrnehmungstraining und eine Perfektionsfahrt in einer Fahrschule spätestens nach 14 Monaten absolvieren. "Umso ratsamer ist es daher, wenn sich Motorrad-Wiedereinsteiger mittleren oder älteren Alters, denen lediglich eine Grundfahrzeugbedienung bei der Führerscheinausbildung vermittelt wurde, auf eigene Initiative an eine Fahrschule wenden und Feedback-Fahrten mit einem fachkundigen Ausbilder absolvieren, um so ihr Wissen über Kurvenfahren, Blicktechnik, Sitzposition, Bremsverhalten oder Bekleidung auf den neuesten Stand zu bringen", regt Wiedermann an. Die Fahrschulen richten die Aufbautrainings auf den individuellen Bedarf des Wiedereinsteigers aus.

Höhere Verkaufszahlen - weniger Ausbildungen
Im Herbst 2012 verzeichnete die Motorradausbildung einen vorübergehenden Boom im Vorfeld der europaweiten Einführung neuer Motorrad-Führerschein-Klassen ab 19. Jänner 2013. Nach den Vorzieheffekten des Jahres 2012 lagen die Ausbildungszahlen Anfang 2013 bei der Motorradausbildung in den Fahrschulen jedoch wieder unter dem Niveau der Vorjahre, während der Verkauf von Leichtmotorrädern auch 2013 weiter zunimmt, erläutert Stefan Ebner, Geschäftsführer des WKÖ-Fachverbandes der Fahrschulen und des Allgemeinen Verkehrs.
Insgesamt ging seit der Einführung der Mehrphasenausbildung im Jahr 2003 die Anzahl der tödlich verunglückten Motorradlenker in den vergangenen 10 Jahren um ein Drittel zurück und erreichte mit 68 bzw. 70 Personen in den vergangenen drei Jahren die bisher niedrigsten Werte.

125 ccm für Jugendliche und B-Schein-Besitzer
Mit der Umsetzung der 3. EU-Führerscheinrichtlinie wurde eine neue Motorrad-Führerscheinklasse A1 eingeführt. Seit Jänner 2013 dürfen erstmals bereits 16-Jährige mit einem 125er-Motorrad (max 11 kW) unterwegs sein. Im Alterssegment bis 18 Jahre war bisher kein Unfalltoter zu verzeichnen - bei allerdings noch wenigen Lenkerberechtigungen, so Ebner.
Leichtmotorräder mit einem Hubraum von nicht mehr als 125 ccm3 dürfen auch B-Führerscheinbesitzer (Pkw) lenken, in deren Führerschein der Code 111 eingetragen ist. Für die Eintragung des Codes 111 müssen sechs Stunden praktischer Fahrunterricht ohne Prüfung in einer Fahrschule oder bei einem Autofahrerclub absolviert werden. (PM)

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