Spitalsärzte: Enorm hohes Burnout-Risiko

ÖÄK-Vize Mayer: Strukturelle Lösungen statt Sparstift - Personal entlasten

Wien (OTS) - Österreichs Ärztinnen und Ärzte haben ein enorm hohes Risiko, an Burnout zu erkranken. Schuld sind enorme Belastungen im Beruf, vor allem Spitalsärzte sind akut gefährdet. Abhilfe schaffen können nach Ansicht von Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, nur drastische Verbesserungen in den Spitälern. "Wir trommeln seit Jahr und Tag, dass die Spitalsärzte mehr Stunden im Spital verbringen, als gesund für sie ist. Wir wollen die Einführung von Administrationsassistenzen zur Entlastung vor allem der Turnusärzte, wir wollen eine gesetzliche Beschränkung der maximal durchgehenden Arbeitszeit auf 25 Stunden, und wir wollen, dass sich die Politik endlich um den akuten Personalmangel kümmert anstatt den Rotstift anzusetzen", forderte Mayer am Mittwoch in einer Aussendung.

Schützenhilfe bekommt der Kurienobmann von Peter Hofmann, der vor zwei Jahren eine Studie zum Burnout-Risiko bei Ärztinnen und Ärzten durchgeführt hat und Experte auf dem Gebiet ist. "Besonders gefährdet sind männliche Spitalsärzte bis 47 Jahre, vor allem jene, die sich in einer Ausbildung zum Facharzt befinden. Aber auch Turnus- und Fachärzte haben ein hohes Risiko", führte Hofmann aus. Das Risiko sei bei Ärztinnen und Ärzten überdurchschnittlich hoch, gerade im Vergleich mit anderen Hochleistungsberufen. Hofmann: "Richter, Wirtschaftstreibende und Wirtschaftstreuhänder haben ein Burnout-Risiko von 40 Prozent. Bei den Ärzten sind es zwischen 50 und 60 Prozent, das heißt, dass mindestens jeder Zweite gefährdet ist." Solche Zahlen dürften keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden, warnte Hofmann, zumal einem Burnout relativ einfach vorgebeugt werden könne.

Für die Spitäler sei ein Bündel struktureller, wohlüberlegter Maßnahmen notwendig, führte Mayer aus: "Man kann es nicht oft genug betonen: Wir brauchen flexible Arbeitszeitmodelle, die gesetzlich verankerte Beschränkung der durchgehenden Arbeitszeit auf 25 Stunden, Kinderbetreuungsmöglichkeiten und mehr Personal. Nur so können die Kolleginnen und Kollegen entlastet werden, und nur so wird es möglich sein, Burnout und die damit zusammenhängenden Krankheiten abzuwenden." Die Problematik sei bekannt, ebenso die von der ÖÄK vorgeschlagenen Lösungsansätze. "Passiert ist jedoch nichts, im Gegenteil, der Sparstift kommt weiterhin zum Einsatz und wir dürfen uns anhören, dass es gar keinen Ärztemangel geben kann. Das ist ein Hohn", ärgert sich der Kurienobmann. (slv)

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