WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Unpopulär, aber wirksam - von Oliver Jaindl

Privates Inkasso mag schick sein - die wahre Macht hat aber der Staat

Wien (OTS) - Es ist eine leidige, aber nicht wegzudiskutierende Tatsache: Die meisten Kunden - seien es Unternehmen oder Konsumenten - zahlen verlässlich, aber ein gewisser Teil will oder kann nicht zahlen.

Dieser Umstand hat mehrere Auswirkungen. Einerseits führt das vertragswidrige Nichtfließen von Geld kurioserweise zu zusätzlichen Geldflüssen. Denn die Inkassowirtschaft, Anwälte und auch die Justiz verdienen an jenen "Zusatzkosten", die schuldhaftes Nichtzahlen aufgeworfen haben und letztlich beim Schuldner mit eingetrieben werden (sollten). Das ist zwar eine schöne Tatsache in einer wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung, hilft dem einzelnen Betroffenen aber herzlich wenig. Folglich ist die Frage, wie er am geschicktesten an "sein" Geld kommt. Die Inkassobranche hat immer wieder in der Vergangenheit von Konsumentenschützern den Stempel eines zwielichtigen Wirtschaftszweiges aufgedrückt bekommen. Manchmal sicher zu Recht - allerdings darf auch nicht übersehen werden, dass Inkassodienste ja nicht ohne Grund tätig werden und viele seriös arbeiten.

Allerdings: Ob Inkassodienst oder der böse Mahnbrief vom Anwalt - all diese "privatwirtschaftlichen" Eintreibungsmethoden mögen in einer (seit 2008 wohl etwas angeknacksten) liberalen Weltsicht ad "weniger Staat, mehr Privat" schick sein. Sie kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirkliche Macht im Staat - auch, was die zwangsweise Eintreibung von Forderungen betrifft - nur der Staat selbst hat. Der Gesetzgeber hat vor Jahren gut daran getan, Mahnklagen einzuführen. Sie sind rasch erledigt, fachlich nicht anspruchsvoll und daher auch von Schreibkräften statt teuren Anwälten bewältigbar. Und sie erwirken in der Mehrzahl der Fälle das, was wirklich hilft: Exekutionstitel.

Populär ist ein derartiger Ansatz sicher nicht - wirksam aber sehr wohl. Denn bei allem Verständnis dafür, dass Schuldner, die wirklich nicht zahlen können, in einer unangenehmen Situation stecken, darf auch nicht übersehen werden, dass auch Gläubiger nichts zu verschenken haben. Man könnte es sogar so weit zuspitzen: Wem sind mehr Sympathien entgegenzubringen, wenn es "Spitz auf Knopf" steht:
dem Schuldner, der ohne Geld zu haben eingekauft hat - oder sind die Sympathien doch aufseiten des Mitarbeiters des Gläubigers, der wegen des Ausfalls der Zahlung gekündigt werden muss?

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