Erneut massive Überschreitung des in der Flughafen-Mediation vereinbarten Zielwerts für die Abflugroute Liesing!

Windstille und Floriani-Prinzip zu Lasten der Steuerzahler als Ursache?

Wien (OTS) - Aus der Veröffentlichung des Evaluierungsberichtes des Flughafen-Dialogforums für das Jahr 2012 geht hervor, dass die von dröhnenden Starts im Südwesten Wiens Betroffenen ihr Gefühl nicht getäuscht hat. Zum 8. Mal in Folge wurde die 2005 vereinbarte Reduktion auf der Abflugroute Liesing nicht eingehalten. Und das obwohl die Flugroute erst 2004 überfallsartig auf den 23. Bezirk und andere dicht besiedelte Gebiete verlegte wurde.

Als Ursache für die Überschreitung des Zielwerts um mehr als 25% wird im Evaluierungsbericht des Flughafen-Dialogforums Windsstille(!) und die Entlastung deutlich weniger dicht besiedelter Gebiete angegeben. Damit bestätigt sich einmal mehr, dass die Starts auf der Windstille-Abflugroute Liesing nicht technisch sondern politisch motiviert sind, aber auch, dass die privatrechtlichen Vereinbarungen am Flughafen von der Austro Control nicht notwendigerweise eingehalten werden müssen. Dass man die jahrelange Mehrbelastung des Steuerzahlers durch unnötig hohe Fluglärm-Gesundheitskosten im Bericht des vom Flughafen gesponserten Plaudervereins ziemlich passiv zur Kenntnis nimmt, ist daher auch wenig verwunderlich.

Höchst amüsant liest sich hingegen die Liste der Ausnahmen für die Nichteinhaltung der Abflugstrecken. So wurden diese 6725-mal nicht eingehalten, wofür zum Teil das Wetter verantwortlich gemacht wurde. Die Austro Control schließt hier auch wetterbedingte Staus mit ein. Wenn das Wetter nicht schuld ist, darf die Austro Control laut Mediationsvertrag zusätzlich 10 Starts pro Tag einfach anders fliegen lassen. Am Ende bleiben trotz aller Ausnahmen über 500 Abweichungen ohne Konsequenz, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass sich hier die Flugverkehrslobby selbst kontrolliert. Vermutlich ist das auch die Erklärung dafür, warum es keine Betroffenenzahlen für Windstille sondern nur für Westwind und Südostwind gibt, obwohl der Pistenbelegungsplan der Austro Control hier 3 und nicht 2 Windlagen unterscheidet.

Und so wie jedes Jahr und entgegen aller übermittelten Nachweise führen die grob unvollständigen Lärmmessungen - zumindest für Liesing - zu unrealistisch niederen Dauerschallpegeln. Erneut wurde der Frage, warum lauter gerechnet als gemessen wurde, nicht nachgegangen - wozu auch, da wäre der Fehler ja offenkundig. Auch die vom Umlandkoordinator des Flughafens bereits 2012 in Aussicht gestellte Richtigstellung dürfte es erneut nicht in den Evaluierungsbericht geschafft haben. Umso interessanter, dass für die Nacht eine Lärmzone von 40dB berechnet werden kann, während sich diese für den Tagfluglärm angeblich nicht vernünftig berechnen lässt. Womit es laut Evaluierungsbericht 2012 keine Betroffenen im gesamten 23. Bezirk, Perchtoldsdorf und Breitenfurt gibt.

Dass die Mehrzahl der vom Flughafen erfassten Beschwerden 2012 nicht mehr aus dem 23. Bezirk gekommen sind, kann hingegen nicht verwundern. Aufgrund von falschen, als diffamierend empfundenen Antworten und der Unveränderlichkeit des Problems durch das Dialogforum hat die BI "Liesing gegen Fluglärm" bereits im Februar 2012 empfohlen, Beschwerden direkt an die formal zuständige Stelle -das Infrastrukturministerium, allen voran die zuständige Verkehrsministerin - zu richten. Dass nunmehr auch das Infrastrukturministerium trotz der von uns übersandten Nachweise mit den falsch ermittelten Dauerschallpegeln des Flughafens argumentiert, ist bedauerlich, ändert aber nichts an der formalen Verantwortung für die unsinnige Abflugroute über Liesing, die eines der Themen der Podiumsdiskussion am 11.9.2013 sein wird.

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