Industrie: Arbeitswelt modernisieren - Populistische Rufe nach punktuellen und Eingriffen für Beschäftigung nicht zielführend

Wien (OTS) - IV-Präsident Kapsch: Warum sind 12 Stunden bezahlter Arbeit "sozialer Tiefschlag"? Niemand verliert dabei einen Cent -Grundsätzliche Diskussion über modernes Arbeitszeitrecht erforderlich

"Moderne Arbeitszeitmodelle tragen zu einer höheren Beschäftigungssicherheit bei. Davon profitieren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber", betont der Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Mag. Georg Kapsch, heute, Freitag, anlässlich der aktuellen Debatte um die Arbeitszeit in Österreich. "Es geht nicht darum, in Summe länger zu arbeiten, sondern dann zu arbeiten, wenn es sinnvoll ist. Wir brauchen eine sachgerechtere Verteilung der wöchentlichen Normalarbeitszeit. Denn nur in einer modernen Arbeitswelt, die den veränderten Bedürfnissen der Menschen - andere Lebensentwürfe als vor 50 Jahren - sowie der Unternehmen - viel stärkere internationale Verflechtung und Globalisierung - entgegenkommt, kann unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig gesichert bleiben. Vorschnelle Rufe nach punktuellen, kurzfristigen Maßnahmen in Wahlkampfzeiten tragen nicht zur Wettbewerbsfähigkeit des Arbeits- und Industriestandorts Österreich bei und gefährden Arbeitsplätze."

"Anstatt sich isoliert mit Einzelfragen zu beschäftigen, verlangen die steigenden Arbeitslosenzahlen vielmehr Lösungen von der Politik, die den Arbeitsmarkt ankurbeln und nicht weiter hemmen. Um langfristig Beschäftigung in Österreich zu sichern, ist ein zeitgemäßes Arbeitszeitrecht notwendig, das steigenden Arbeitslosenzahlen und sinkender Wettbewerbsfähigkeit des Standortes entgegenwirkt. Erforderlich sind zeitgemäße praktikable Tages-Höchstarbeitszeitgrenzen sowie neue Durchrechnungsmöglichkeiten auf Betriebsebene", so Kapsch. "In einer globalisierten Welt und der immer noch konjunkturell schwierigen Wirtschaftslage brauchen Unternehmen die grundsätzliche Möglichkeit, beweglich und unbürokratisch auf schwankende Auftragseingänge reagieren zu können." Daher stehe die Industrie auch klar zu All-in-Verträgen. "Es ist ein völliges Missverständnis, dass diese primär zum Nutzen der Unternehmen seien. Sie dienen vielmehr auch den neuen Lebensanforderungen der Menschen und beruhen auf Vertrauen, dass die Mehrleistung, die durch einen All-in-Vertag auf wechselseitiger Vertrauensbasis bezahlt wird, auch tatsächlich erbracht wird. Diese und andere bestehende Regelungen einzuschränken, die uns geholfen haben, die Wirtschaftskrise besser als andere Staaten zu meistern, wäre fatal", so Kapsch.

"Die seitens des ÖGB aufgestellte Forderung nach einer "Arbeitsmarktabgabe" von einem Euro pro Überstunde würde die Arbeitszusatzkosten weiter erhöhen, warnt Kapsch. Darüber hinaus funktioniere die Umrechnung von Überstunden in zusätzliche Arbeitsplätze "nicht so einfach, wie die Gewerkschaft, dies gerne darstellt". Weil ein Kurzstreckensprinter 100 Meter in 9 Sekunden läuft, heißt das ja auch nicht, dass man einen Marathon in einer Stunde laufen kann. Notwendig sei vielmehr ein weniger starrer Arbeitszeitrahmen, der eine entsprechende Reaktion auf Auslastungsschwankungen ermögliche. Hinzukomme, dass die Zahl der geleisteten Überstunden laut Statistik Austria im Vergleich zum Vorjahreswert im 1. Quartal um 9,7 Mio. Stunden gesunken sei. "Bei den tatsächlich geleisteten Jahresarbeitsstunden pro Kopf liegt Österreich im OECD-Vergleich zudem im Mittelfeld."

"Sachlich nicht gerechtfertigt ist auch die geforderte Angleichung des Zeitausgleichs an den Urlaub im Krankheitsfall. Erkrankt ein Arbeitnehmer am dienstfreien Wochenende, erhält die Person unstrittig ebenso keinen anderen Wochentag frei. Im Gegensatz zum Urlaub steht nämlich während der Inanspruchnahme von Zeitausgleich nicht der Erholungszweck im Vordergrund, sondern eben eine Annäherung der durchschnittlichen Arbeitszeit an die Normalarbeitszeit. Die Entscheidung des OGH ist daher zutreffend und zu respektieren", betonte der IV-Präsident.

Grundsätzlich sei die Frage zu stellen, so Kapsch, ob es derzeit wirklich der richtige Zeitpunkt und die geeignete wirtschaftliche Lage sei, "in einem global immer schwieriger werdenden Umfeld laufend Forderungen zu stellen, die dem Einzelnen wenig bringen und ihn in vielen Fällen sogar einschränken. Insgesamt entstehend gleichzeitig laufend höhere Kosten, die unsere Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit einschränken und somit sicherlich nicht Arbeitsplätze in unserem Land halten. Wir haben in Österreich - mit Ausnahme weniger, die an der Wohlstanderhöhung nicht gleich partizipieren konnten - ein Wohlstands-Niveau erreicht, das nur schwer zu erhöhen ist, ohne damit dessen Basis zu gefährden." Man müsse sich von der Illusion trennen, "dass in Zukunft alles regelbar sein wird, nach einem bestimmten exakt vordefinierten Schema ablaufen muss und alles immer kontrollierbar sein wird. Die Menschen wollen immer größere Freiheitsgrade. Das ist gut so und dem wird von den Unternehmen auch Rechnung getragen. Permanentes Misstrauen und die permanente Unterstellung der Ausbeutung seitens der Arbeitnehmervertretung ist wirklich unerträglich", so der IV-Präsident.

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