Eine erkenntnisreiche Operninszenierung, Kapitalismuskritik und ein mutiger Film im "Kulturmontag" am 19. August in ORF 2

Sven-Eric Bechtolf inszeniert "Cosi fan tutte", Aktionisten-Gruppe "Geld stinkt nicht, Armut schon" und Haifaa Al Mansours Regiedebüt

Wien (OTS) - Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung von "Cosi fan tutte", eine Linzer Aktionisten-Gruppe, die scheinbar für die Rechte der Reichen eintritt, sowie Haifaa Al Mansours Regiedebüt "Das Mädchen Wadjda" für die Rechte der Frauen in Saudi-Arabien und die Kultur-Doku "Altes Lied - neue Töne" sind nur einige der spannenden Themen, denen sich der "Kulturmontag" mit Clarissa Stadler am 19. August 2013, um 22.30 Uhr in ORF 2 widmet. Im Anschluss präsentiert der "art.film" um 0.00 Uhr den Dokumentarfilm "Banksy - Exit Through the Gift Shop".

Selbsterkenntnis: Sven-Eric Bechtolf inszeniert Mozarts "Cosi fan tutte"

Eigentlich bedeutet "Cosi fan tutte" ja "so machen es alle Frauen", es gilt aber für Männer und Frauen, ist Sven-Eric Bechtolf überzeugt:
"Wir sind für monogame Beziehungen nicht geschaffen. Ausschließlichkeit entspricht nicht unserer Natur. Trotzdem entscheiden wir uns aus einer komplexen Kosten-Nutzen-Rechnung für die Monogamie. Lustverzicht nennt man diese zivilisatorische Notoperation." Der Salzburger Schauspielchef will alle drei Da-Ponte-Opern inszenieren, die "Cosi" ist heuer der erste Streich. Und die ist für ihn "Die Vertreibung aus dem Paradies", wobei das Paradies für die Welt unserer Täuschungen, Triebe und Träume, die wir ungebremst ausleben dürfen, steht. Und warum wir das lustig finden? Aus Selbsterkenntnis, meint Bechtolf: "Dass wir in der Liebe nicht treu sind und ziemlich alberne Verrenkungen anstellen, um das zu vertuschen." Im "Kulturmontag" sind der Regisseur und die beiden Männer, die sich von einer Wette dazu anstacheln lassen, ihre Frauen zu betrügen: "Ferrando" Martin Mitterrutzner und "Guglielmo" Luca Pisaroni.

Kapitalismuskritik: Rettet die Reichen! Mit Ironie und einem Business-Plan durch die Krise

"Die Freunde des Wohlstands sind angetreten, um ihren Luxus zu verteidigen und der gnadenlosen Neidgesellschaft die Stirn zu bieten", heißt es auf der Homepage der Linzer Aktionisten-Gruppe "Geld stinkt nicht, Armut schon". 2009, nach der großen Finanzkrise, sind der Kulturwissenschaftler Thomas Duschlbauer und der Autor und Künstler Carlos Angelberger angetreten, die Minderheitenrechte der Superreichen zu verteidigen! Bei einer Luxusmesse wurden die "Freunde des Wohlstands" von linken Demonstranten beschimpft und von den Besucher/innen hofiert. "Der Kapitalismus muss gestürzt werden und zwar mit den eigenen Mitteln", sagt Friedrich von Borries, Architekt und Professor für Designtheorie in Hamburg in seinem Buch "RLF". Unter dem Motto "Werde Shareholder der Revolution" tritt RLF an, das kapitalistische Wirtschaftssystem mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Konsum wird Widerstand. Der "Kulturmontag" über zwei künstlerische Wege durch die Krise.

Fahrrad-Verbot: "Das Mädchen Wadjda": Eine Regisseurin rebelliert gegen das repressive Saudi-Regime

Nicht nur die öffentliche Vorführung von Filmen ist in Saudi-Arabien verboten, sondern auch schon das Drehen selbst ist untersagt - erst recht den Frauen, deren Rechte in dem autokratischen, islamischen Staat ohnehin extrem eingeschränkt sind. Dass es nun mit Haifaa Al Mansour ausgerechnet einer Frau gelungen ist, den ersten komplett in Saudi-Arabien gedrehten Film zu realisieren, wäre schon allein bemerkenswert. Doch "Das Mädchen Wadjda", das Spielfilmdebüt der in Kairo und Sydney ausgebildeten Regisseurin, überzeugt auch als leichtfüßiges Porträt einer Gesellschaft, in der Frauen auf trickreiche und mühsame Weise versuchen, sich ein Stück Freiheit zu erkämpfen. Wadjda ist zehn Jahre alt und lebt mit ihrer Mutter in Riad. Ihr Vater schaut nur gelegentlich vorbei, er hat das Interesse an seiner "Erstfrau" verloren und sieht sich nach einer zweiten Frau um. Wadjda wünscht sich nichts sehnlicher als ein Fahrrad, doch zum einen fehlt ihr das Geld, zum anderen ist es Frauen ohnehin untersagt, Rad zu fahren. Doch das gewiefte Mädchen setzt alles daran, sich ihren Traum zu erfüllen. Gedreht hat Haifaa Al Mansour ihren Debütfilm mit Unterstützung der deutschen Produzenten Roman Paul und Gerhard Meixner, teilweise mit versteckter Kamera. Der "Kulturmontag" über ein Land, in dem Frauen ohne Schleier das Haus nicht verlassen dürfen, Rad- und Autofahren verboten ist, wo ihnen selbst hinter Schulmauern das Spielen untersagt wird, wenn auf einem noch so weit entfernten Balkon ein Mann steht, der sie beobachten könnte.

"Altes Lied - neue Töne"

Was geschieht, wenn eine Kärntner Slowenin Sänger/innen aus Zimbabwe bittet, mit ihr das "Mölltal-Lied" neu zu interpretieren? Das gewagte Klangexperiment von Lisa Stern führt ins Innerste von Kärnten: zu Tabus, "Stammesfehden", Vorurteilen und zu einem Aufbruch in eine neue Zukunft. Die Filmemacher Michael Brauner und Christian Schüller begleiten den kärntnerisch-slowenisch-afrikanischen Chor bei der Einstudierung der "Kärntner Hymne" und bei diversen Konzerten. Die Reaktionen sind heftig; zwischen spontaner Zustimmung und klarer Ablehnung bleibt nichts offen. Das musikalische Roadmovie schürft jedoch tiefer und landet mitten in ungelösten Konflikten und einer Sprachlosigkeit, die hier tief verwurzelt und allgegenwärtig sind: in der Familie von Lisa Stern, beim traditionellen Männergesangsverein in Velden oder auf dem Pershmanhof in Bad Eisenkappel, wo eine slowenische Familie Partisanen im Zweiten Weltkrieg versteckt hatte und dies mit dem Leben bezahlen musste. Woher kommen die Ressentiments dem anderen gegenüber, einen doch alle hier von jeher dieselbe Landschaft, ähnliche Sorgen und Glücksmomente?

"art.film: Banksy - Exit Through the Gift Shop" um 0.00 Uhr

Über Jahre hinweg verfolgt der Franzose Thierry Guetta die verdeckt arbeitenden Akteure der Streetart mit der Videokamera. Schließlich kommt er dem Star der Graffiti-Subkultur auf die Spur: Banksy, der in seinen Bildern rund um die Welt politische Statements hinterlässt und mit seinen Werken innerhalb des Kunstmarkts Höchstpreise erzielt. Wer sich hinter dem populären Phantom verbirgt, weiß niemand. Als er Guettas Rohfassung sieht, dreht Bansky den Spieß um und dokumentiert fortan dessen Scheitern am Film über die geheimnisumwitterte Streetart-Szene. Mit Banksy, Thierry Guetta u. a. Regie führte Banksy.

Der "Kulturmontag" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar.

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