Neues Volksblatt: "Bruderkriege" von Manfred MAURER

Ausgabe vom 16. August 2013

Linz (OTS) - Der Rachefeldzug gegen christliche Kirchen in Ägypten trifft nicht nur völlig Unschuldige, er verzerrt auch das Bild von dieser Krise (Seiten 6, 7). Denn am Nil geht es ganz sicher nicht um einen christlich-islamischen Konflikt. Die Kopten haben vielmehr das Pech, in einer inner-islamischen Auseinandersetzung als Sündenböcke herhalten zu müssen. Dass sich an einigen Tatorten moderate Muslime den islamistischen Kirchenstürmern in den Weg zu stellen versuchten, mag den Kopten ein tröstliches Zeichen sein, vor allem aber illustriert es den der ägyptischen Misere zugrunde liegenden Konflikt: Hier die Muslime, die - durchaus inspiriert von der westlicher Lebensart - eine Kultur der Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zu etablieren versuchen. Dort jene Muslime, die ihr Heil in einem von religiösen Autoritäten und Gesetzen gelenkten Gottesstaat sehen. Die einen wollen eine Art islamische Demokratie, die anderen eine theokratische Ordnung. Das ist der eigentliche Frontverlauf in Ägypten und anderen islamischen Ländern. Dass moderate Muslime westlichen Input zulassen oder gar wünschen, ist kein Indiz für einen Kulturkampf Orient versus Okzident, sondern Ausdruck einer aufklärerischen Phase, die die islamische Welt erfasst hat.
Die Christen wissen aus ihrer Geschichte um das Grauen solcher Bruderkriege. Leider deutet vieles darauf hin, dass sich die Geschichte nun in der islamischen Welt wiederholt.

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