Afrika im Dokumentarfilm-Doppelpack am 18. August in ORF 2

Porträt über Miriam Makeba und Dokumentation über Schlingensiefs Operndorf in Burkina Faso

Wien (OTS) - Die "Stimme Afrikas" und ein Operndorf in Burkina Faso stehen im Mittelpunkt von zwei Dokumentarfilmen am Sonntag, dem 18. August 2013, in ORF 2. Den Beginn macht der "dok.film" "Mama Afrika" um 22.40 Uhr, der das außerordentliche Leben der Sängerin Miriam Makeba erzählt. Makeba war die erste südafrikanische schwarze Sängerin, die es zu internationalem Ruhm brachte. Sie sang gemeinsam mit Größen wie Harry Belafonte, Nina Simone und Dizzy Gillespie, sie sang vor politischen Idolen wie J. F. Kennedy oder Nelson Mandela. Im November 2008 brach Makeba nach einem Konzert im italienischen Volturno tot zusammen. Sie war 76 Jahre alt. Im Anschluss, um 0.05 Uhr, steht "Knistern der Zeit - Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso" auf dem Programm. Vor drei Jahren, am 21. August 2010, starb der Regisseur, Autor und Aktionskünstler Christoph Schlingensief. Sein Traum lebt jedoch weiter: Ein afrikanisches Bayreuth, eine Oper in Afrika! Trotz schwerer Krankheit zog es Christoph Schlingensief immer wieder auf diesen Kontinent, um sein wichtigstes Projekt zu starten: ein Operndorf im westafrikanischen Burkina Faso, einen Raum, an dem Leben und Kunst zusammengehören. Der vom ORF koproduzierte Dokumentarfilm erzählt die Geschichte eines scheinbar unmöglichen Projekts: von der Suche nach dem richtigen Ort im Mai 2009 bis zur Schuleröffnung im Oktober 2011. Filmemacherin Sibylle Dahrendorf begleitet Schlingensief darin hautnah und macht seine Version und seinen Kampf für das Projekt erfahrbar

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"Mama Afrika" um 22.40 Uhr

"Ich besinge keine Politik. Ich singe lediglich die Wahrheit", der 1932 im Township Prospect bei Johannesburg geborenen Miriam Makeba hat diese Auffassung künstlerischen Ausdrucks viel Zuspruch gebracht - und eine Menge Feinde. Mika Kaurismäkis Dokumentarfilm über die weltbekannte Sängerin, die ein halbes Jahrhundert lang die Welt bereiste und ihre politische Botschaft gegen Rassismus, gegen Armut, für Gerechtigkeit und Frieden verbreitete, ist die Hommage an eine Frau, die wie keine andere die Hoffnung und die Stimme Afrikas verkörperte. Miriam Makeba hat Musikerinnen und Musiker überall auf der Welt inspiriert und ein internationales Publikum begeistert. Den südafrikanischen Wurzeln ihrer Musik ist sie dabei immer treu geblieben. Ins Exil wurde sie schon 1959 getrieben, nachdem sie in dem Apartheid-kritischen Dokumentarfilm "Come Back, Africa" mitgewirkt hatte. Harry Belafonte verhalf ihr in die USA, wo sie 1962 unter anderem bei einer Geburtstagsfeier John F. Kennedys auftrat und 1967 mit "Pata Pata" ihren ersten Welthit hatte. Als sie 1968 den Black-Panther-Aktivisten Stokely Carmichael heiratete und ins Fadenkeuz des FBI geriet, ließ sie sich in Guinea nieder und setzte ihr Engagement gegen das weiße Apartheid-Regime in ihrer Heimat von dort aus fort. Bis zu ihrer Scheidung zehn Jahre später lebte sie in Guinea, tourte durch Europa, Südamerika und Afrika. Private und persönliche Schicksalsschläge machten ihr in den Folgejahren das Leben jedoch zunehmend schwerer.

Dennoch setzte sie sich weiterhin für Menschenrechte ein, trat mit Paul Simon im Zuge der "Graceland"-Tournee auf und kehrte nach Nelson Mandelas Freilassung 1990 nach 27 Jahren im Exil wieder in ihre Heimat Südafrika zurück. Im Jahr 2005 verabschiedete sich "Mama Afrika", wie sie liebevoll in ihrer Heimat und von ihren Anhängerinnen und Anhängern genannt wurde, vom Musikgeschäft und absolvierte lediglich noch kleinere Auftritte. Ein Benefizkonzert zugunsten des von der Camorra bedrohten Schriftstellers und Journalisten Robert Saviano am 9. November 2008 im italienischen Castel Volturno sollte ihr letzter Auftritt sein. Nach einem Herzinfarkt auf der Bühne starb sie im Alter von 76 Jahren.

Mit Hilfe von seltenen Dokumentaraufnahmen und zahlreichen Interviews stellt der Film den Lebensweg dieser außergewöhnlichen Künstlerin, die mehr als 50 Jahre lang musikalisch für Furore gesorgt hatte, dar. Freunde, Verwandte und Kollegen kommen dabei ebenso zu Wort wie junge Vertreterinnen der afrikanischen Musikwelt.

"Knistern der Zeit - Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso" um 0.05 Uhr

Ein Dorf mit einer Schule, mit Film- und Musikklassen, das wollte Christoph Schlingensief realisieren. Eine Krankenstation und natürlich eine Oper oder ein Theater, einen Festsaal oder ein Bürgerhaus, wie er es oftmals nannte, außerdem Wohn- und Gästehäuser, eine Kantine sowie ein Fußballfeld. Er wollte eben alles an einem Ort, in einem Dorf versammeln, alles, was es zum Leben und Überleben braucht. Der Film erzählt, wie das Dorf Remdoogo nahe der Hauptstadt Ouagadougou zu wachsen beginnt, langsam, ohne Druck, angefangen von der Suche nach dem idealen Platz bis zur Eröffnung. Im Mittelpunkt Christoph Schlingensief, der Künstler aus Deutschland, und Diébédo Francis Kéré, der Architekt und Häuptlingssohn aus Burkina Faso, sowie die Menschen, die dieses Dorf mit Leben füllen. Doch dann kommt alles anders. Im Spätsommer 2010 stirbt Christoph Schlingensief im Alter von 50 Jahren an Lungenkrebs.

Der Tod ist Bestandteil des Films, ebenso wie das Leben selbst, das Schlingensief dem Projekt schenken wollte. Der vielseitige Künstler hat immer die Grenzen eingerissen - zwischen Bühne und Realität, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Film und Filmriss. Und plötzlich war es die Grenze zwischen Leben und Tod. Darum erzählt der Film nicht rein chronologisch, wann sich das eine oder andere ereignete. Es ist eine Geschichte für Christoph Schlingensief geworden, mit seinem unaufhörlichen Bedürfnis nach Leben und mit seiner explosiven Energie über den Tod hinaus.

"Knistern der Zeit - Christoph Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso" ist eine Koproduktion von Perfect Shot Films, ORF und ZDF, in der neben Schlingensief selbst und Diébédo Francis Kéré außerdem u. a. Schlingensiefs Ehefrau, die Bühnen- und Kostümbildnerin Aino Laberenz, sowie das "Via Intolleranza II"-Ensemble mitwirkten.

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