Jungunternehmer: Optimuspool der heimischen Wirtschaft trocknet aus

Seit 2009 deutlicher Negativtrend bei Grundstimmung. Klare Erwartungen an neue Regierung, aber wenig Hoffnung auf Umsetzung

Wien (OTS/PWK562) - "Der Rückblick auf die letzten Jahre der Legislaturperiode zeigt: Wir sehen uns mit einem kontinuierlichen Negativtrend bei der Grundstimmung konfrontiert. Die Politik hat es verabsäumt wichtige Reformen anzugehen. Das prägt auch die Einstellung gegenüber einer neunen Bundesregierung. Es bestehen klare Erwartungen, aber wenig Hoffnung auf deren Erfüllung. Der Optimismuspool der Wirtschaft trocknet langsam aus", fasst Markus Roth, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft (JW) die Ergebnisse des aktuellen Konjunkturbarometers unter rund 1.200 Jungunternehmern zusammen.

Tiefpunkt 2011: Geringfügige Verbesserung entspricht nicht Niveau von 2009
Der Vergleich der letzten Jahre zeigt sehr deutlich: "Im Krisenjahr und zu Beginn der Legislaturperiode hatten viele Jungunternehmer Hoffnung auf eine Verbesserung und die Grundstimmung war tendenziell positiv. Laufend verschlechterte sich jedoch diese Grundstimmung. Der absolute Tiefpunkt wurde Ende 2011 erreicht. Seitdem hat sich die Lage zwar geringfügig verbessert, jedoch sind wir weit von den Werten von Mitte 2009 entfernt", analysiert Roth. Denn seit November 2011 sehen die jungen Unternehmen die Wirtschaftslage etwas positiver: So blickten Mitte 2009 noch 44,9 Prozent positiv in die Zukunft. Aktuell glauben immerhin schon wieder 20 Prozent, dass sich die wirtschaftliche Situation verbessern wird (Jänner 2013: 15%).

Schuldenabbau, Bildung und Förderung unternehmerischen Denkens, Steuerreform sowie alternative Finanzierungsformen als Topthemen an die neue Regierung
Es zeigt sich, dass in dieser Legislaturperiode offensichtlich wichtige Themen zu wenig angegangen worden sind, was auch den mittelfristigen Trend zu einer pessimistischeren Grundstimmung erklärt. Viele Jungunternehmer sehen daher für eine neue Bundesregierung einen akuten Handlungsbedarf in zentralen Fragen. Dazu zählen ein rascher Schuldenabbau, eine Steuerreform, Bildungsfragen und die Förderung von unternehmerischem Denken sowie verbesserte Rahmenbedingungen für alternative Finanzierungsformen.

82 Prozent für raschen Schuldenabbau
Eine große Mehrheit der heimischen Jungunternehmer ist der Meinung, dass ein rascher Staatsschuldenabbau für die Zukunft Österreichs "sehr wichtig" bis "wichtig" ist. Davon erachten wiederum 97 Prozent den Abbau von Bürokratie als "sehr sinnvolle" bis "sinnvolle" Maßnahme um den Schuldenabbau zügig voranzutreiben. Einigkeit herrscht auch über die Sinnhaftigkeit einer grundlegenden Verwaltungsreform. Dieser Meinung sind 97 Prozent der Befragten. Die Erhöhung bestehender bzw. die Einführung neuer Steuern ist nur für 7 Prozent ein gangbarer Weg. Im Gegensatz dazu sehen 92 Prozent eine solche Maßnahme als "eher nicht sinnvoll" bzw. "nicht sinnvoll" an.

Jungunternehmer: Steuerreform für leistungsorientiertes Steuersystem
Auf die Frage, ob die neue Bundesregierung in der kommenden Legislaturperiode eine Steuerreform angehen soll, zeichnet die Umfrage ein klares Bild: 81 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass eine Steuerreform unbedingt erforderlich ist. Das betrifft insbesondere eine Senkung der Lohnnebenkosten sowie der Einkommenssteuer. Trotz der Wichtigkeit einer solchen Steuerreform sind 83 Prozent der Jungunternehmer skeptisch, dass diese durch eine neue Bundesregierung rasch umgesetzt wird.

Zukunftsthema Bildung: Förderung von mehr unternehmerischem Denken Im Hinblick auf den Nutzen für zukünftige Generationen sehen Jungunternehmer insbesondere die Bildung als zentrales Thema für die neue Bundesregierung. 96 Prozent der Befragten halten Bildungsinvestitionen für "sehr sinnvolle" bzw. "sinnvolle" Maßnahmen. Über 90 Prozent sprechen sich für die Förderung von mehr unternehmerischem Denken aus, um die Zukunftsfähigkeit Österreichs als Wirtschaftsstandort zu sichern. Die befragten Jungunternehmer sehen in diesem Bereich starken Handlungsbedarf: Auf die Frage, ob unternehmerisches Denken in Österreich bislang ausreichend gefördert wurde, antworten 84 Prozent mit "eher nicht" bis "auf keinen Fall".

80 Prozent wollen Verbesserung der Rahmenbedingungen für alternative Finanzierungsformen
"Die Jungunternehmer wollen von der neuen Bundesregierung Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für alternative Finanzierungsformen sehen. Das zeigt die Dringlichkeit dieses Themas für die jungen Unternehmen", so Roth. 85 Prozent unterstützen eine Verbesserung der aktuellen Rahmenbedingungen durch die Schaffung von Steueranreizen für Investitionen in Start-Ups. Eine große Mehrheit von 84 Prozent tritt für die Einführung eines Beteiligungsfreibetrags von bis zu 50.000 Euro bei Investitionen in Unternehmen ein. Bei der Umsetzung durch die neue Bundesregierung macht sich bei den Befragten Skepsis breit: Nur 19 Prozent halten eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für "sehr wahrscheinlich" bis "wahrscheinlich".

Schulden runter, Reformen her!
Jährliche Zinszahlungen, ein reformbedürftiges Pensionssystem und die bestehenden, ineffizienten Verwaltungsstrukturen belasten die zukünftigen Generationen. "Dort werden Milliarden Euro gebunden, die stattdessen für Investitionen in die Zukunft genutzt werden können. Die neue Bundesregierung kann sich nicht vorbeimogeln. Deshalb heißt es Ärmel hochkrempeln und eine tiefgreifende Pensionsreform sowie eine umfassende Verwaltungsreform umsetzen", fordert der JW-Vorsitzende.

Alternative Finanzierungsformen: Weitere Schritte müssen gesetzt werden
Kurz vor der Sommerpause hat der Nationalrat die Anhebung der Prospektpflichtgrenze von 100.000 Euro auf 250.000 Euro beschlossen. "Damit ist ein erster wichtiger Schritt im Bereich des Crowdfunding gelungen. Trotzdem fordern wir von der neuen Bundesregierung eine ambitioniertere Regelung", so Roth. Konkret fordert die Junge Wirtschaft einerseits eine Änderung des Einlage-Begriffes im Bankwesen-Gesetz. Andererseits eine weitere Anhebung der Prospektpflichtgrenze im Kapitalmarkt-Gesetz auf 5 Millionen Euro sowie die Einführung stufenweiser Informationspflichten.

Die Junge Wirtschaft wird die Politik auch in der kommenden Legislaturperiode weiterhin in die Pflicht nehmen, die dringend notwendigen Reformen umzusetzen. "Wir werden nicht locker lassen. Schließlich geht es um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Österreich und der späteren Generationen", versichert Roth abschließend. (us)

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