- 06.08.2013, 20:56:00
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TIROLER TAGESZEITUNG "Leitartikel" vom 7. August 2013 von Mario Zenhäusern "Integration mit Licht und Schatten"
Innsbruck (OTS) - Utl.: Menschen mit Migrationshintergrund fühlen
sich in Österreich heimischer als früher. Dieser positiven Nachricht
steht die Negativmeldung gegenüber, dass die Zahl der Schulabbrecher
in dieser Gruppe nach wie vor viel zu hoch ist.
Jeder fünfte Mensch in Österreich hat Migrationshintergrund. Laut dem
aktuellen Integrationsbericht haben in Österreich 1,58 Millionen
Menschen oder 19 Prozent der Gesamtbevölkerung ausländische Wurzeln.
1,167 Millionen sind selbst im Ausland geboren und später nach
Österreich eingewandert, 412.000 Personen sind in Österreich geborene
Nachkommen ausländischer Eltern.
Das ist nicht per se schlecht, weil die Einwanderer ja am
Arbeitsmarkt gebraucht werden. Allerdings, und das ist sämtlichen
Regierungen der jüngeren und älteren Vergangenheit vorzuwerfen, fand
und findet diese Arbeitsmigration vollkommen unkontrolliert und
unbetreut statt. Das muss Probleme schaffen. Zumal dann, wenn die
Zuwanderer dazu neigen, sich ethnisch und kulturell abzuschotten.
Es ist also nicht die Zuwanderung an und für sich verantwortlich für
das, was in Österreich und andernorts dann immer als
Parallelgesellschaft bezeichnet wird - also die Tatsache, dass
Inländer und Ausländer nicht mit-, sondern bestenfalls nebeneinander
leben und sich gegenseitig mit Vorurteilen zuschütten. Die
beiderseitige Bereitschaft, auf den anderen zuzugehen, würde Toleranz
und Akzeptanz voraussetzen. Beides fehlt, hüben wie drüben, mit
leichter Tendenz zur Verbesserung: Die Zahl jener Zuwanderer, die
sich in Österreich heimisch fühlen, stieg von 42 auf 52 Prozent, bei
Jugendlichen sogar signifikant - und das ist zumindest ein
Hoffnungsschimmer.
Eine andere Zahl aus dem Integrationsbericht allerdings ist explosiv
wie Dynamit: 13 Prozent der nichtdeutschsprachigen Schüler hatten am
Ende des Schuljahres 2012/2013 keinen Pflichtschulabschluss. Das sind
zwar um zwei Prozentpunkte weniger als noch im Jahr davor, aber
dieser Unterschied ist rein statistischer Natur. Und er ändert nichts
an der Tatsache, dass diese Schulabbrecher mangels Alternativen über
kurz oder lang auf der Straße oder als Bittsteller auf den
Sozialämtern landen.
Bildung und Integration sind erstrebenswerte Ziele und besitzen einen
kleinsten gemeinsamen Nenner: die Sprache. Wer hierzulande die
deutsche Sprache nicht beherrscht, kann dem Unterricht nicht folgen
und muss zwangsläufig scheitern. Sprachstartklassen setzen genau da
an. Sie sind bislang die einzig exekutierbare Maßnahme, um allen (!)
Kindern sprachlich auf die Beine zu helfen. Wer das nicht will, nimmt
in Kauf, dass unser Schulsys█tem weiter Jahr für Jahr künftige
Sozialhilfeempfänger produziert.
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